
Das Social-Media-Eigentor des FC Bayern
Und die neue FCB-Offensivwaffe heißt...
Der FC Bayern verkündet auf der Vereinshomepage und per Social-Media-Plattform den Transfer eines neuen Offensiv-Spielers, launcht dann aber nur eine neue App. Ein "PR-Gag" - nur leider mag keiner so recht darüber lachen.
Die "Facebook"-PK: Um kurz nach 13 Uhr gibt der FCB via "Facebook" folgendes mit einem Link bekannt: "FC Bayern München verpflichtet einen neuen Spieler. Live-PK um 14.00 Uhr exklusiv auf Facebook."
Kurze Zeit später wird auch ein Aufmacher auf der Vereinshomepage, fcb.de, geschaltet. "FCB verpflichtet Offensiv-Spieler", lautet die Überschrift und selbst Sportdirektor Christian Nerlinger wird zitiert: "Es wird eine spektakuläre Neuverpflichtung für den Offensiv-Bereich sein." Genaueres werde man ab 14 Uhr unter der App "The New FCB Star" bei "Facebook" erfahren.
Spätestens jetzt gehen die Gäule mit einigen FCB-Fans bei "Facebook", "Twitter" oder auch bei "Rund um den Ball" bei SPOX durch. Die Meldung wird wie ein Lauffeuer publik, beinahe sekündlich werden neue Namen genannt. Ist es Carlos Tevez? Dimitar Berbatow? Oder der eher unbekannte Dries Mertens?
Auch Medien, die vom FC Bayern nicht explizit über die Aktion informiert wurden, springen auf - und weisen auf die Verkündung eines "spektakulären Neuzugangs" hin. Um 14 Uhr dann Ernüchterung allenthalben: Erst versagt die Technik und lässt bei vielen Internetnutzern Fragezeichen zurück, weil sie die Aktion nicht sofort aufrufen können.
Als dann der Link wieder verfügbar ist, bekommen die User ein Video zu sehen, in dem Nerlinger, Mediendirektor Markus Hörwick und Philipp Lahm in einer inszenierten Fake-PK vor Schauspieler-Journalisten von einem Neuzugang sprechen, "einen Spieler, den wir jahrelang beobachtet haben und für den wir viel Geld in die Hand genommen haben", so Nerlinger.
Nach den Ausführungen hebt Nerlinger ein Foto hoch, auf dem dann das individuelle "Facebook"-Profilbild des jeweiligen Nutzers zu sehen ist. Message: DU bist unser neuer Star.
Der Nutzen: Wenn es dem FC Bayern um Aufmerksamkeit und Reitweite ging, dann war die "Facebook"-Aktion ein voller Erfolg. Bei "Twitter" war "FCB" schnell Trending Topic. Viel wichtiger: Bei Facebook klickten tausende Fans die Bayern-App an und gaben damit ihre persönlichen Daten und Fotos dem FC Bayern preis, wurden so Teil der FCB-Facebook-Gemeinde.
Allerdings bleibt die Frage nach dem Warum. Das Video ist eine nette Spielerei - nicht mehr, nicht weniger. Zwar werden weitere Aktionen angekündigt, der Nutzen der Aktion "The New FCB Star" ist für den User aber vorerst äußerst gering.
Wen hat der FCB denn nun verpflichtet? SPOX deckt bei Facebook auf!
FCB-Online-Chef Stefan Mennerich hatte vor zehn Tagen in einem Interview mit der "tz" zwar den Start einer neuen Plattform mit dem Arbeitstitel "myFCB" angekündigt. Wenn man Mennerich dabei richtig versteht, soll diese Plattform aber nicht auf "Facebook" stattfinden und ist dementsprechend immer noch in der Schublade.
Ein netter Randaspekt der ganzen Geschichte: Wenn der FCB seine Userschaft bei "Facebook" für repräsentativ hält, dann könnte er anhand der Reaktionen durchaus ableiten, dass eine Großzahl an FCB-Fans nach einem Neuzugang für die Offensive dürstet.
Die Reaktionen: Vielen Usern, die wirklich einen Transfer erwartet hatten, fiel die Kinnlade runter. Die Message "Du bist unser Star" kam bei den meisten nicht gut an. Die FCB-Nachricht auf "Facebook" wurde binnen Minuten mit entrüsteten Kommentaren - teilweise unter der Gürtellinie - bombardiert.
Natürlich gab es auch positives Feedback, das allerdings im Sturm der Entrüstung unterging. Teilweise schrieben User sogar, sie würden das kommende Heimspiel des FC Bayern nach dieser Täuschung nun boykottieren.
Der FCB selbst reagierte um 14.20 Uhr und schrieb bei "Facebook": "Liebe Fans, ihr habt es natürlich alle schon längst gemerkt. Das Video von der PK war natürlich nicht ganz ernst gemeint, sondern ist ein kleiner Spaß für unsere Fans auf Facebook, bei dem der Fan im Mittelpunkt steht. Weitere Clips werden in den kommenden Wochen folgen."
Am Nachmittag ruderte der FC Bayern endgültig zurück und entschuldigte sich auf Facebook für die Aktion. Die Entschuldigung im Wortlaut:
"Sorry liebe Fans,wie wir Euren zahlreichen Kommentaren entnehmen, seid ihr über die heutige Aktion sehr verärgert. Es war nicht unsere Absicht, Euch mit der neuen App zu enttäuschen. Vielmehr wollten wir Euch mit dieser Aktion in den Mittelpunkt stellen und dadurch zeigen, wie wichtig jeder Fan für den FC Bayern München ist. In mehreren folgenden Videoclips auf der App soll der Fan Teil der Mannschaft werden, indem z.B. der Nachname des Fans auf dem Trikot zu sehen ist und der Fan in den Medien als Star dargestellt wird. Diese persönlichen Videos sollen Euch und Euren Freunden Spaß und Freude bereiten."
Bei "Twitter" wurde in der Zwischenzeit schon fröhlich über den FC Bayern gelästert. Hier findet man so gut wie keine positive Reaktion. Auch das Medien-Echo ist negativ. Der "Bayerische Rundfunk" schreibt online von "einer komplett verunglückten Marketingaktion" und macht den "Shitstorm" gegen den FCB zum Thema seines Artikels.
Die "Sport-Bild" stellt auf ihrem "Facebook"-Account derweil die Frage: "Der Klub, der öffentlich über das Social Media-Verhalten seiner Spieler klagt, sorgt jetzt durch eine 'offizielle' Falschmeldung weltweit für ein Durcheinander, um neue Facebook-Freunde zu generieren und dann 'Ätsch, PR-Gag' zu sagen? Kann das sein?" Und antwortet selbst: "Eigentlich nicht."
Und der "11Freunde-Ticker" schreibt vernichtend: "Falls ihr euch wundert, warum all eure Facebook-Freunde auf einmal Fan des FC Bayern sind: Die Aktion mit dem neuen Offensiv-Spieler war in der Tat der reudigste PR-Gag der Geschichte und bindet alle Facebook-User bis ans Ende aller Tage an Uli Hoeneß und Christian Nerlinger. Dabei war Humor doch früher einmal lustig."
Fazit: Nicht das bekommen, was man erwartet: Als Fan eines Vereins aus den Niederungen der Liga kennt man das. Nun wissen es auch ein paar Fans des FC Bayern München. Viele der Internetnutzer fühlten sich vom FCB getäuscht und machten ihrem Unmut lautstark Luft.
Medien, die auf die Meldung reinfielen, sprachen alsbald von einem "PR-Gag". Von einem "Spaß" kann man aber nur sprechen, wenn jemand lacht. Den meisten war aber nicht nach Lachen zumute.
"Herzlichen Dank dafür, dass sie so relativ kurzfristig reagiert haben", sagt Christian Nerlinger im Video auf der gefakten Pressekonferenz zu den Schauspielern vor ihm und irgendwie auch zu allen Usern, die sich eingeloggt hatten.
"Mal schauen, ob er auch so gut spielt, wie er aussieht", sagt Thomas Müller dann auch noch im Video. Konsequenterweise könnten jetzt einige User auf die Idee kommen, am Donnerstag im Trainingsanzug an der Säbener Straße zu erscheinen. Manuel Neuer kündigte ja bereits an: "Ich freue mich auf Dich. Mal sehen, ob Du gegen mich im Training einen Ball rein bekommst."
Der Kader des FC Bayern München










