Donnerstag, 28.04.2016

Darmstädter Stadtverbot heizt Stimmung an

Hessen-Derby immer brisanter

Vor dem Hessen-Derby zwischen Darmstadt 98 und Eintracht Frankfurt heizt das 36-stündige Aufenthaltsverbot für die Frankfurt-Fans die Stimmung weiter an. Es könnte ein juristisches Nachspiel haben.

Die Frankfurter dürfen nicht einmal die Stadt betreten
© getty
Die Frankfurter dürfen nicht einmal die Stadt betreten

Sogar die Hauptfiguren aus "Herr der Ringe" spielen beim Streit um das Aufenthaltsverbot der Fans von Eintracht Frankfurt in Darmstadt irgendwie eine Rolle. Bei Youtube hat ein findiger Geist einfach einen Ausschnitt der Kinotrilogie mit Stimmen von Frankfurter Profis, Trainer Niko Kovac und Vorstandsboss Heribert Bruchhagen vertont.

Der neue Titel des Werks: "Heribert und die Gefährten - Großaufgebot in Darmstadt". Die Bilder zeigen Trubel und Chaos - alle wollen rein, aber dürfen nicht. Zum Lachen allerdings ist den Anhängern des akut abstiegsbedrohten Bundesligisten vom Main vor dem Derby bei Darmstadt 98 am Samstag (15.30 Uhr im LIVETICKER) nicht zu Mute.

Neben dem Ausschluss der Eintracht-Fans im Stadion am Böllenfalltor tritt aus Sicherheitsgründen am Wochenende in Darmstadt auch ein 36-stündiges Aufenthaltsverbot für Frankfurt-Sympathisanten in Kraft.

Eingriff in die Freiheitsrechte

Etliche Juristen glauben allerdings, dass das Stadtverbot nicht rechtens ist und gekippt werden könnte. Das größte Problem der von der Stadt Darmstadt erlassenen Allgemeinverfügung sei der Kreis der Adressaten. "Der ist völlig unbestimmt. Und das geht so nicht", sagte Eintracht-Vizepräsident und Anwalt Stefan Minden der Frankfurter Rundschau.

Minden verurteilt, dass "massiv in ein Freiheitsrecht von Bürgern" eingegriffen werde. "Wenn der Staat das macht, muss er die Verhältnismäßigkeiten wahren. Und das war beim Stadtverbot ganz offensichtlich nicht der Fall", meinte Minden. Die Annahme, dass jeder Eintracht-Fan ein potenzielles Sicherheitsrisiko darstelle, sei "juristisch nicht haltbar".

Vorerst gilt das Stadtverbot vom 29. April (19.00 Uhr) bis zum 1. Mai (7.00 Uhr). Am Mittwoch hatte der Eintracht-Fanclubverband angekündigt, die Verfügung vor dem Verwaltungsgericht Darmstadt anzufechten. Es sei ein Eingriff ins Grundrecht, "die Verfügung ist unverhältnismäßig", hatte Anwältin Waltraut Verleih kritisiert.

Sollte das Verwaltungsgericht die Verfügung aufheben, kann die Stadt Rechtsmittel einlegen. Nicht ausgeschlossen ist, dass es erst kurz vor Beginn des Derbys zu einer Entscheidung kommt.

Auch Eintrachts Finanz-Vorstand Axel Hellmann zeigte kein Verständnis für das Verbot. Die Maßnahme sei im Kern "nicht geeignet", eine Unterscheidung zwischen gewaltbereiten und allen anderen Fans von Eintracht Frankfurt zu treffen. "Sie richtet sich damit in unverhältnismäßiger Art und Weise gegen die bloße Gesinnung, mit Eintracht Frankfurt zu sympathisieren, und dies kann nach unserer Auffassung nicht Gegenstand staatlichen Handelns sein", klagte Hellmann.

"Zum Derby gehören beiden Seiten"

Manch einer glaubt sogar, dass das Verbot die Eskalations-Gefahr noch verstärken könnte. Am Samstag jedenfalls steht in der Wissenschaftsstadt der größte Polizeieinsatz im Rahmen eines Bundesliga-Spiels an.

Am Donnerstag relativierte Andrea Löb, die stellvertretende Sprecherin des Polizeipräsidiums Südhessen, das Verbot. "Wer einen entsprechenden Grund nachweisen und sagen kann, warum er nach Darmstadt will, bekommt das nicht verboten", sagte sie bei hr-iNFO: "Jeder, der legal nachweisen kann, dass er eine Karte hat, darf ins Stadion."

Lilien-Kapitän Aytac Sulu indes bedauerte den Ausschluss von Anhängern aus dem Stadion im Allgemeinen. "Ich fände es besser mit gegnerischen Fans, die dich mal auspfeifen, die Schmähgesänge anstimmen, das motiviert", sagte Abwehrchef Sulu (30) dem kicker und meinte: "Wenn dich das ganze Stadion wie auf Schalke oder in Dortmund auspfeift, macht das als Fußballer mehr Spaß. Und auch zu einem Derby gehören beide Seiten, das macht so ein Spiel erst aus."

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