Showtime für "respektvollen Mörder"

Dienstag, 21.01.2014 | 16:12 Uhr
Mario Götze kam für 37 Millionen Euro vom BVB nach München
© getty
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Mario Götze hatte durch Verletzungen einen holprigen Start beim FC Bayern. Überstrahlt von der spektakulären Saison seiner Teamkollegen konnte er jedoch in Ruhe zu seiner Form finden. Guardiola hat zwar keine Wunschelf im Kopf - an Götze kommt er aber kaum vorbei.

Am Schluss sind es die Apfelspätzle, die noch eine Nummer zu groß sind. Für "eines der größten Talente", das Matthias Sammer je beim DFB ausmachte. Für denjenigen, der laut Mitspieler Thiago "eine Ära prägen wird", dessen Spiel für seinen Kapitän Phillip Lahm "ein Genuss" ist.

Und er scheitert an Apfelspätzle? "Die kriegen wir nicht so richtig hin", sagt Mario Götze über die Zubereitung seines Leibgerichts in Kooperation mit seinem Bruder Fabian. Es dürfte eine der wenigen Sachen sein, die beim 21-Jährigen momentan nicht wie geschmiert laufen.

Der im Allgäu aufgewachsene Götze fühlt sich mittlerweile angekommen in seiner neuen alten Heimat im Süden, bei seinem neuen Klub Bayern München. Und er ist bereit, die tragende Rolle zu spielen, die dem ehemaligen Dortmunder beim Rekordmeister zugedacht ist.

Schlagzeilen gehören Anderen

Nach seinem Aufsehen erregenden Wechsel von Borussia Dortmund zum FC Bayern wurde es um Götze zunächst längere Zeit still, nachdem er sich gegen Real Madrid einen Muskelbündelriss zugezogen hatte. Die Schlagzeilen produzierten andere. Pep Guardiola, dessen Wunschspieler Thiago und eine Bayernmannschaft, die nahtlos an das Spektakel der letzten Saison anknüpfte, meist ohne Götze.

Nach überstandener Verletzung gab der 37 Millionen teure Neuzugang Ende August sein Bayern-Debüt gegen Nürnberg. Eine Woche später trafen die Münchner im Endspiel des UEFA Supercups auf den FC Chelsea und Götze dabei auf Ramires - mit schwerwiegenden Folgen. Ramires flog für das Brutalo-Foul vom Platz, Götze spielte weiter, fiel aber mit einem Kapselriss weitere fünf Wochen aus.

Als er sich im Oktober wieder zum Dienst meldete, war der Bedarf überschaubar. Die Bayern hatten soeben beim Gala-Champions-League-Auftritt in Manchester zerfetzte Citizens hinterlassen, bei dem Götze immerhin neun Minuten mitwirken durfte. Der Pep-Fußball funktionierte bereits, auch ohne Götze.

Vom Edel-Joker zum Musterschüler

Doch es sollte sich schon bald zeigen, dass Götze mehr als Edel-Joker oder Luxus-Problem in der derzeit wohl besten Mannschaften der Welt ist. Robben, Thiago, Lahm, Javi Martinez und Bastian Schweinsteiger - sie alle verletzten sich im Laufe der Hinrunde und fielen teils wochenlang aus. Götze kam so nach seiner zweiten Verletzung in allen 17 Pflichtspielen zum Einsatz und überzeugte mit teils herausragenden Spielen wie gegen Mainz.

Seine Qualitäten hat auch Guardiola schätzen gelernt. Der Trainer wollte eigentlich Neymar mit nach München bringen, der "Ersatz" hat es ihm aber mittlerweile sehr angetan. "Mario ist sehr speziell auf engem Raum, braucht kaum Zeit für seine Entscheidungen. Er ist intelligent und wird jeden Tag besser", sagt Guardiola.

Neben dem obligatorischen "super super Spieler" gab es zuletzt häufiger Sonderlob. Im Trainingslager in Doha hielt Guardiola sogar seine Spieler an, sich noch etwas von Götze abzuschauen.

Die Vorbereitung auf die Rückrunde konnte Götze voll durchziehen, die Fußverletzung, die er sich im Test gegen Salzburg zuzog, entpuppte sich als harmlos. Körperlich ist Götze endlich topfit und umso mehr ein Kandidat für Guardiolas erste Elf.

Bleibt bloß die Frage: Wo spielt Götze? Eine Paradeposition hat er nicht, doch seine Polyvalenz könnte sein Freifahrtschein sein, die Antwort auf die Frage lautet deshalb: überall.

Dank seiner Vielseitigkeit kann Götze ohne Qualitätsverlust alle Positionen von der Sturmspitze bis zur Halbposition im Mittelfeld alles spielen. Wie Thomas Müller, Lahm oder Martinez wird auch Götze ein wichtiger Teil in Guardiolas taktischen Spielereien sein, wenn der Trainer während der Partie Ausrichtung oder System umstellt.

Herausragend in der Königsklasse

Er selbst liebäugelt sogar mit der Sturmspitze. "Im Zentrum fühle ich mich am wohlsten, möglichst weit vorne. Das ist ziemlich reizvoll", so Götze, der wie kaum ein anderer Bayern-Spieler von Guardiolas Spielstil profitiert.

"Er legt viel Wert auf technische Elemente, mehr Ballbesitz. Die Räume müssen besetzt werden, man muss flexibel sein, darf nicht ausrechenbar sein. Das kommt mir mehr entgegen als die Spielweise in Dortmund", sagt Götze.

Die Liebe zum neuen Stil schlägt sich auch in den Zahlen nieder. Sowohl bei der Chancenverwertung (laut OPTA 40 zu 22,7 Prozent) als auch bei der Passquote (87,8 zu 81,1 Prozent) steht Götze im Bayern-Trikot deutlich besser da als noch im schwarz-gelben Leibchen.

In der Champions League präsentiert er sich dabei regelmäßig in Galaform. Alle 66 Minuten ist er direkt an einem Treffer beteiligt (3 Tore, 1 Assist in 262 gespielten Minuten), die Passquote von 94 Prozent sucht laut OPTA vor allem in seiner Altersklasse ihresgleichen.

Mario Götzes Statistiken in der Königsklasse

Neuanfang am Ursprung

Mario Götze hat in seinen sechseinhalb Monaten beim FC Bayern schon jetzt vieles mitgemacht. Von Negativerlebnissen wie den schweren Verletzungen bis hin zum entscheidenden Tor im Spitzenduell gegen seinen ehemaligen Klub.

Der "respektvolle Mörder", wie ihn die spanische Presse nach seinem nicht bejubelten 1:0 im Signal Iduna Park taufte, soll den Münchnern in den nächsten Jahren noch viele dieser Momente bescheren.

Götze hat dazu nicht nur das Talent, auch der Kopf spielt mit. "Es hängt von jedem selbst ab", mahnte er gegenüber "11Freunde". "Ich hoffe einfach, dass es nicht irgendwann so sein wird, dass ich runterschalte."

Und vielleicht klappt's dann auch irgendwann mit den Apfelspätzle.

Mario Götze im Steckbrief

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