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Gut im Sinne von schlecht

Samstag, 13.09.2014 | 22:58 Uhr
Armin Veh muss mit seinem Team das Offensivspiel überdenken
© getty
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Der VfB Stuttgart sieht gegen den FC Bayern München kein Land und dennoch spricht Coach Armin Veh von einer gute Leistung seines Teams - zumindest in der Defensive. Doch die Probleme im Spielaufbau und der Offensive sind eklatant, das war nicht nur in der Allianz Arena zu sehen.

Ein wenig überraschend war es schon, dass Armin Veh nach der 0:2-Niederlage gegen Bayern München von einem "guten Spiel" sprach. Statistisch gesehen hatte der VfB Stuttgart sogar sieben Torschüsse in diesem Spiel. Insofern war die Aussage gar nicht so verkehrt. Sieben Torschüsse in der Allianz Arena? Kein schlechter Wert. Allerdings ging keiner dieser sieben Schüsse aufs Tor. Und darauf sollte man schießen, wenn man einen Treffer erzielen will.

Das ist das große Problem bei den Schwaben derzeit. In der Offensive hapert es nach drei Spielen noch gewaltig. Dass der VfB nicht nach München reist und davon ausgeht, in der Arena drei Punkte mitzunehmen, davon war auszugehen.

Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gab Veh dennoch die Marschroute aus, sich nicht zu verstecken: "Ich glaube nicht, dass die Bayern schon topfit sind. Wenn, dann hat man noch am Anfang der Saison eine Chance sie zu schlagen."

Das verflixte letzte Drittel

Dass sich sein Team dann aber in München derart harmlos präsentiert, war allerdings ebenfalls nicht zu erwarten. "Wir haben eine ordentliche Leistung gezeigt bis zum letzten Drittel, da fehlt uns dann die Überzeugung", konstatierte Veh nach dem Auftritt in der Allianz Arena. Diese Aussage hätte er aber auch schon vor zwei Wochen treffen können.

Was nach drei Spielen auf dem Papier steht, sieht nicht besonders gut aus. Einen Punkt hat der VfB auf dem Konto. Die nächsten beiden Gegner kommen aus Hoffenheim und Dortmund. Wenn es blöd läuft, hat der VfB nach fünf Spielen nur ein mageres Pünktchen, dann kann man getrost von einem Fehlstart sprechen.

Bloß nicht wieder

Sollte sich dieses Szenario bewahrheiten, dann befände sich der VfB wieder dort, wo man nach der letzten Saison partout nicht mehr hin wollte: In die hinteren Tabellenregionen. Unter Veh sollte nicht alles, aber vieles besser werden. Das Fazit sieht aber derzeit eher mau aus. Klar, nach drei Spielen ist noch kein Team abgestiegen. Doch die Auftritte bisher wirken durchaus bedenklich.

Gegen Gladbach kassierte man kurz vor dem Ende den verdienten Ausgleich. Zu Hause gegen Köln fand man gegen einen Aufsteiger überhaupt kein Mittel, um auch nur im Ansatz gefährlich vor das Tor zu kommen. Bayern ist für den VfB nicht der Maßstab, die Punkte muss man gegen andere Vereine holen. Doch wie?

"Es war gut, dass wir ordentlich gestanden sind und nicht so viel aus dem Spiel heraus zugelassen haben", sieht der Coach gegen die Bayern das Positive: "Wir haben gut verschoben und natürlich versucht früh zu stören, um den Gegner mit seiner ganzen Stärke in unserer Hälfte nicht zum Tragen kommen zu lassen. Das hat ganz ordentlich geklappt."

Das System funktioniert - in der Defensive

Das VfB-Spiel in der Offensive allerdings findet als solches nicht statt. Schon bei der Spieleröffnung tut man sich arg schwer. Neuzugang Oriol Romeu dient zwar meist als erste Anspielstation aus der Viererkette, zwischen die er sich meist fallen lässt, aber wirklich konstruktives entsteht daraus nicht.

In München versuchte es Veh mit einem 4-1-4-1-System, auch weil Kreativspieler Daniel Didavi erkrankt fehlte und brachte dafür Moritz Leitner, der neben Christian Gentner auf die Acht rückte. Defensiv funktionierte das System über weite Strecken sehr gut. Offensiv eher weniger.

Im zweiten Durchgang wollte Veh mit Timo Werner im Sturmzentrum mehr Tempo ins Spiel bringen und noch mehr auf Konter setzten, doch der 18-Jährige wirkt derzeit irgendwie gehemmt. "Uns fehlt dass wir außen mal durchkommen, dass wir gut kombinieren, dann in der Mitte in Überzahl zu kommen und den Gegner auch mal in Unordnung zu bringen. Daran müssen wir arbeiten", ist sich Veh der fehlenden Offensivpower bewusst.

In der Regel helfen bei solchen Offensivproblemen ab und an Standards. So hatte man durch Antonio Rüdigers Kopfball nach einer Leitner-Ecke die beste und einzige Torchance (18.). Das bemerkte auch der Trainer: "Unsere Standards waren gut, wir haben sie aber nicht gut abgeschlossen. Da brauchst du natürlich das notwendige Glück."

Selbstvertrauen? Fehlanzeige

Alleine auf das Glück sollte sich der VfB Stuttgart in den kommenden Wochen allerdings nicht verlassen. Es droht bereits nach wenigen Spielen in der neuen Saison ein ähnlicher Krampf zu werden, wie im vergangenen Jahr.

Das Selbstvertrauen ist nach dem Pokal-Aus und dem ersten drei Partien in der Bundesliga bereits im Keller. Dort muss der Hebel angesetzt werden. Doch wie das Selbstvertrauen holen? Veh kritisierte bereits in der Vergangenheit, dass dem Team die Typen fehlen. Vielleicht fehlt aber auch nur ein unerwartetes Erfolgserlebnis, um wieder Vertrauen in die eigene Stärke zu bekommen - gegen die Bayern war nichts drin. Aber in zehn Tagen geht's ja gegen den BVB.

Der VfB Stuttgart im Überblick

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