Sammer: "Pep muss Bayern nicht neu erfinden"

Von Marco Heibel
Montag, 16.09.2013 | 10:12 Uhr
Matthias Sammer glaubt, dass Pep Guardiola die Seele der Spieler berührt hat
© getty
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Bayern Münchens Sportvorstand Matthias Sammer hat vor dem Projekt Titelverteidigung in der Champions League das Tagesgeschäft in den Vordergrund gestellt. Der 46-Jährige hält die neuen Reize durch Trainer Pep Guardiola für unabdingbar. Ein dickes Lob hat Sammer für die Leistungsträger im Schatten von Franck Ribery übrig.

"Priorität hat immer die Bundesliga, sie ist das Tagesgeschäft, und den Alltag dürfen wir nicht vergessen", sagte Sammer im Interview mit dem "Kicker". Nichtsdestotrotz formulierte er vor dem Champions-League-Auftakt gegen ZSKA Moskau den Anspruch, "das Höchstmögliche" anzustreben: "Wir starten nicht in einen Wettbewerb, um Teilnehmer zu sein."

Sammer prophezeite, dass die Gegner es dem FC Bayern in diesem Jahr schwer machen werden. Allerdings habe das Spiel um den europäischen Supercup gegen den FC Chelsea Ende August gezeigt, wozu die Mannschaft fähig sei: "Wir sind stark und wir sind sehr gut. Und wenn wir neben dem Fußballerischen das beibehalten, was der Trainer der Mannschaft gegen Chelsea gesagt hat, dann kann kommen, wer will."

"Pep hat die Seele der Spieler berührt"

Den Triumph von Prag über die Blues schrieb Sammer zu großen Teilen der Ansprache von Guardiola vor dem Elfmeterschießen zu: "Was er uns an diesem Tag gesagt hat, war viel mehr als Fußball. Nämlich uns daran zu erinnern, wo wir herkommen und was uns stark gemacht hat. Dass sich traditionelle Stärken wie Mentalität und Power nicht beißen müssen mit der Art und Weise Fußball zu spielen."

Dieses Bewusstsein könne den Unterschied machen, attestierte Sammer: "Mit unserer Art Fußball haben wir uns in den Spielen davor auch genügend Chancen erarbeitet. Aber dass uns jemand daran erinnern muss, dass, wenn das mal nicht so gelingt, die Siegermentalität, das Nichtaufgeben, und das Gewinnen wollen eine Frage des Glaubens sind. Ich will nur sagen, dass Pep die Seele der Spieler berührt hat."

Sammer hält Veränderungen für unabdingbar

Zudem erneuerte der Sportvorstand seine These, wonach der FC Bayern sich trotz des Triple-Gewinns aus dem Vorjahr weiterentwickeln musste: "Die Stabilität, auf der wir nun aufbauen, ist nicht mehr als eine Basis gewesen. Ich muss das in der Deutlichkeit sagen." Der 46-Jährige forderte eine "Offenheit für die Veränderung" ein und stellte sich hinter die Abweichungen vom System des Vorjahres: "Die gleichen Voraussetzungen und vielleicht auch die Ansprache, generell alles ähnlich zu machen, wird keinen neuen Reiz auslösen."

Den jedoch benötige der FC Bayern, um weiter erfolgreich zu sein: "Wir haben jetzt eine Situation mit einem neuen Trainer. Aber er muss nicht den Fußball, er muss nicht Bayern München neu erfinden. Er versucht der Mannschaft seine Idee von Fußball zu vermitteln." Allerdings werde sich erst in Zukunft zeigen, wie nah die Fortschritte ans Optimum heranreichen: "Die Prüfungen und die Schwierigkeiten, die in dieser Saison kommen können, stehen uns noch bevor und die müssen wir bestehen."

Ritterschlag für Javi Martinez

Obwohl er die Diskussion um das Spielsystem und die optimale Zahl der Sechser "nicht mag", hob Sammer einen Spieler aus dem Bayern-Gefüge besonders hervor: "Javi Martinez hat in den großen Spielen bewiesen, dass er ein großer Spieler ist. Im Champions-League-Finale gegen Dortmund war er der Erste, der sich so gewehrt hat, dass man das Gefühl hatte: 'Jetzt reicht's!'"

Nach Ansicht des ehemaligen DFB-Sportdirektors verbindet der Spanier gleich mehrere Attribute eines modernen Topspielers: "Fußball ist eine komplexe Angelegenheit, und wir brauchen ein komplexes Gesicht: fußballerische Klasse, aber auch Zweikampfstärke. Daher ist Javi ein ganz wichtiger Faktor. Als Bayern München muss man alle Facetten zeigen können. Javi kann Zeichen setzen wie Boateng, Dante oder van Buyten auch."

"Für Lahm müsste man neue Auszeichnung finden"

Auch in Kapitän Philipp Lahm, der oft im Schatten der Offensivkünstler steht, sieht Sammer einen Spieler, der mehr Würdigung verdient hätte: "Auch Paolo Maldini hat als Abwehrspieler die Auszeichnung als Europas Fußballer des Jahres nie bekommen. Allein für ihn und für Philipp Lahm müsste man eine neue Auszeichnung finden." Laut Sammer waren und sind beide "komplette Spieler", deren Klasse sich aufgrund ihrer Position als Abwehrspieler allerdings nicht durch individuelle Auszeichnungen, sondern nur durch Titel bemessen lasse.

Angesichts der Vielzahl von hochkarätigen Spielern im Kader rief Sammer dazu auf, von den gängigen Definitionen einer Stammelf Abstand zu nehmen: "Es geht darum, der Mannschaft, aber auch den Fans zu sagen, dass das Pensum der Spiele, in der Quantität und der Qualität, nicht mehr über Jahre leistbar ist, wenn man nicht die Möglichkeit hat, den Spielern eine Pause zu gönnen." Für ihn tragen daher 16 bis 18 Spieler den Stempel Stammspieler.

Noch kann der FC Bayern allerdings personell nicht aus dem Vollen schöpfen. Unter anderem die Neuzugänge Thiago Alcantara und Mario Götze werden dem Trainer erst in einigen Wochen wieder zur Verfügung stehen. Im Fall Götzes sprach Sammer nach den Verletzung aus dem europäischen Supercups gegen den FC Chelsea dabei sogar von Glück im Unglück: "Bei diesem Foul hätte viel mehr passieren können. Die Kapsel heilt schnell."

Champions League, Gruppe D

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