Bayer Leverkusens Kampf gegen das eigene Image

Suche nach der Nische

Von Stefan Rommel
Freitag, 06.12.2013 | 15:55 Uhr
Sind nicht immer zufrieden mit der Wahrnehmung des Vereins: Wolfgang Holzhäuser und Rudi Völler
© getty
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Wofür steht Bayer Leverkusen? Der Klub ringt um ein neues Image - das aber gar nicht von allen erwünscht ist. Vielleicht sollte einfach alles so bleiben, wie es ist.

Wenn es stimmt, dass der Zweite immer automatisch auch nur der beste Verlierer eines Wettbewerbs ist, dann hat Bayer Leverkusen in der Tat ein Problem.

Bayer hat sich ein paar Jahre mit einem Mythos rumgeplagt, dessen Entstehungsdatum nicht exakt zu definieren ist. Einige vermuten, der 20. Mai 2000 wäre der Ursprung allen Übels. Leverkusen verlor am diesem Tag, es war der letzte Spieltag der Saison 1999/2000, die sicher geglaubte deutsche Meisterschaft im Sportpark in Unterhaching.

Andere behaupten, wirklich etabliert hätten sich Hohn und Spott erst fast genau zwei Jahre später, als Leverkusen erst die Meisterschaft und dann die Champions League und den DFB-Pokal binnen weniger Tage verspielte.

Patent auf Vizekusen

Seitdem jedenfalls hat sich Bayer 04 den Beinamen Vizekusen erworben. So wie der TSV 1860 unter den Pseudonym "die Löwen" firmiert oder Borussia Mönchengladbach (zumindest früher) als Fohlenelf. Einige Jahre schleifte der Klub sein wenig geliebtes Beiwerk mit sich rum und damit automatisch auch immer die Unterzeile "Ihr gewinnt sowieso nie etwas".

Wolfgang Holzhäuser war 15 Jahre lang als Geschäftsführer bei Bayer in der Verantwortung, Holzhäuser bekleidete auch noch diverse andere Ämter, unter anderem bei der Deutschen Fußball Liga. Besonders dann, wenn sich Interessenfelder überschneiden und zwangsläufig zu Konflikten zwischen Verband, Liga und Vereinen, braucht es auch mal unkonventionelle Ideen. Und Wolfgang Holzhäuser hatte eine ganze Menge davon.

Diese eine sollte etwas Druck aus der Diskussion um die ewigen Verlierer nehmen: Im Frühjahr 2010 stellte Bayer einen Antrag beim Patentamt auf die offizielle Bezeichnung "Vizekusen": Der Zusatz war nun markenrechtlich geschützt, der selbstironische Ton fand durchaus Gefallen auch außerhalb Leverkusens. Die Sache ist nur: Der spezielle Umgang mit einem Problem löst das Problem an sich nicht.

Ausgliederung der Fußballabteilung

Und deshalb kommt sie immer wieder hoch, die Diskussion um das Image und die Mentalität von Bayer Leverkusens Fußballabteilung. Früher waren andere Sparten im Klub deutschlandweit führend: Die Leichtathleten, die Basketballer, die Boxer. Das war vor der Ausgliederung der Fußballabteilung in die Bayer Leverkusen Fußball GmbH im Jahr 1999. Seitdem leben die Fußballer in Co-Existenz zum Hauptklub TSV Bayer 04 Leverkusen. Ihr spezielles Ansehen pflegen die Fußballer seitdem ganz alleine.

Nach Niederlagen wie zuletzt gegen Manchester United oder vor anderthalb Jahren beim FC Barcelona, als die Mannschaft in einem K.o.-Spiel der Champions League mit 1:7 unterging, entfachen die Diskussionen immer wieder aufs Neue. Das ist ein Stück weit unfair, es hat auch größere Klubs in der Champions League schon vergleichbar hart erwischt.

Völler gegen ständigen Imagewandel

In Dortmund, auf Schalke oder in Gladbach würde niemand auf die Idee kommen, den Kern der gesamten Unternehmung infrage zu stellen. In Leverkusen wird aber reflexartig das Credo der fehlenden Mentalität hervorgekramt und von außen mit dem Stempel des Plastikklubs versehen. Die durchaus vorzeigbaren Ergebnisse davor und danach geraten in Vergessenheit.

Es war wohl eine Mischung aus bloßer Enttäuschung über die Leistung seiner Mannschaft und dem Versuch, den sich anbahnenden Strömungen dieses Mal von Beginn an vehement entgegenzustemmen, als Rudi Völler zwei Tage nach dem blamablen 0:5 gegen United groß ausholte.

Er geißelte das Auftreten der Mannschaft, besondere Beachtung fanden aber seine Ansichten zur generellen Geltung seines Klubs. Bereits im Sommer war zu erkennen, dass Völler nicht mehr ganzheitlich das Vorgehen seines Kollegen Holzhäuser unterstützte, der mal wieder einen Imagewandel im Sinn hatte und dafür extra eine Agentur in Düsseldorf beauftragt hatte.

"Brauchen kein neues Image"

Holzhäuser hatte damals wohl zwei Dinge im Blick: Eine nachhaltige Neuausrichtung, wie Bayer 04 von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Und wirtschaftliche Interessen: Leverkusen war da noch auf der Suche nach einem neuen Trikotsponsor. Die letzten beiden Versuche mit "Teldafax" und "Sunpower" gingen gehörig schief.

Aber Problem Bayer hat nun mal das Problem, dass die Bayer AG immer auch für die einzige echte Strahlkraft nach draußen sorgt, alle anderen möglichen Kooperationspartner kommen über den Junior-Status nicht hinaus. Die Fans hatten ihr Urteil da schon gefällt und auf den Erhalt des Bayer-Kreuzes abgestimmt. Offenbar hätte das dann auch genügt.

"Wir haben doch hier die totale Identifikation zwischen Verein und Sponsor, zwischen Verein und Fans und zwischen Fans und Sponsor. Die Fans waren es doch, die für den Erhalt des Bayer-Kreuzes gestimmt haben. Etwas Besseres gibt es doch nicht. Wir brauchen kein neues Image", sagte Völler schon damals.

Und bekräftigte seine Sicht vor wenigen Tagen nochmal etwas schärfer. "Die ganzen internen Diskussionen über unser Image sind der absolute Blödsinn. Wir machen uns kleiner als wir sind. Ich habe gern mit Wolfgang Holzhäuser zusammengearbeitet - aber Vizekusen zu patentieren, war schwachsinnig. Das passt nicht zu Bayer."

Werksklub nicht genug

Holzhäuser hatte die Vision, die Strahlkraft seines Klubs deutschland- und womöglich sogar weltweit auszuweiten. "Ich bin mit unserem Image generell unzufrieden. Wir werden Dritter in der Liga, spielen dazu noch hervorragenden Fußball, und es interessiert bundesweit keinen. Das treibt mich um, das kann nicht sein", sagte er zu seinen Plänen, die eine neue Nische finden sollten für seinen Verein.

Bereits seit einigen Jahren funktioniert Bayer 04 als "Werksklub" schon sehr gut, Holzhäuser war das aber wohl zu wenig. "Wir müssen das Image des Werksklubs emotionaler aufladen. Es ist ja klar, dass Bayern, Dortmund und Schalke bundesweit die meisten Fans haben, aber wir wollen in anderen Regionen ein beliebter Zweitklub werden", sagte Holzhäuser. "Regional bin ich sehr zufrieden. Wir haben als kleine Stadt eine hervorragende Auslastung. Aber ich will einfach mehr überregionale Beachtung."

Holzhäuser traf damit auch den Nerv einiger Spieler, die sich ob des Erreichten der letzten Saison nicht genug gewürdigt fühlten. In der Tat spielte Bayer eine starke letzte Saison und schloss auf Platz drei ab. Aber wie soll ein Klub im Schatten zweier Giganten wie Bayern München und Borussia Dortmund, die noch dazu das erste rein deutsche Champions-League-Finale der Geschichte spielten, als die ganz große Nummer wahrgenommen werden?

"Wir reden viel zu viel über Image und geringe Wertschätzung. Wir sind Bayer Leverkusen, wir machen unser Ding. Dafür müssen wir uns nicht rechtfertigen", sagte Völler jetzt der "Sport-Bild". "Wir dürfen uns nicht kleiner machen als wir sind. Wenn wir aber mit den Diskussionen über uns selbst beginnen, machen wir uns schon klein."

Zwei- und kein Dreikampf in der Liga

Inwieweit die Diskussionen von extern und intern auf die Befindlichkeiten innerhalb der Mannschaft abfärben, kann Völler nicht beantworten. Immerhin hat er erkannt, dass in den Spielen gegen die Großen auch ein wenig die nötige Verbissenheit und Durchsetzungsvermögen und Willen fehlten. Der Wille, auch über die Schmerzgrenze hinwegzugehen, auch wenn es mal nicht so gut läuft. Eine gewisse Leidensfähigkeit. "In Spielen wie gegen Bayern und Manchester fehlten uns Typen, die sich mehr wehren. Dass wir uns da ergeben, ist einfach schlecht."

Am Samstag gibt es eine neue Bewährungschance, wenn Bayer in Dortmund seinen Vorsprung auf den BVB verteidigen muss und damit auch den Abstand zu den Bayern wahren will. Die Tabelle sieht Leverkusen auf Rang zwei, noch vor dem BVB. Trotzdem wird gemeinhin nur von einem Zweikampf zwischen den Bayern und Dortmund um den Titel gesprochen und geschrieben. Leverkusen findet in der Diskussion allenfalls peripher statt.

Vier Punkte beträgt der Rückstand auf die Bayern. Die bestreiten den Abschluss der Vorrunde aber erst im Januar. Die Partie gegen den VfB Stuttgart wurde wegen der Klub-WM ins neue Jahr verlegt. Die Herbstmeisterschaft ist also noch drin für Bayer Leverkusen. Vielleicht würde ja das für ein wenig positives Aufsehen sorgen.

Bayer Leverkusen im Überblick

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