Schalke: Der Rosa-Elefanten-Effekt

Von SPOX
Donnerstag, 24.05.2012 | 16:57 Uhr
Klaas-Jan Huntelaar und Jefferson Farfan (r.): Beide hoffen auf Top-Transfers auf Schalke
© Getty
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Nach der Saison ist vor der Saison! Die Bundesligisten arbeiten längst mit Hochdruck auf die Spielzeit 2012/2013 hin. SPOX beleuchtet die Baustellen aller 18 Vereine - im Duett mit einem Mitglied der User-Redaktion. Diesmal: der FC Schalke 04.

Von SPOX-Redakteur Haruka Gruber

In der Psychologie ist das Phänomen als der sogenannte "Ironische Prozess" bekannt, unter Laien hingegen als der Rosa-Elefanten-Effekt. Wenn man aufgefordert wird, NICHT an einen rosa Elefanten zu denken, denkt man unweigerlich an einen rosa Elefanten.

"Jeder Versuch, die eigenen Gedanken unter Kontrolle zu bringen, trägt schon den Keim des Scheiterns in sich", sagt der Psychologe Daniel Wegner. Doch der FC Schalke 04 wagt sich seit einem Jahr an diese Herausforderung: Gedankenkontrolle. Oder besser: Gedankenunterdrückung.

Sportvorstand Horst Heldt hält den Verein an, nicht mehr ständig von möglichen Meisterschaften zu sprechen, weil er in den überhöhten Erwartungen und dem darauffolgenden Verzagen das Grundübel des Vereins ausmachte. Und nach einer Saison der Vernunft lässt sich bilanzieren: Heldt hatte Erfolg.

Harmonie trotz Widrigkeiten

Obwohl Schalke am 19. Spieltag punktgleich mit dem damaligen Tabellenführer FC Bayern gewesen war, verweigerte sich der sonst so wankelmütige Verein dem Titelwahn und sicherte sich nach einem durchwachsenen Frühling den dritten Platz und die direkte Champions-League-Qualifikation. Ein Triumph angesichts all der Verletzungen im Kader, den Wechselgerüchten und Ralf Rangnicks Rücktritt, der den Verein abgleiten hätte lassen können.

Dass Schalke aber jederzeit die Handlungsfähigkeit behielt, ist Heldts Wirken zu verdanken. Ihm gelang es, dem früher allzu präsenten Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies um Contenance zu bitten und Rangnick-Nachfolger Huub Stevens zu vermitteln, dass der Sportvorstand und eben nicht der Trainer um die Transfers verantwortlich zeichnet. Das Ergebnis: Selten erlebte Schalke eine derart harmonische Spielzeit, obwohl die Umstände alles andere ideal waren.

Heißt: Für die kommende Saison wird es sogar wichtiger als das Finden eines Raul-Ersatzes sein, dass sich der Klub weiterhin so geschlossen zeigt. Dazu gehört auch eine realistische Selbstwahrnehmung, die da lautet: Wir sind Deutschlands Nummer drei - nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Farfan verfällt ins Träumen

Früher hätte man womöglich wirtschaftliche Unvernunft walten lassen, um den Rückstand zu Dortmund und den Bayern mit kostspieligen Transfers zu schließen. Heldt weiß jedoch, dass der Weg der langsamen, aber stetigen Entwicklung vielversprechender sowie finanziell weniger riskant ist - und gleichzeitig den Verein nicht von einer Hysterie in die nächste stürzt.

In der Mannschaft bedarf es trotz des Raul-Wechsels ohnehin nicht allzu vieler Veränderungen.

Huntelaar, Farfan, Höwedes und Fuchs bleiben und bilden mit Jones und den Jungen Holtby, Draxler, Padapopoulos und Matip den Kern. Hinzukommen Spieler wie Höger und Moritz, denen in der kommenden Saison der Sprung von soliden zu wertvollen Bundesliga-Profis zugetraut wird.

Die weitaus größere Herausforderung könnte für Heldt sein, die unter den Spielern geweckte Hoffnung auf den schnellen Erfolg ins rechte Maß zu rücken. Nach Huntelaar gab sich zuletzt auch Farfan euphorisch ob der nächsten Saison und forderte Topeinkäufe: "Für uns ist nicht nur die Champions League wichtig. Ich will auch einmal Deutscher Meister werden. Das ist mein Ziel und mein Traum. Wenn der BVB das schafft, können wir das auch."

Von mySPOX-User Hassan Talib Haji

Grundsätzlich hat der FC Schalke 04 die abgelaufene Saison positiv gestaltet und ausklingen lassen. Wenn man bedenkt, mit welchen Umständen der Verein zurechtkommen musste, dann ist Platz drei ein absoluter Erfolg. Man darf nicht vergessen, dass der Revierklub in der vorherigen Bundesligasaison auf Platz 14 abschloss, mit lediglich vier Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz. Niemand hat erwartet, dass Königsblau nun eine solch erfolgreiche Saison spielt.

Platz drei bedeutet natürlich auch, dass man Luft auf die oberen beiden Plätze hat. Das drückt sich nicht nur im Punkteabstand aus, sondern auch im Spiel, welches den enthusiastischen Zuschauern zeitweise geboten wurde. Das Hauptaugenmerk sollte auf die mangelnde Konstanz gelegt werden! Dass die Mannschaft guten Fußball spielen kann, ist jedem bewusst. Aber dieses Können muss man erst einmal auf den Platz bringen, denn andere Vereine können auch Fußball spielen. Dort hat der FC Schalke jedenfalls Nachholbedarf.

Doch welche Gründe gibt es, dass man das gute Spiel in dieser Saison nicht kontinuierlich durchziehen konnte? Die Gründe dafür liegen in den Geschehnissen, die man verdauen, meistern und bewältigen musste. Ralf Rangnick mit Burnout, die Verletzungen der Torhüter, anderweitige Verletzungen von Stammspielern mit monatelangen Ausfällen und die nicht enden wollenden Vertragsverhandlungen einiger Stammspieler.

Abwehr muss besser werden

Man darf auch nicht außer Acht lassen, dass die Viererkette der Schalker Abwehr ständig umgebaut werden musste - eine Stammelf hatten die Knappen in dieser Spielzeit nicht. Die ehemals beste Abwehr der Liga hat so richtig Probleme gehabt. Viele Verletzungen sorgten für mangelnde Konstanz und fehlende Automatismen. Daraus resultierten 44 Gegentreffer in 34 Spielen, genau wie in der vorherigen Saison.

Zum Verständnis: In den letzten letzten fünf Jahren hat der FC Schalke 04 im Durchschnitt weniger als ein Tor pro Spiel kassiert - die Abwehr muss stabiler werden, falls man wirklich vor hat, irgendwann ernsthaft um Platz eins zu spielen.

Alles das zehrt an einem Team, und für den Außenstehenden ist dies nicht gleich nachvollziehbar. Dennoch wird und muss Horst Heldt den Kader optimieren. Viele Fans wünschen sich Neuzugänge für die Abwehr, das ist nicht zwingend nötig. Gute Abwehrspieler sind bei S04 vorhanden - man muss nur länger zusammenspielen und sich die nötige Sicherheit holen.

Kader-Optimierung nötig

Grundlegend gibt es, trotz der erfolgreichen Saison, einiges zu verbessern. Das fängt beim System an und hört bei der Positionswahl der Spieler auf. Der Kader ist zu größten Teilen noch ein Magath-Kader, der ausgelegt ist, um ein 4-4-2 zu spielen. Um dieses zu optimieren, wäre der ein oder andere qualitative Neuzugang hilfreich, gerade im Hinblick auf die bevorstehende Champions League.

Die Faustregel besagt: Spielt Schalke in der Königsklasse, dann ist die Bundesliga-Saison durchwachsen!

Generell kann man sagen: Wenn man die eingangs erwähnte Konstanz erreichen will, wäre es vorteilhaft, die Spieler auf ihren erlernten Positionen spielen zu lassen. Und es gilt darauf zu hoffen, dass diese gesund bleiben - dann wird der FC Schalke 04 auch mal im Meisterkampf ein gewichtiges Wörtchen mitreden dürfen.

Alles zum FC Schalke 04

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