Montag, 22.03.2010

Alternative Liste, 27. Spieltag

Von Seehunden und Sausäcken

Wenn Sie nicht wissen wollen, wie lange Schweine kommen und wer die wirklich bösen Buben der Bundesliga sind, dann klicken Sie jetzt bitte weiter. Ansonsten gibt es in dieser Alternative Liste jede Menge Schweinereien - aber das kennen Sie ja.

Hamburgs Tomas Rincon vereitelt akrobatisch das sichere 1:3 im Heimspiel gegen Schalke
© Imago
Hamburgs Tomas Rincon vereitelt akrobatisch das sichere 1:3 im Heimspiel gegen Schalke

1. Fiese Matenten I: Dass Felix Magath ein Anarchist ist, weiß ja jeder. Das schreiben wir schon oft genug. Aber erst was anderes: Wie viele echte Zehner gibt es eigentlich in der Bundesliga? Na?! Nicht viele jedenfalls. Die Bayern haben zum Beispiel keinen, wie van Gaal im Verfahren "Trial and Error" im Sommer unter Schmerzen eruierte. Schalke aber hat jede Menge. In Hamburg spielte kein Geringerer als Peer Kluge die Speerspitze der Raute in der ersten Halbzeit.

Aber Magath wäre nicht Magath, wenn er Kluge dabei nur den schnöden Auftrag gegeben hätte, einen Zehner zu interpretieren. Nein, Magath erfand mal eben den Typus des offensiven Mittelfeldmanndeckers. So schien Kluges einzige Aufgabe darin zu bestehen, den beiden HSV-Spielentwicklern Jarolim und Ze Roberto den Tag zu versauen. Kein Wunder also, dass Heribert Bruchhagen Magath einen "alten Sausack" nennt (auch wenn der Eintracht-Boss den Kluge-Twist im "Doppelpass" noch nicht ahnen konnte). Wir machen das nicht, wir sind nicht Bruchhagen.

2. Fiese Matenten II: Jürgen Klopp ist ein ganz fieser Kerl. Weiß keiner, aber dafür gibt's ja die AL, damit das jetzt jeder weiß. Wie der die arglosen Leverkusener aufs Kreuz gelegt hat! Seine Mannschaft sich eine Halbzeit komplett doof stellen lassen, als könnte da keiner bis drei zählen und Weidenfeller dabei so halten zu lassen, als wäre er tatsächlich DFB-tauglich - das hatte schon was! Und dabei Fußball zum Abgewöhnen anbieten mit ungelenken hohen Bällen auf den winzigen Zidan, nur um den Gegner zu täuschen. Ganz schön mies. Und dann aus der Pause kommen, drei Buden machen und sich hinterher noch abfeiern lassen. Alter Sausack!

Für Bayern: Das ist Juvhel Tsoumou. Der spielt in Frankfurt und hat Euch einen reingemacht
Für Bayern: Das ist Juvhel Tsoumou. Der spielt in Frankfurt und hat Euch einen reingemacht
© Imago

3. Fiese Matenten III: Nicht besser als Klopp, der krumme Hund, ist Michael Skibbe. Skibby tritt mit apokalyptischen personellen Problemen gegen die Bayern an und was macht er? Geht in den Gerümpelkeller und kommt mit ein paar Spielern wieder raus, die die Welt nicht kennt oder schon längst vergessen hat. Dass die Bayern da schlecht aussehen, ist ja normal. Denn wer zum Teufel weiß schon, dass Marcel Heller und Juvhel Tsoumou-Dingda wirklich Fußball spielen können?

4. Schön doof: Neben diversen Klubs aus dem Niedersächsischen (Wolfsburg - Hertha 1:5!) ist Leverkusen natürlich der Verlierer des Spieltags. Man ertappt sich dabei, in Klischees über Bayer zu reden, auch wenn man das vielleicht gar nicht will. Jetzt hat es Leverkusen also geschafft, in nur einem Spiel den Prototyp einer Bayer-Saison nachzuzeichnen. Eine Halbzeit lang modern, kreativ und elegant, dass der diensthabende Fernsehkommentator nur so schnaufte, schnurrte und schmatzte wie Calmund in der Kocharena. Und dann eine Halbzeit zögernd und zaudernd und mit unerklärlichen Aussetzern. Das kann man bedauerlich finden oder ganz kalt sagen: selbst schuld. Die AL überlegt noch.

5. Dachschaden: Jahaa, die Bayern haben ein Kopfproblem. Jetzt weniger mit dem, was darin vorgeht, sondern mit dem, was außen rum ist. Nach Martin Demichelis hat sich am Samstag in Frankfurt auch Daniel van Buyten das Antlitz demoliert. Unschön sah das aus, als seinem markanten Gesicht binnen Sekunden bizarre Wölbungen entwuchsen, nachdem er mit einem Marco Russ zusammengerumpelt war. Am Sonntag kam aber die überraschende Entwarnung: Van Buyten könne am Mittwoch im Pokal auf Schalke ran. "Wie das?", wurde Louis van Gaal am Montag gefragt. O-Ton LvG: "Meine Frau hat auch einen Schlag von einer Tür an den Kopf bekommen und war im ersten Moment durcheinander. Aber wenn da nichts im Gehirn durcheinander gewechselt ist und nichts gebrochen ist, geht das schon wieder." Sehen Sie?

Immer schön die Hände auf die Bettdecke: Tiger Woods (r.) und Heidi Klum
Immer schön die Hände auf die Bettdecke: Tiger Woods (r.) und Heidi Klum
© Getty

6. Sumsen ist buper: Huhuuu, wie delikat, wie pikant, wie... lustig! Im "ASS" sagte Bastian Schweinsteiger: früher habe er immer wie Tiger Woods sein wollen. Heikel, heikel. Wie Woods? Der Skandalgolfer? Unser Schweini? Himmel hilf! Eine bekannte deutsche Zeitung schrieb dann gleich einen Artikel dazu, der vor anzüglichen Höhös nur so strotzte. Wieso? Wenn Schweini gesagt hätte: "Ich will auch immerzu alles verräumen, was mir vor den Putter läuft, meine Freundin und meine Sponsoren bescheißen und das ganze deutsche Volk gleich mit." Ja, wenn er das gesagt hätte!!! Aber so was sagt der Schweini ja nicht. Da kannste lang drauf warten, dass der so was sagt.

7. Kindergarten strikes back: Am letzten Mittwoch befand sich der VfB in einem Paralleluniversum. Messis World heißt das oder Planet Barca und da sieht man unter Umständen nicht gut aus mit seinem irdischen Rüstzeug. Matthias Sammer hatte dafür aber kein Verständnis und beschimpfte die Stuttgarter mit großem Engagement als einen fußballerischen Kindergarten. Es wäre nicht unspannend zu erfahren, was Sammer wohl über Hannover gesagt hätte, das jetgelagten und schleudertraumatisierten Schwaben nicht auch nur fünf Minuten lang Paroli bieten konnte.

8. Von wegen Hannover: Vielleicht hätte Sammer zum Begriff des Anämiker-Fußballs gegriffen. Der war bei den Bundeliga-Vertretern Niedersachsens (Wolfsburg - Hertha 1:5!) ohnehin schwer angesagt am Wochenende. Hannovers Trainer Mirko Slomka kritisierte seine Mannschaft hart, räumte aber auch ein, dass es halt doof gelaufen sei in Stuttgart.

Wenn man nach fünf Minuten das 1:0 gemacht hätte - sie wissen schon, als Pinto Lehmann überlupfte und Ya Konan sich fast selbst entbeinte, anstatt den Ball ins leere Tor zu schießen - dann hätte man schon mehr Leidenschaft aufbringen können, weil man dann ja die Aussicht auf drei Punkte gehabt hätte und so.

Das sollte man eigentlich auch nicht genauer hinterfragen. Nur soviel: Mit welcher Aussicht geht so ein Hannoveraner eigentlich in ein Bundesliga-Spiel und warum spricht Arnold Bruggink Plattdeutsch?

9. HSV im Robbenstil: Über den HSV kann man derzeit nicht viel Gutes sagen. Sukzessive und ganz schleichend verliert die Labbadia-Elf Platz um Platz. Immerhin bieten HSV-Spiele jede Menge Unterhaltung. 17 Tore fielen in den letzten drei Partien gegen Leverkusen, Anderlecht und Schalke. Zehn Mal klingelte es dabei im Hamburger Tor. Und es hätte sogar noch einmal mehr sein müssen:

Es war die 74. Minute am Sonntag gegen Schalke, als Edu im Rücken Mathijsens entwischte, Rost austanzte und aus spitzem Winkel einschieben wollte. Doch der Schalker Joker hatte die Rechnung ohne Tomas Rincon gemacht. Dem Hamburger gelang es erst, im Rutschen den Ball irgendwie zwischen seinem rechten Bein und dem Pfosten einzuklemmen. Doch das Leder war noch in Bewegung und Rincon lag schon hinter der Torlinie. Kein Problem für den Venezolaner, der sich geistesgegenwärtig um die rechte Schulter drehend auf den Bauch warf und das Leder im Stile eines Seehunds mit Stirn, Nase und Mund von der Linie stupste.

10. Schamhaarspliss: Wussten Sie, dass...? So fängt eine Rubrik in der Zeitung oder sonstwo an, die dann mit irgendwas ganz Fadem oder Abwegigem weitergeht. Wussten Sie, dass der Orgasmus eines Schweins 30 Minuten dauert? (im Internet gefunden) Wussten Sie, dass 72 Prozent aller blonden Deutschen unter Schamhaarspliss leiden? (selbst ausgedacht)

Wussten Sie aber auch, dass es ein Novum in dieser Saison ist, dass an einem Spieltag Freiburg und Hertha gewonnen haben? Wussten Sie auch, dass erstmals in dieser Saison Bayern und Leverkusen an einem Spieltag verloren haben? Ja. Dann wissen Sie auch, dass es in dieser Saison noch keinen Spieltag gab, an dem Freiburg und Hertha gewannen und Bayern und Bayer gleichzeitig verloren.

11. Running Gags: Ich bin nicht so mit den geheimen Riten der Kollegen Moser und Kucharski vertraut, dass ich jetzt sagen könnte, was es mit dem Lell oder Kuranyi der Woche, Bibi Steinhaus und dem 1. FC Köln im Detail auf sich hat. Müssen die in jede AL oder können die nur? Oder wie oder was? Aber man will sich ja nichts nachsagen lassen. Hier also im Schnelldurchlauf: Kevin Kuranyi verpasste am Samstag in Hamburg den Teambus und musste mit dem Taxi fahren. Brüller! Köln meldet sich im Abstiegskampf zurück, weil dem FC die Gesellschaft von Gladbach (gähn) und Hoffenheim (doppel-gähn) im Nichts der Tabelle auf Dauer zu fad war. Wer war noch Lell? Und: Bibi in die Bundesliga! Da bin ich für.

Der 27. Spieltag im Überblick

Oliver Wittenburg

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