SPOX-Meinung zum Fall Hitzlsperger

Richtige Entscheidung, falscher Verein

Von Andreas Lehner
Montag, 01.02.2010 | 18:23 Uhr
Den Hammer wird Thomas Hitzlsperger zukünftig für Lazio Rom auspacken
© Getty
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Thomas Hitzlsperger verlässt den VfB Stuttgart und wechselt zu Lazio Rom, um seine WM-Teilnahme nicht zu gefährden. Aber der Wechsel wirft einige Fragen auf. Die Flucht nach Rom wirkt wie ein Akt der Verzweiflung. Die SPOX-Meinung zum Fall Hitzlsperger.

Loyalität ist eine der herausragenden Eigenschaften von Thomas Hitzlsperger. Auch bei seinem Abschied aus Stuttgart fand er fast nur positive Worte für seinen alten Verein. Zwar sei das Ende nicht befriedigend und nicht schön, aber die positiven Erinnerungen würden doch überwiegen.

Nicht schön ist die Hitzlsperger'sche Umschreibung für den rasanten Absturz eines verdienten Nationalspielers, wie es ihn nur selten zuvor gegeben hat.

Der Vereinswechsel war die logische und richtige Konsequenz einer erstaunlichen Entwicklung des Nationalspielers in Stuttgart. 2007 schoss Hitzlsperger den VfB zur Meisterschaft, 2008 wurde er Kapitän, 2009 bekam seine Karriere einen Knick.

Demontage beim VfB

Hitzlsperger trug mit schlechten Leistungen in der Vorrunde seinen Teil dazu bei, wurde von den VfB-Verantwortlichen aber auch Schritt für Schritt demontiert.

Ex-Trainer Markus Babbel raubte ihm zu Beginn der Saison durch seine Rotation Vertrauen und Sicherheit. Kurz vor seinem Rauswurf setzte Babbel Hitzlsperger auch noch als Kapitän ab. Seine Autorität und Akzeptanz bei Mitspielern und im Verein war damit dahin.

Einen Neuanfang wollte er in der Rückrunde unter Christian Gross starten, sich durch harte Arbeit und gute Leistungen aufdrängen. Aber auch unter dem Schweizer war für Hitzlsperger kein Platz mehr im Mittelfeld. Es ist davon auszugehen, dass der loyale Hitzlsperger diesen Umstand bis zu seinem Vertragsende im Juni ertragen hätte, stünde nicht die Weltmeisterschaft in Südafrika bevor.

Es bleibt nur die Notlösung

Um seinen Platz im WM-Kader der deutschen Nationalmannschaft nicht zu gefährden, blieb ihm aber nur ein Ausweg: die Flucht zu einem anderen Verein. Sportvorstand Horst Heldt sagte, es sei dem Verein nicht leicht gefallen, ihn gehen zu lassen. Den Eindruck musste man in den vergangenen Wochen und Monaten nicht unbedingt bekommen.

Trotzdem hatte Hitzlsperger noch vor wenigen Tagen einen Transfer als Notlösung bezeichnet. Nach Gesprächen mit Gross, Heldt und Bundestrainer Joachim Löw schien dies schließlich die einzige Lösung zu sein.

Seit der WM 2006, bei der er nur zu einem Kurzeinsatz kam, ging seine Karriere nur nach oben. Im Januar 2010 steht sie aber vor einer Wand. Der Wechsel nach Rom ist die Suche nach einem Ausweg. Hitzlsperger will die WM 2010 auf dem Platz erleben.

Lazio: Die gleichen Probleme wie in Stuttgart

Bis zuletzt hatte er gehofft, dass beim VfB ein Umdenken eintritt und er doch noch eine Chance bekommt. Nur im Notfall wollte er einen Verein, bei dem "ich keine lange Eingewöhnungszeit brauche und mich sofort zurechtfinde". Deshalb wirkt die Entscheidung für Lazio Rom auch überstürzt.

Italien ist für Hitzlsperger ein fremdes Land, Rom keine einfache Stadt und Lazio ein schwieriger Verein, in dessen Umfeld immer Unruhe herrscht. In der Serie A gibt es sicher gemütlichere Plätzchen.

Ein Angebot von Real Saragossa lehnte er ab, weil er sich für den spanischen Abstiegskampf zu schade war. Jetzt spielt er für den 15. der Serie A.

Eine ungewohnte Situation für eine Mannschaft wie Lazio, die eigentlich ganz andere Ansprüche hat und von der Qualität her auch im oberen Tabellendrittel stehen müsste. Umstände, die Hitzlsperger zumindest aus Stuttgart kennt.

Bekannt dürfte ihm auch die Personalsituation vorkommen. Immerhin beschäftigt Lazio mit Roberto Baronio, Christian Brocchi, Fabio Firmani und Ousmane Dabo vier zentrale Mittelfeldspieler, die Ansprüche auf einen Platz in der ersten Elf haben. Die Konkurrenzsituation ist also noch ausgeprägter als in Stuttgart.

Keine Interessenten

Die Kriterien, die Hitzlsperger für seinen Wechsel aufgerufen hat, sind aber allesamt nicht erfüllt. Er kann weder mit einem Stammplatz rechnen und mit der erhofften Spielpraxis planen, noch kommt er in ein bekanntes Umfeld.

Das alles lässt den Wechsel als einen Akt der Verzweiflung erscheinen. Hitzlsperger sagt, er freue sich auf die neue Herausforderung und dass es ein Privileg sei, in einer Top-Liga im Ausland zu spielen. Zumindest für ein halbes Jahr. So lange läuft sein Vertrag bei Lazio. Der Verein besitzt ein Option auf eine Verlängerung um zwei Jahre.

Es ist rätselhaft, warum ein Nationalspieler wie Hitzlsperger keinen anderen Klub in Deutschland oder in seiner alten Heimat England gefunden hat und sich so auf das Abenteuer Rom einlassen muss.

Auch Hitzlsperger wird sich diese Frage stellen müssen. Ob sich das Wagnis Italien für ihn gelohnt hat, wird sich spätestens am 1. Juni zeigen, wenn Löw den endgültigen WM-Kader bekannt gibt.

Hitzlspergers Wechsel zu Lazio Rom perfekt

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