Ende des Stimmungsboykotts "12:12"

Fangespräche für Rettig kein "Medienspektakel"

SID
Donnerstag, 03.01.2013 | 14:12 Uhr
Andreas Rettig will die anstehenden Fangespräche nicht zu einem Medienspektakel machen
© Getty
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Andreas Rettig, neuer Geschäftsführer der DFL, fordert für die bevorstehenden Gespräche mit den Fanvertretern der Bundesligaklubs mehr Ruhe als in der Sicherheitsdiskussion.

"Wir dürfen nicht wieder den Fehler machen, das Gespräch zu einem Medienspektakel zu machen - das wäre fatal", sagte Rettig am Donnerstag in Frankfurt/Main: "Es ist kein Fangipfel, sondern ein Treffen auf Arbeitsebene. Also das, was wir immer wollten."

In der kommenden Woche wird sich die DFL mit verschiedenen Fanvertretern "an einen Tisch setzen", um gemeinsam die Wiederannäherung anzugehen. Das am 12. Dezember beschlossene DFL-Sicherheitskonzept "Stadionerlebnis" hatte zu monatelangen Protesten unter den Anhängern geführt.

Ende des Stimmungsboykotts 12:12

"Ich freue mich, dass die Fanvertreter dieser Einladung gefolgt sind", sagte der 49-Jährige: "Aber wir wollen das tiefer hängen. Das wird nicht 'das' Gespräch, es werden noch weitere folgen. Wir wollen glaubwürdig sein und auf beiden Seiten vertrauen schaffen."

Am Mittwoch hatte die wortführende Aktion "12:12" das Ende des Stimmungsboykotts im deutschen Profi-Fußball angekündigt - als Reaktion auf die Gesprächsbereitschaft der DFL. Der harte Kern der Fans hatte aus Protest gegen das Sicherheitskonzept an drei Spieltagen die ersten 12:12 Minuten lang geschwiegen, zahlreiche Spruchbänder richteten sich gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und die DFL. Viele andere Besucher zeigten sich zunächst solidarisch, dann aber zunehmend genervt.

DFL will Jugendspieler besser fördern

Zudem will Geschäftsführer Rettig die Förderung der Nachwuchsfußballer in Zukunft deutlich ausbauen. "Wir laden unseren Jugendspielern sehr viel in den Rucksack", sagte der 49-Jährige: "Wir müssen dieser neuen Qualität der Belastung Rechnung tragen."

Eine Möglichkeit sei die Verankerung von verpflichtenden Fortbildungen in den Arbeitsverträgen. "Das ist zumutbar", sagte Rettig: "Auch das gehört zur Aufgabe eines Verbandes." Denkbar seien beispielsweise Sprach- oder IT-Kurse. Ziel sei dabei nicht die hochbezahlte Elite des Fußballs. "Die, die am Ende ein Problem haben könnten, sollten wir zu ihrem Glück zwingen", sagte Rettig.

Zustände im Schulsport "erschreckend"

Es soll aber neben den Problemen im Profi-Fußball auch über den Tellerrand hinaus geblickt werden. "Wir müssen die Kraft des Fußballs nutzen", sagte Rettig am Donnerstag in Frankfurt/Main: "Der Sport muss eine viel größere Bedeutung in unserem Land bekommen - dafür müssen wir gemeinsam mit dem Deutschen Fußball Bund werben."

Ein Ziel sei die deutliche Verbesserung des Sportunterrichts in den deutschen Schulen. "Es ist erschreckend, was im Schulsport passiert", sagte Rettig: "Wir müssen den Finger in die Wunde legen." Gesellschaftliche Probleme wie beispielsweise Fettleibigkeit würden aus der Vernachlässigung des Sportunterrichts erwachsen. "Wir haben Tausende arbeitslose Fußballtrainer - können wir die nicht mal in die Schulen schicken?", fragte Rettig und kündigte ein Pilotprojekt der DFL an.

Andreas Rettig im Steckbrief

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