Donnerstag, 07.01.2010

Nürnbergs Busfahrer Udo Rauh im Interview

Mit dem Bus in die Bundesliga

Die "Schattenmänner" der Bundesligisten - von Montag bis Freitag lässt SPOX fünf Männer zu Wort kommen, die etwas weniger im öffentlichen Fokus der Bundesligavereine stehen. Heute: Udo Rauh, Busfahrer des 1. FC Nürnberg.

Der Bus des 1. FC Nürnberg wird sowohl bei Heim-, als auch bei Auswärtsspielen benutzt
© Imago
Der Bus des 1. FC Nürnberg wird sowohl bei Heim-, als auch bei Auswärtsspielen benutzt

Wenn der 1. FC Nürnberg mit dem Bus zum Spiel fährt, sitzt Udo Rauh hinter dem Steuer. Der Busfahrer spricht im Interview über seinen Arbeitsalltag beim Club, die Stimmung im Bus und über seine Karriere als Sänger.

SPOX: Was gehört zu den Aufgabengebieten eines Busfahrers in der Bundesliga?

Udo Rauh: Ich fahre natürlich in erster Linie den Mannschaftsbus, bin aber darüber hinaus für den Fuhrpark des Vereins verantwortlich. Dazu gehören etwa die Kleinbusse der Jugend- und Amateurabteilungen oder die Sponsorenwägen. Und zu guter letzt unterstütze ich noch unseren Zeugwart.

SPOX: Wie sieht da Ihre Unterstützung genau aus?

Rauh: Ich helfe ihm im Sommer- und Wintertrainingslager, bei Heim- und Auswärtsspielen und in der Spielerkabine am Trainingsgelände. Ich lege die Trainingsklamotten aus, sammle Wäsche ein, die ich dann bei der Wäscherei abgebe. Solche Dinge eben.

SPOX: Wie sind Sie an den Job gekommen?

Rauh: Bis 2001 war ich bei einem Busunternehmen angestellt. Von 1999 bis 2001 habe ich bereits den Supporters-Club des 1. FC Nürnberg zu jedem Auswärtsspiel gefahren. Der damalige Fanbeauftragte ist dann unter Manager Edgar Geenen Mannschaftsbetreuer geworden. Der alte Busfahrer musste gehen und man hat mich gefragt. Ich habe ja gesagt und bin dann sozusagen von meinem alten Busunternehmen zum Club gewechselt.

SPOX: Sie waren dort also vom ersten Tag an festangestellt. Wie ist da die Quote generell in der Bundesliga?

Rauh: Ich schätze, 80 bis 90 Prozent der Fahrer in der Bundesliga sind bei Busunternehmen angestellt. Die fahren am Wochenende die Profis und sind unter der Woche anderweitig im Einsatz. In Wolfsburg oder Berlin sind die Fahrer wochentags beispielsweise im Stadtverkehr unterwegs. In München oder Leverkusen gibt es aber auch festangestellte Busfahrer wie bei uns in Nürnberg.

SPOX: Gibt es eine Faustregel, ab welcher Kilometerzahl man mit dem Bus fährt oder eher mit dem Flugzeug fliegt?

Rauh: Zuallererst entscheidet so etwas der Trainer. Wenn man eine Faustregel ableiten wollte, wird alles bis zu drei Stunden einfache Fahrt mit dem Bus erledigt. Bei etwas längeren Distanzen wie von Nürnberg nach Köln oder Leverkusen wird auf der Hinfahrt der Zug genommen. Die Rückfahrt findet dann im Bus statt.

SPOX: Den Sie zuvor alleine dorthin gefahren haben?

Rauh: Richtig. Ich fahre einen Tag früher "leer" ins jeweilige Mannschaftshotel und habe die ganze Ausrüstung dabei. Am nächsten Tag wird im Stadion die Kabine eingerichtet. Danach bringe ich die Mannschaft vom Hotel ins Stadion. Ungefähr eine Stunde nach dem Spiel fahren wir dann gemeinsam mit dem Bus nach Hause.

Busfahrer Udo Rauh bei der Feier nach dem DFB-Pokal-Sieg 2007
Busfahrer Udo Rauh bei der Feier nach dem DFB-Pokal-Sieg 2007
© Imago

SPOX: Woher bekommt man denn seine Einsatzpläne? Kommen die direkt vom Verein oder stellen Sie die selbst zusammen?

Rauh: Ich teile mich mehr oder weniger selbst ein. Ich weiß genau, wann etwas zu machen ist. Das Gute ist, dass ich ja den ganzen Tag am Trainingsgelände bin. Da kann man sich dann mit Trainer und Mannschaftsbetreuern besprechen. Bei uns ist eine langfristige Planung garantiert.

SPOX: Wie groß ist der Unterschied zwischen der Arbeit unter der Woche und der am Spieltag?

Rauh: Unter der Woche wird der Bus wieder auf Vordermann gebracht, von innen und außen gereinigt, Fenster werden geputzt, Getränke aufgefüllt und getankt. Dazu kommt noch das Warten der Kleinbusse der Jugendabteilungen. Am Spieltag wird wie gesagt die Kabine eingerichtet. Nach dem Spiel räumt man den ganzen Krempel wieder ein und fährt heim.

SPOX: Wie ist denn im Normalfall nach Spielen die Stimmung im Bus?

Rauh: Naja, bei uns war die Stimmung in der Hinrunde meist gedämpft. Da hat jeder seinen Laptop, DVD-Player oder seine Spielkonsole dabei. Jeder beschäftigt sich meist mit sich selbst, hat einen Kopfhörer auf und will in Ruhe gelassen werden.

SPOX: Aber irgendeine Reise, auf der es richtig rund ging, wird doch schon einmal dabei gewesen sein?

Rauh: Als wir 2004 aus der 2. Liga aufgestiegen sind,  hatten wir innerhalb einer Woche zwei Auswärtsspiele in Bielefeld und Osnabrück. Da sind wir eine Woche am Stück zusammen gewesen und auch vorzeitig aufgestiegen. Als wir nach dem Osnabrück-Spiel nachts nach Hause gefahren sind, ist es im Bus richtig abgegangen. Eine einzige große Party war das.

SPOX: Wohin ging Ihre längste Reise?

Rauh: Nach Marbella ins Trainingslager. Da hatte ich einen zweiten Busfahrer dabei. Wir sind 24 Stunden gefahren. Die Mannschaft kam mit dem Flieger hinterher.

SPOX: Viele Busfahrer pflegen auch gute Beziehungen zu ehemaligen oder aktuellen Spielern. Wie ist das bei Ihnen?

Rauh: Wenn man beim Verein arbeitet, baut man sich natürlich etwas ganz anderes auf, als wenn man nur am Spieltag im Einsatz wäre. Ich habe noch sehr guten Kontakt zu Stefan Kießling oder David Jarolim. Wir telefonieren regelmäßig. Kürzlich ist Kießling Vater geworden, da gratuliert man natürlich genauso wie bei besonderen Leistungen. Das macht schon Spaß.

SPOX: Sie haben mittlerweile viele Spiele gesehen. An welches erinnern Sie sich am liebsten?

Rauh: Das war natürlich das Finale des DFB-Pokal 2007 gegen den VfB Stuttgart. Das war der größte Vereinserfolg seit 40 Jahren - und ich war dabei.

SPOX: Welches Spiel würden Sie gerne aus Ihrer Erinnerung streichen?

Rauh: Da gibt es beim Club einige (lacht). Gerade die Schicksalsspiele bei Abstiegen. Da möchte ich kein spezielles herausheben.

SPOX: Und wo steht das schönste Stadion?

Rauh: In Hamburg.

SPOX: Sie sind in Nürnberg recht beliebt und haben auch ein Lied aufgenommen ("Der FCN ist mein Verein"). Wie kam es dazu?

Rauh: Das war die Idee von Peter Knobloch, einem Musiker und Kabarettisten. Der hatte einen Text auf den Club gedichtet und hat mich und Zeugwart Günter "Chico" Vogt gefragt, ob wir nicht Lust hätten, es zu singen. Wir haben das dann dem Marketingchef vorgestellt. Er fand das super. Daraufhin sind wir zu Manager Martin Bader gegangen und auch der hat sein OK gegeben.

SPOX: Sie haben das Lied auch bei der Aufstiegsfeier im vergangenen Sommer gesungen. Wie ist es denn im Mannschaftskreis aufgenommen worden?

Rauh: Das ist schon ein Hit, danach wird auf jeder Feier verlangt.

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