Fussball

Rafati erhebt schwere Vorwürfe gegen Fandel

SID
Dienstag, 19.03.2013 | 16:01 Uhr
Babak Rafati hatte im November 2011 einen Selbstmordversuch in einem Kölner Hotel unternommen
© getty

Der ehemalige Bundesliga-Referee Babak Rafati erhebt in einem stern-Interview schwere Vorwürfe gegen den deutschen Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel. Als Fandel sein Chef geworden sei, habe er "absolut keine Rückendeckung" mehr bekommen.

Das sagte Rafati, der im November 2011 einen Selbstmordversuch überlebt hatte. "Ich war es gewohnt, sachliche Kritik zu erfahren, aber keine aus meiner Sicht persönlichen Verletzungen", fügte Rafati hinzu.

Er habe "nicht einmal" Zuspruch erfahren, sondern Kälte und Unerbittlichkeit. "Diese fehlende Wertschätzung für mich als Mensch, dieser Vertrauensentzug vom Chef, der auch eine Fürsorgepflicht hat. Das war entleerend", sagte er. Ihm sei "übel mitgespielt" worden.

Fandel habe "genau" gewusst, wie verletzt er gewesen sei, sagte Rafati. "Andere wussten das auch. Die Herabwürdigungen durch Fandel waren Tagesgespräch unter den Schiedsrichtern."

"Keinerlei Kenntnis"

Herbert Fandel war am Dienstag zunächst nicht zu erreichen. Stellung nahm der 49-Jährige, der seit Mai 2010 Vorsitzender der DFB-Schiedsrichter-Kommission ist, aber ebenfalls im stern. Diese Vorwürfe träfen ihn "emotional sehr", er habe zu keinem Zeitpunkt Kenntnis über Rafatis seelisches Krankheitsbild gehabt. Auch aus dem Kreis der Schiedsrichter habe ihm niemand Andeutungen gemacht. "Deshalb behandelte ich - und musste ich Babak Rafati wie jeden anderen Schiedsrichter nach dem Leistungsprinzip, der Grundlage des Profi-Fußballs, behandeln."

Rafati richtete seine Kritik auch an die damalige Führungsriege des DFB. Nach seinem Suizidversuch habe niemand Kontakt zu ihm gesucht, was ihn "im Nachhinein extrem aufgewühlt" habe. "Das hat mir gezeigt: Es hat sich eben doch nichts bewegt."

Rafati bringt Buch raus

Am 19. November 2011 hatte Rafati vor dem Bundesliga-Spiel 1. FC Köln gegen den FSV Mainz 05 versucht, seinem Leben ein Ende zu setzen. Seine Assistenten hatten ihn damals in seinem Hotelzimmer gerade noch rechtzeitig entdeckt und den Notarzt gerufen - und ihm so das Leben gerettet.

Sechs Monate nach dem Selbstmordversuch gab Rafati das Ende seiner Schiedsrichterkarriere bekannt. Weitere vier Monate später bezeichnete er sich in einem Bild-Interview wieder als "glücklich", nachdem er seine langjährige Partnerin Rouja geheiratet hatte. Ende März wird sein Buch erscheinen: "Ich pfeife auf den Tod! Wie mich der Fußball fast das Leben kostete."

Fandel hatte nach dem Suizidversuch Rafatis 2011 schockiert reagiert. "Auch wenn wir die Gründe für diesen ausweglosen Schritt nicht kennen, wird Babak Rafati von uns alle Unterstützung bekommen, die wir ihm geben können", sagte er damals und forderte ein Umdenken zu mehr Respekt im Umgang mit Schiedsrichtern. Trainer, Manager und Spieler seien sich ihrer Verantwortung manchmal nicht bewusst.

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