Schalke-Kapitän trotz Verletzung im Trainingslager

Höwedes will Führungsspieler

SID
Freitag, 10.07.2015 | 16:40 Uhr
Benedikt Höwedes sehnt sich nach Führungsspielern
© getty
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Während seine Kollegen am Freitagmorgen im Waldstadion beim Training schwitzten, planschte Schalke-Kapitän Benedikt Höwedes im Wörthersee. Natürlich gezwungenermaßen. Aquajogging stand auf dem Programm.

Der 27-Jährige laboriert an einer Fußverletzung, die ihn noch rund einen Monat zum Pausieren zwingt. Höwedes hatte sich das Delta-Band des Innenbands im Knöchel "nahezu komplett abgerissen". Auch das Syndesmoseband war betroffen.

Trotz seiner Verletzung reiste Höwedes ins Schalker Trainingslager nach Velden, um bei der Mannschaft zu sein. Auf der Terrasse des vornehmen Schlosshotels stand er den mitgereisten Journalisten Rede und Antwort. Höwedes sprach über den neuen Trainer Andre Breitenreiter, die Ziele für die kommende Saison und erklärte, warum er Angebote aus England ausschlug.

Benedikt Höwedes über ...

... seine Verletzung: Es war mit dem Trainer und dem Manager so abgespochen, dass ich hierher nachreise, um eng bei der Mannschaft zu sein - auch wenn ich noch nicht viel machen kann. Ich bin viel im Wasser unterwegs, mache Aquajogging und absolviere Einheiten im Kraftraum für Oberkörper- und Beinkraft. Ich habe zuletzt viel Muskelmasse verloren, weil ich in der Anfangsphase nach meiner Verletzung einen Gips beziehungsweise eine Gehschiene getragen habe. Von daher ist die Muskulatur in den Waden und den Oberschenkeln verlorenen gegangen. Da muss ich jetzt erstmal aufholen, damit ich gut vorbereitet bin, wenn ich irgendwann ins Lauftraining übergehe.

... zum Comeback-Termin: Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und ich haben uns darauf verständigt, jetzt nicht zu sagen: In drei oder vier Wochen bin ich wieder da. Wir müssen gucken, wie der Fuß auf Belastung reagiert. Dementsprechend werden wir die Trainingseinheiten steuern. Wir werden nichts Wildes veranstalten, sondern sachlich an die Sache rangehen. Ungefähr wird es wohl einen Monat dauern, bis ich wieder auf dem Platz stehe. Ob ich zum Bundesliga-Start fit bin, kann ich nicht sagen. Ich wünsche es mir natürlich genauso wie der Trainer. Ob es so kommt, weiß ich nicht. Ich brauche natürlich auch eine gewisse Grundlage, was Ausdauer, Rhythmus und Kraft angeht. Ich brauche Geduld und Zeit.

... über seine Entscheidung für Schalke: Mit der entscheidende Punkt war, dass ich sehr positive Gespräche mit dem Trainer hatte, der eine unglaubliche Euphorie ausstrahlt und richtig Bock auf Schalke hat. Ich habe immer gesagt, dass mich das Ausland reizt, dass aber mein Bauch und mein Herz entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Letztendlich habe ich mich nach einer gewissen Zeit entschieden, dass ich mich nicht mit so einer schlechten Saison verabschieden möchte, wie wir letztes Jahr gespielt haben.

... über ein möglichen Rentenvertrag auf Schalke: Jeder weiß um meine Verbundenheit zu diesem Verein. Ich habe mich schließlich in diesem Sommer bewusst zu Schalke bekannt. Das Thema gehe ich in den kommenden Wochen ganz entspannt an, ohne mir Druck zu machen. Ob es letztendlich Realität wird, muss man abwarten. Ich bin nicht abgeneigt, habe aber auch immer wieder betont, dass mich das Ausland reizt. Wann der Zeitpunkt gekommen ist, weiß ich nicht. Vielleicht kommt er auch nie.

... die neue taktische Vorgaben: Prinzipiell soll das Auftreten und die Mentalität anders sein. Wir müssen als Mannschaft mehr Leidenschaft zeigen und den Fans das Gefühl geben, dass auf dem Platz eine Einheit steht, die zusammensteht und alles für den Erfolg tut. Dann werden auch Niederlagen schneller verziehen. Natürlich wird die taktische Ausrichtung etwas offensiver sein, sodass wir in der gegnerischen Hälfte ein Gegenpressing spielen möchten.

... über die sportlichen Ziele: Wir werden jetzt nicht anfangen, irgendwelche Saisonziele bezüglich des Tabellenplatzes auszugeben. Davon haben wir uns in diesem Jahr distanziert. Es geht hauptsächlich darum, auf dem Platz ein anderes Auftreten an den Tag zu legen. Da hat der Trainer richtig gute Ansätze. Er versprüht unheimlich viel Euphorie und ist unheimlich hungrig, sich mit dieser Mannschaft weiterzuentwickeln - nicht nur sich persönlich, sondern auch die Mannschaft nach vorne zu bringen. Da hat die Mannschaft richtig Bock drauf. Ich hoffe, dass wir mit diesem Gefühl in die Hinrunde gehen und einen guten Start hinlegen.

... über Di Matteo und Breitenreiter: Ich werde die beiden Trainer jetzt nicht vergleichen. Ich bin ein Freund davon, nicht zu viel in der Vergangenheit herumzugraben. Wir müssen den positiven Ansatz suchen und uns bewusst sein, dass wir hier derzeit eine sehr positive Erscheinung als Trainer auffinden, der sich mit uns zusammen weiterentwickeln will.

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... über die Mischung zwischen erfahrenen und jungen Spielern: Die Mischung ist sehr wichtig. Die jungen Leute bringen unheimlich viel Dynamik und eine gewisse Frische und Kreativität mit rein, die uns sicherlich sehr gut tut. Man sollte aber nicht vergessen, dass erfahrene Spieler wichtig für die Balance sind. Wir haben tatsächlich relativ wenige wirklich erfahrene Spieler, deshalb könnte man mit Sicherheit darüber nachdenken, ob man noch einen älteren, erfahrenen Spieler verpflichtet.

... über junge, erfahrene Spieler wie Draxler und Meyer: Jeder muss Verantwortung übernehmen, da darf sich niemand verstecken. Gerade solchen Spielern muss man aber trotzdem Platz zum Atmen geben, damit sie auch ihre kreativen Qualitäten entfalten können. Es ist wichtig, dass sie unbekümmert auftreten und sich nicht zu sehr unter Druck setzen. Das brauchen wir und davon leben wir. Deshalb brauchen wir eben auch Leute, die das Spiel anders in die Hand nehmen und führen können - auch im Training oder außerhalb des Platzes.

Aus dem Schalke-Trainingslager in Velden berichtet Niklas König

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