"Dann zeig uns, was du wirklich kannst!"

Von Daniel Börlein
Freitag, 12.02.2010 | 13:31 Uhr
Breno stand in allen vier Rückrundenspielen über 90 Minuten auf dem Platz
© Imago

Bei den Bayern war Breno meist Bankdrücker. Nun soll der Brasilianer in Nürnberg beweisen, was er wirklich drauf hat. Uli Hoeneß schwärmt nach seinen ersten Auftritten im Club-Trikot bereits - der FCN hofft dennoch, ihn halten zu können. Aus gutem Grund.

Fast zwei Jahre dauerte es, bis Breno beim FC Bayern einen bemerkenswerten Sprung hinlegte. Seit seiner Verpflichtung im Januar 2008 wurde der Brasilianer beim Rekordmeister stets mit einem Körpergewicht von 83 Kilogramm geführt. Ende 2009 gaben die Münchner plötzlich an: Breno wiegt 90 Kilo.

Satte 14 Pfund hätte der 20-Jährige demnach in den vergangenen zwei Jahren zugelegt. Ein erstaunlicher Sprung für einen Profi-Fußballer  - allerdings: Brenos einziger beim FC Bayern.

Elber: "Eine absolute Granate"

Für zwölf Millionen Euro hatten die Münchner den Innenverteidiger vom FC Sao Paulo im Winter 2008 verpflichtet und sich damit, so die damals einhellige Meinung zahlreicher Experten, eines der größten Abwehr-Talente Südamerikas gesichert.

Bayerns Brasilien-Scout Giovane Elber kündigte Breno als "absolute Granate" an, FCB-Boss Karl-Heinz Rummenigge sprach von einer lohnenden "Investition für die Zukunft" und der damalige Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld war sich sicher, dass er "eines Tages ein echter Leistungsträger beim FC Bayern sein wird. Wenn man Geduld mit ihm hat."

Badstuber statt Breno

Zwei Jahre lang hatten Sie beim FC Bayern Geduld. Zum echten Leistungsträger schaffte es Breno dennoch nicht. Im Gegenteil. Auf gerade mal zwölf Pflichtspiele brachte es der Abwehrhüne in seinen ersten anderthalb Jahren, unter Louis van Gaal kamen lediglich drei weitere hinzu. Trotz des Wechsels von Lucio zu Inter Mailand. Der neue Bayern-Coach setzte stattdessen auf Youngster Holger Badstuber.

Öffentlich beklagen mochte sich Breno dennoch nie. Außer einem: "Ich will spielen und zeigen, was ich kann", war nichts von ihm zu hören. Nun lässt ihn der FC Bayern spielen. In der Winterpause lieh der Rekordmeister Breno bis zum Saisonende an den 1. FC Nürnberg aus, nach dem Motto: "Dann zeig uns, was du wirklich kannst!"

Guter Einstand beim Club

Beim Club hat er sich schnell etabliert. In allen vier Spielen der Rückrunde stand Breno über 90 Minuten auf dem Platz, erhielt dafür vom "Kicker" die Durchschnittsnote 2,88 und wurde einmal in die SPOX-Top-Elf des Spieltags berufen.

In Nürnberg sind sie froh, dass sie Breno bekommen haben. "Wir waren uns sicher, dass er uns helfen kann", sagt Manager Martin Bader im Gespräch mit SPOX. "Das hat er nun in den ersten Spielen auch unter Beweis gestellt."

Die einstige Wackelabwehr der Franken scheint Geschichte. In den letzten vier Partien der Hinrunde kassierte der Club zwölf Gegentore, im neuen Jahr sind es in den vier Begegnungen erst fünf. Auch dank Breno.

Der Brasilianer gewann bislang hervorragende 71 Prozent seiner Zweikämpfe, leistet sich im Spielaufbau kaum Fehler und stärkt damit auch seine Innenverteidigerkollegen Andreas Wolf und Dominic Maroh, die im Vergleich zur Hinrunde an Brenos Seite wieder einen Aufwärtstrend erkennen lassen.

Hoeneß: Beim Club schon Extraklasse

Dass es für ihn von Beginn an so gut läuft, "konnte ich nicht erwarten", sagt er. Bayern-Präsident Uli Hoeneß schwärmt sogar, dass Breno im Club-Trikot bereits bewiesen habe, "dass er ein Spieler der Extraklasse ist".

Ein klein wenig Wunschdenken schwingt in Hoeneß' Worten sicher mit. Denn überragend waren Brenos Vorstellungen bislang nicht. Beim Gegentor auf Schalke sah er zumindest unglücklich aus, in Hannover wurde er vor dem zwischenzeitlichen Ausgleich überlaufen. Und immer wieder lässt sich Breno - ein wenig naiv - von seinen Gegenspielern aus dem Abwehrzentrum ziehen.

Club hofft auf weitere Ausleihe

Beim Club hat man allerdings erkannt, dass Breno der Mannschaft mehr Qualität verleiht und hofft deshalb, den Brasilianer bei Klassenerhalt übers Saisonende hinaus in Nürnberg halten zu können.

"Gespräche mit Bayern hat es noch nicht gegeben. Es sind ja erst ein paar Spieltage absolviert", sagt Bader. Aber: "Natürlich hoffen wir, dass sich die Spieler, die uns weiterhelfen, vorstellen können, auch nach Ende des Leihgeschäfts zu bleiben. Leverkusen hofft ja bei Toni Kroos auch."

Und: "Wenn sich Breno bei uns weiterhin so wohl fühlt, sich die Situation in München mit van Buyten, Demichelis und Badstuber nicht großartig verändert, ist es denkbar, ihn noch ein Jahr auszuleihen."

Pinola als Bezugsperson

Bislang passt es zwischen Nürnberg und Breno richtig gut. Er sei sofort "Feuer und Flamme für den Club" gewesen, sagt Trainer Dieter Hecking. "Auch wenn er nur ein paar Monate hier ist, war es ihm wichtig, sich in Nürnberg mit seiner kleinen Familie eine Wohnung zu suchen", so Bader. "Dieses Gerede von Söldnermentalität, weil er ausgeliehen ist, ist völliger Quatsch."

Mit Javier Pinola hat Breno innerhalb der Mannschaft schnell eine feste Bezugsperson gefunden. Der 26-Jährige kümmert sich auch abseits des Platzes um seinen jungen Kollegen. Pinola ist Argentinier und als Südamerikaner einer, der nachvollziehen kann, wie Breno fühlt und denkt.

Bei den Bayern war nach den Wechseln von Lucio, Ze Roberto und Jose Ernesto Sosa Martin Demichelis Brenos engster Vertrauter. Doch mit der Zukunft des Argentiniers beim FC Bayern ist auch Brenos weiterer Karriereverlauf eng verbunden.

Erfüllt Demichelis seinen bis 2012 laufenden Vertrag beim Rekordmeister, ist bei den Bayern auch in der kommenden Saison kein Platz für Breno. Es sei denn, er macht in Nürnberg noch einen bemerkenswerten Sprung. Einen sportlichen wohlgemerkt.

Das ist Breno Vinicius Rodrigues Borges

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