Aus den Augen, ohne Sinn

Donnerstag, 12.03.2015 | 21:12 Uhr
Arkadiusz Milik hat bei Ajax Amsterdam seinen Durchbruch geschafft
© getty
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Als großes Versprechen für die Zukunft kam der damals 18-jährige Arkadiusz Milik von Gornik Zabrze zu Bayer Leverkusen. Zwei Jahre und eine erfolglose Zwischenstation in Augsburg später hat der Stürmer bei Ajax Amsterdam den Durchbruch geschafft. Für die Werkself wäre der verliehene Pole in der kommenden Spielzeit Gold wert. Doch Milik wird nicht zurückkommen.

Am Ende waren es um die fünftausend Zuschauer, die den Weg ins Olymisch Stadion gefunden hatten an diesem Mittwochabend, Ende September. JOS Watergraafsmeer hatte geladen zur zweiten Runde des niederländischen Pokals - und niemand geringeres als das große Ajax hatte den überschaubar beschwerlichen Weg in den Amsterdamer Vorort angetreten.

Dass beim Spiel des niederländischen Rekordmeisters gegen den Siebtligisten am Ende ein 9:0 auf der Anzeigetafel stehen sollte, überraschte wohl die wenigsten. Doch durfte man bei der Liste der Torschütze hellhörig werden. Milik, Andersen auf Vorlage von Milik, Milik, Milik, Kishna auf Vorlage von Milik, Menig ohne Beteiligung von Milik, Milik, Milik und schließlich: Milik.

Elf Tage nach den ersten beiden Pflichtspieltreffern für seinen neuen Klub war die Leihgabe von Bayer Leverkusen förmlich explodiert. Es sollte der Startschuss sein für eine sensationelle Entwicklung des Angreifers, die in der Bundesliga bedrohlich ins Stocken geraten war.

"Wie sollte ich mit ihm konkurrieren?"

"Eines der größten Talente des Landes." So stellte Rudi Völler Milik im Januar 2013 vor. Knapp drei Millionen Euro ließ sich die Werkself die Dienste des Stürmers kosten. "Behutsam" wolle man den jungen Polen unterm Bayerkreuz aufbauen. "Ich bin sicher, dass wir in Zukunft sehr viel Freude an ihm haben werden."

Zum Leidwesen des Neuzugangs bereitete Stefan Kießling den Verantwortlichen damals jedoch noch mehr Freude. 13 Mal netzte das Leverkusener Urgestein alleine in der Rückrunde. "Natürlich war Stefan besser als ich", sagt Milik heute. "Aber ich hatte gehofft, zumindest ab und an von Beginn an spielen zu dürfen."

Doch Kießling traf, traf und traf - für Milik blieben mickrige sechs Kurzeinsätze. "Er war auf dem Weg zum Torschützenkönig. Wie sollte ich mit ihm konkurrieren?" So ging's im Sommer per Leihe nach Augsburg. Doch auch dort wollte der Knoten nicht platzen. Zwei Tore in 18 Einsätzen, davon nicht einer über die volle Distanz. Das größte Talent seines Landes krebste in der Fuggerstadt vor sich hin und driftete aus dem Fokus der Verantwortlichen bei Bayer.

Dort gab es dann vor der laufenden Spielzeit den großen Cut. Roger Schmidt als neuer Coach, Hakan Calhanoglu als neuer Rekordtransfer, Josip Drmic als neuer Shooting-Star im Sturm. Für Milik hatte man am Rhein plötzlich keinen Platz mehr. Die Zukunftshoffnung von einst sollte weg.

Ein Angebot aus England habe es gegeben, plauderte Berater David Pantak bei "fussballtransfers.com" aus dem Nähkästchen. Eins aus Italien, eins aus der Bundesliga. Und Augsburg wollte ihn auch behalten. Doch der Zuschlag ging nach Amsterdam.

Milik schießt die Eredivisie kurz und klein

Doch auch Ajax wollte Milik nach eineinhalb Jahren mit überschaubarer Spielpraxis zunächst nicht kaufen, sondern sicherte sich eine Leihe samt pOption. "Das war kein Problem für mich", sagt Milik. "Sie wollten eben abwarten. Das geht in Ordnung."

Das Abwarten zahlte sich aus. Zum Glück für Milik, zum Glück für Ajax - und zum Leidwesen der Leverkusener. Denn Ajax wird - und da sind sich nicht nur Insider und Gazetten in Polen, den Niederlanden und hierzulande sicher - die Kaufoption von ungefähr 2,5 Millionen Euro ziehen und den Polen binden. Blöd wären sie, den Stürmer, der nach 29 Pflichtspielen 21 Tore und 10 Assists zu Buche stehen hat, für diesen Spottpreis nicht zu verpflichten.

"Sie sind sehr zufrieden mit ihm. Wenn er weiterhin so gut spielt, kommt der Rest von alleine", sagt sein Berater. Und auch Milik sprach bereits ein Machtwort: "Ich möchte hier bleiben. Es gibt für einen jungen Fußballer keine bessere Schule als Ajax", sagte der Angreifer, der vom Wechsel in die Niederlande als der "leichtesten Entscheidung" seiner Fußballerkarriere sprach.

"Wir haben Defizite"

Der Werkself sind in diesem Szenario die Hände gebunden. Und so dürften Völler, Schmidt und Co. durchaus mit einem weinenden Auge in den Norden schauen. "Wir haben Defizite", polterte Bayer-Boss Völler schließlich erst vor kurzem. "Vor allem in der Chancenverwertung. Das ist einfach schlecht."

Kießling ist bereits 31 Jahre alt und kommt aktuell auf vier Bundesligatreffer, Drmic erzielte in allen seinen 29 Pflichtspieleinsätzen für Bayer die gleiche überschaubare Anzahl. Beide präsentieren sich nicht als Ideallösung für Schmidts intensiven Überfallfußball. Im Idealfall bräuchte es einen spielstarken Stürmer, der sich fallen lässt, kombiniert, physisch stark ist und Bälle behaupten kann. So einen wie Arkadiusz Milik.

Doch der wird nicht zurückkommen. Weil die Zukunft den Offiziellen nicht schnell genug kam.

Arkadiusz Milik im Steckbrief

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