Fussball

Thiago: 365 Tage nix

Thiago Alcantara kam 2013 vom FC Barcelona zum FC Bayern München
© getty

Auf den Tag genau vor einem Jahr verletzt sich Thiago Alcantara am Knie. Seitdem hat der Spanier kein Pflichtspiel mehr für den FC Bayern bestritten. Die Leidenszeit von Pep Guardiolas Liebling neigt sich aber dem Ende entgegen.

Länderspielpausen sind beim FC Bayern immer ruhigere Tage. Der Großteil der Mannschaft ist auf Reisen und der Kader wird mit Spielern aus der zweiten Mannschaft und dem Nachwuchsbereich aufgefüllt.

Auch in dieser Woche waren elf Spieler des Rekordmeisters mit ihren Nationalmannschaften unterwegs, dazu fehlten Arjen Robben und Franck Ribery verletzt - und trotzdem dürfte Trainer Pep Guardiola seinen Spaß gehabt haben.

Denn immerhin konnte der Spanier mit seinen beiden Lieblingsschülern arbeiten: Philipp Lahm und Thiago Alcantara. Während der Kapitän in der Bundesliga schon wieder zu Kurzeinsätzen kam, wartet Thiago noch auf sein Comeback.

Thiago verletzt - Bundesliga vorbei

Am Sonntag ist genau ein Jahr vergangen, seit sich Thiago im Bundesligaspiel gegen 1899 Hoffenheim in einer unglücklichen Szene einen "ausgedehnten Teilriss des Innenbandes im rechten Knie" zuzieht, wie der FC Bayern damals mitteilt.

Die Bayern sind eine Woche zuvor in Berlin Meister geworden und Guardiola sagt nur ein paar Tage nach Thiagos Verletzung einen folgenschweren Satz: "Die Bundesliga ist für uns vorbei." Die Bayern verlieren in Augsburg, gegen Dortmund und ihren Rhythmus.

Guardiola hat mittlerweile zugegeben, dass es vermutlich falsch war, die Spannung abzulassen in dieser Phase der Saison. In den entscheidenden Champions-League-Spielen fehlte wahrscheinlich das eine oder andere Prozent.

Erster Rückschlag im Mai

Aber Guardiola konnte die "schlimme Nachricht" nur schwer verdauen. Immerhin war Thiago sein Wunschspieler. Der Akteur, der ihm die Anpassung an den FC Bayern und die Installation seiner Fußballidee auf dem Platz erleichtern sollte. Der Spruch "Thiago oder nix" hat sich eingebrannt ins kollektive Gedächtnis.

Thiagos Pässe, seine Geschicklichkeit im Eins-gegen-eins, sein vorausschauendes Spiel haben die Bayern besser gemacht. Seine Qualitäten fehlen den Münchnern.

Sechs bis acht Wochen Pause prognostizieren die Bayern in ihrer ersten Mitteilung. "Das Knie des Spaniers wurde mit einem Gips für 14 Tage ruhig gestellt", heißt es. Vier Wochen später absolviert er schon wieder Laufeinheiten an der Säbener Straße.

Doch Anfang Mai kommt es zum nächsten Innenbandanriss im rechten Knie. Diesmal wird Thiago operiert, die Ausfallzeit auf zehn bis zwölf Wochen beziffert. Die Hoffnung auf eine Rückkehr zum Pokalfinale und eine WM-Teilnahme ist dahin.

Fünf Monate bis zur nächsten Verletzung

Schwere Momente für Thiago, der sich wieder durch die Reha kämpfen muss. Der FC Bayern gewinnt in dieser Zeit noch den DFB-Pokal, Spanien scheitert ohne ihn bei der WM im Heimatland seiner Eltern in der Vorrunde.

Es vergehen rund fünf Monate bis Thiago im Oktober wieder mit der Mannschaft trainieren kann, ehe er sich wenige Tage später "aufgrund einer Narbeninsuffizienz" bei einem Zweikampf wieder "einen Teilriss des Innenbandes im rechten Knie" zuzog. Natürlich bin ich im Moment tief enttäuscht und verzweifelt. Warum immer ich?", fragt Thiago. Wieder wird er operiert.

Es ist der Moment, in dem der im Verborgenen schon lange schwelende Konflikt zwischen Trainer Guardiola und Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt an die Öffentlichkeit kommt.

Der Trainer-Arzt-Konflikt

Guardiola war es aus Barcelona gewohnt, dass sich der Arzt ständig am Trainingsgelände aufhält und bei den Einheiten zugegen ist. Müller-Wohlfahrt hat seine Praxis aber in der Innenstadt, die Profis kommen zu ihm. Er ist eine Ikone des Klubs, viele Spieler haben ein sehr enges Vertrauensverhältnis zu Mull, wie er genannt wird.

Aber Müller-Wohlfahrt ist auch eine Instanz im Klub, er ist kein untergebener Erfüllungsgehilfe des Trainers. Er trifft keine Entscheidungen im Dienste des Trainers, sondern auf Augenhöhe. Das sorgt für Reibung.

Noch diffiziler wird das Thema durch eine Entscheidung Guardiolas. Der Trainer hatte Thiago nach dessen erster Verletzung zu seinem Vertrauensarzt Ramon Cugat nach Barcelona geschickt. Dort soll er mit Kortison behandelt worden sein, was Cugat bestreitet.

Guardiola: "Vielleicht ein großer Fehler"

Nach Thiagos dritter Verletzung sagt Guardiola: "Das war vielleicht ein großer Fehler." Trotzdem wird Thiago wieder in Barcelona behandelt und von Cugat operiert - im Beisein von Bayern-Arzt Lutz Hänsel.

Die Bayern versuchen in dieser Phase, das Thema wieder einzufangen. Es gebe "keinen Fehler in der ganzen Geschichte", sagt Karl-Heinz Rummenigge. "Es gibt weder einen Fehler vom spanischen Arzt noch von einem Arzt hier in Deutschland."

Zu Beginn des Jahres präsentieren die Bayern mit Kilian Müller Wohlfahrt einen Arzt, der bei jeder Trainingseinheit vor Ort sein wird. Die Münchner kommen damit dem Wunsch von Guardiola nach, stärken aber gleichzeitig ihren Mull, weil er dessen Sohn ist und natürlich vertrauensvoll mit seinem Vater zusammenarbeitet.

Comeback gegen Dortmund?

Mittlerweile scheinen sich die Wogen geglättet zu haben. Thiago ist im März wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Bei der Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach stand er zum ersten Mal wieder im Kader.

Vielleicht reicht sein Fitnesszustand auch schon für einen Einsatz am kommenden Spieltag gegen Borussia Dortmund. Damit würde sich zumindest ein Kreis schließen.

Als Thiago von Barcelona nach München wechselte, zog er sich bald einen Riss des Syndesmosebandes zu. Sein Comeback feierte er beim 3:0-Sieg in Dortmund. Er bereitete damals kurz nach seiner Einwechslung das 2:0 mit einem herrlichen Pass vor.

Thiago Alcantara im Steckbrief

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