Andreas Bergmann als Interimslösung

SID
Donnerstag, 20.08.2009 | 12:03 Uhr
Andreas Bergmann betreute in seiner Karriere unter anderem den Zweitligisten St. Pauli
© Getty
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Dieter Hecking tritt als Trainer bei Hannover 96 zurück. Er hatte den Klubverantwortlichen seinen Rücktritt angeboten. Klubboss Martin Kind reagierte betroffen und überrascht, konkrete Kandidaten für den Trainerposten gebe es noch nicht. Am Wochenende wird U-23-Trainer Andreas Bergmann interimsweise auf der Bank sitzen.

Am Wochenende hatte er einen Rücktritt noch kategorisch ausgeschlossen, am Mittwoch warf Trainer Dieter Hecking bei Hannover 96 unerwartet doch das Handtuch.

Nach fast genau dreieinhalb Jahren und einem Krisengipfel am Mittwoch beendete der 44-Jährige damit offenbar entnervt eine sehr emotionale Beziehung zu den Niedersachsen.

Neustart nicht gelungen

"Diese Entwicklung trifft mich ganz persönlich sehr", sagte Hannovers Präsident Martin Kind. "Ich habe Dieter Hecking als einen besonderen Menschen und Trainer kennen und schätzen gelernt. Wir wollten nach einer schwierigen Saison jetzt gemeinsam einen erfolgreichen Neustart einleiten. Das ist uns nicht gelungen."

Ein Nachfolger für Hecking sei indes noch nicht in Sicht. "Wir haben keine Liste mit Kandidaten", so Kind, "dazu gibt es noch gar nichts zu sagen, sonst wären wir ja vorbereitet gewesen."

Bergmann hilft aus

Auf Interimsbasis übernahm Andreas Bergmann die Mannschaft und leitete am Donnerstagmorgen das erste Training. Der ehemalige Coach des FC St. Pauli betreut seit rund zwei Jahren die U 23 der Niedersachen und ist verantwortlich für das Nachwuchs-Leistungszentrum.

Am Samstag in Nürnberg (15.15 Uhr im LIVE-TICKER und auf SKY) wird Bergmann als Cheftrainer auf der Bank sitzen.

"Hecking-raus-Rufe" nach Spiel in Mainz

Nach dem Mainz-Spiel hatte es "Hecking-raus-Rufe" gegeben, wovon sich Hecking nicht beeindrucken ließ.

"Derartige Rufe hat es ja schon am vergangenen Wochenende in Berlin und auch in der letzten Saison gegeben. Natürlich stimmen im Moment die Ergebnisse nicht, aber ich kann nur weiterhin akribisch meine Arbeit machen. Der Zeitpunkt wird nicht kommen, dass ich aufgebe", sagte er.

Beeindruckt hat den fünffachen Familienvater aber wohl ein Krisengipfel mit Kind und Sportdirektor Jörg Schmadkte.

"Nach einer ausführlichen Diskussion mit Präsident Martin Kind und Sportdirektor Jörg Schmadtke, bei der es um die Analyse der derzeitigen Situation des Bundesligisten ging, bot Hecking seinen Rücktritt an. Dieser wurde angenommen", hieß es in der offiziellen Mitteilung des Klubs.

Verhältnis zwischen Trainer und teilen der Mannschaft belastet

Hecking kam 2006 von Alemannia Aachen nach Hannover, schaffte mit dem Team den Klassenerhalt und sicherte dem Verein danach mit Rang acht in der Saison 2007/2008 die beste Platzierung nach dem Wiederaufstieg 2002. In der vergangenen Saison gelang trotz widriger Begleitumstände der 11. Platz.

In dieser musste der Klub zahlreiche Verletzungen verkraften, unter anderen die der teuren Verpflichtungen wie Mikael Forssell und Jan Schlaudraff. Allerdings war das Verhältnis zwischen Trainer und Teilen der Mannschaft auch belastet. So suspendierte Hecking im Dezember 2008 den damaligen Kapitän Hanno Balitsch nach einer lautstarken Auseinandersetzung.

Auch bei den Fans verlor Hecking am Ende der vergangenen Saison immer mehr an Kredit. Neben taktischen Entscheidungen kreideten sie dem Coach auch Fehler im zwischenmenschlichen Bereich an. Vor allem der äußerst unglückliche Abschied von Publikumsliebling Michael Tarnat sorgte für Unmut.

"Wir schleppen noch die Probleme der vergangenen Saison mit uns mit", sagte Schmadtke dem "Kicker": "Wir haben hier nicht den zweiten, sondern die 36. Spieltag."

Slomka möglicher Nachfolger?

Möglicherweise könnte der Klub bei der Suche nach einem Nachfolger den kurzen Weg wählen. Mirko Slomka, der nach seiner Entlassung bei Schalke 04 im August 2008 nach einem neuen Arbeitgeber sucht, war von 2001 bis 2004 unter Ralf Rangnick Co-Trainer bei den Niedersachsen und wohnt in Hannover.

Nach der Entlassung von Jörn Andersen bei Aufsteiger Mainz 05 unmittelbar vor der Spielzeit ist Hecking der zweite Trainer der noch jungen Saison, der vorzeitig geht.

Hannover 96: Kader, Ergebnisse, Termine

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