Klaus Allofs im Interview

"Nach oben sehe ich keine Grenze"

Von Interview: Stefan Rommel
Donnerstag, 13.10.2011 | 21:00 Uhr
Klaus Allofs ist seit 1999 Mitglied im Vorstand von Werder Bremen
© Getty
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Nach einer durchwachsenen letzten Saison ist Werder Bremen wieder zurück in der Spitzengruppe der Bundesliga. Vor dem Spiel gegen Borussia Dortmund (20.15 Uhr im LIVE-TICKER) spricht Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs über die Gründe für den Aufschwung, kritische Situationen, Probleme im deutschen Fußball und seine persönlichen Pläne.

SPOX: Herr Allofs, hat Sie Ihre Mannschaft mit dem sehr gelungenen Start in die Saison eigentlich überrascht?

Klaus Allofs: Abgesehen von den letzten beiden Spielen sind wir sehr zufrieden. Wir hatten in der letzten Saison außergewöhnliche Probleme und wussten, dass wir es sehr viel besser können als wir es damals gezeigt haben. Wir sind vielleicht einen Tick besser gestartet als wir es selbst erwartet hatten, nach oben sehe ich da aber keine Begrenzung. Wir erzielen bisher die Resultate, bestreiten können wir die Partien aber noch besser.

SPOX: Woran liegt die deutliche Verbesserung in fast allen Bereichen konkret?

Allofs: Wir haben unsere Probleme überwunden, den Weggang wichtiger Spieler wie Torsten Frings oder Per Mertesacker kompensiert. Dazu haben wir bei den Neuzugängen offenbar richtig gelegen, die haben eingeschlagen. Das alles führt dazu, dass wir die Dinge wieder besser umsetzen können als in der letzten Saison.

SPOX: Hat die Mannschaft auch wieder eine neue Identität entwickelt?

Allofs: Es ist intern und auch nach außen der Eindruck entstanden, dass das in der letzten Saison alles in der Form nicht richtig zusammengepasst hat. Wir haben bemerkt, dass die Mannschaft nicht immer als solche funktioniert hat. Und wenn dann der Erfolg ausbleibt, kommt es intern zu Reibereien. Viele Spieler hatten mehr mit sich selbst zu tun als sich in die Gruppe einzubringen. Das ist bis jetzt sehr viel besser geworden. Wie lange das anhält, muss man sehen. Aber: Wir haben es als wichtiges Kriterium erkannt und die Mannschaft hat begriffen, dass es nur gehen kann, wenn die Dinge gemeinsam angefasst werden. Dass zum Beispiel der Konkurrenzkampf auch als Chance für die Gruppe gesehen wird und nicht nur als Druckmittel. Das kann für den Einzelnen natürlich auch unangenehme Folgen haben, wenn man mal nicht spielt. Aber man hat auch immer gleich wieder die Chance, diesen Zustand zu korrigieren.

SPOX: In der Rückrunde war der Druck nicht nur auf die Mannschaft, sondern auch auf Sie und Thomas Schaaf enorm. Trotzdem sind Sie in Ihren Entscheidungen standhaft geblieben. Fühlen Sie sich jetzt - einmal mehr - bestätigt?

Allofs: Wir klopfen uns jetzt bestimmt nicht auf die Schultern... Wir haben in der Vergangenheit immer das getan, wovon wir auch überzeugt waren. So sind wir auch in der schwierigen Phase verfahren - völlig egal, ob das in der Trainerfrage war, oder wenn wir uns von Spielern getrennt haben. Das hat nicht immer funktioniert, auch bei Spielertransfers oder in der Zusammenstellung der Mannschaft - aber in den meisten Fällen schon. Wir haben ja auch nicht einfach irgendetwas versucht und darauf gehofft, dass es funktioniert. Sondern wir hatten eine klare Analyse und wir wussten, dass in der Mannschaft mehr steckt. Entsprechend haben wir dann die Mittel gewählt, die uns wieder auf einen besseren Weg gebracht haben.

SPOX: Werder war Dauergast in der Champions League, was unweigerlich auch dazu geführt hat, dass die Mannschaft im Unterhalt deutlich teurer wurde und beim Verpassen des internationalen Geschäfts auf Dauer auch zu teuer wird. Anderen Klubs wie Stuttgart, Schalke oder Hamburg ging es ähnlich. Wie kann man diesen Effekt sanft auffangen, ohne dabei zu große finanzielle oder sportliche Rückschläge zu erleiden?

Allofs: Im Idealfall würde man eine Vertragsgestaltung haben, die sich zu hundert Prozent nur nach dem sportlichen Erfolg richtet.

SPOX: Das dürfte unmöglich sein.

Allofs: Es wäre die einfachste Lösung für den Verein. Für den einzelnen Spieler aber nicht, weil er nicht immer unmittelbaren Einfluss darauf hat, ob er spielt. In der Bundesliga gibt es aber im Gegensatz zu vielen ausländischen Klubs leistungsbezogene Verträge. Die haben wir bei Werder auch. Aber auch diese Verträge sind nicht so gestaltet, dass man Einbußen damit sofort auffangen könnte. Das geht nicht. Wir bewegen uns in kleinen Schritten nach oben, müssen uns aber in großen Schritten nach unten bewegen, wenn wir etwas ausgleichen müssen. Wir hatten in der Vergangenheit eine Mannschaft, die auf die Champions League ausgerichtet war und das auch bewiesen hat. Dementsprechend war deshalb auch die Entlohnung. Jetzt sind wir ein Jahr nicht dabei und müssen deshalb zwangsläufig von diesem Niveau herunterkommen. Die Grenzen dabei werden aber bestimmt von Angebot und Nachfrage für die Spieler und denen unterwerfen sich die Klubs.

SPOX: Mussten Sie interessanten Spielern aus den genannten Gründen auch schon absagen?

Allofs: Das ist vorgekommen. Aber das Gesamtpaket Werder ist immer noch interessant, und so kann ein Spieler auch einen leistungsbezogenen Vertrag akzeptieren. Das bedeutet ja nicht zwingend nur einen negativen Effekt, sondern der Spieler kann ja auch entsprechend mehr verdienen.

Seite 2: Klaus Allofs über die Finanzkrise und seine Zukunft bei Werder

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