Alternative Liste - 1. Spieltag

Schicksal is watching you!

Von Oliver Kucharski
Montag, 10.08.2009 | 14:27 Uhr
Lief mal wieder Amok, bekam vom Lieben Gott aber umgehend die Quittung: Mark van Bommel
© Getty
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Och, Bundesliga! Da freut man sich elf Wochen lang wie ein Blöder, dass Du endlich wieder loslegst, und dann legst Du endlich los, und es ist schon wieder nur ein einziger großer Ärger mit Dir. Wohin man auch schaut: miese Vibrations. Die Alternative Liste des 1. Spieltages gibt den Aggressive Leader.

1. Unwürdiges Gejammer: Mit Torsten Frings ging's ja schon los. Dessen natürliche Reaktion auf die Bekanntgabe des Kaders / der Aufstellung für ein Länderspiel ist ja seit einiger Zeit ein unwürdiges mediales Getrotze und Gejammer, weil Torsten Frings es nun mal einfach nicht einsehen will, dass für seine Spielweise / seine Statements / sein Ego kein Platz mehr ist in der Nationalelf: "Ich gehe nach wie vor davon aus, dass ich dazu gehöre, so lange der Bundestrainer keine Argumente liefern kann, die ich verstehe." Doch Obacht, Torsten Frings, Blödstellen gilt nicht! Denn was bitteschön gibt es an einem einfachen Hauptsatz a la "Ballack / Hitzlsperger / Rolfes / Khedira ist besser" nicht zu verstehen?

2. Ausgemachter Scheißdreck: Und dann auch noch Rudi Völler! Normalerweise ist der ja immer super nett und super beliebt, Rudi Völler durch und durch eben, aber manchmal ist er halt auch ein richtig fieser Choleriker und verbaler Mark van Bommel. Dass Mainzens Bance (Völler: "Zwei, drei Meter groß! Fällt bei jeder Mücke um! Unglaublich!") einen Freistoß rausholte, der zum Ausgleich führte, war also ein neuerlicher Tiefpunkt in einer langen Liste tiefpunktiger Tiefpunkte an Schiri-Leistungen und alles in allem also ein ausgemachter Scheißdreck, und so forderte Rudi Völler mit fringsigem Trotz: "Dann spielen wir in Zukunft halt ohne Schiedsrichter. Dann ist Foul, wenn das Publikum pfeift."

3. Neues Revier: Wie unausgegoren dieser Plan ist, beweist doch das Beispiel Uli Hoeneß. Der sitzt ja neuerdings auf der Tribüne, und wie Alphatiere das nun mal so machen, markieren die erstmal ihr Revier. Als sich Mark van Bommel also mal wieder anschickte, irgendwem akkurat die Knochen zu brechen und der erboste TSG-Fan "Ey!! Schiri!! Foul!!" schrie, zeigte Uli Hoeneß also gleich mal deutlich an: ich: hier!, und geigte dem Idioten lautstark die Meinung: "Klar Ball gespielt von van Bommel!" Und wie nun, Rudi Völler, soll in solch einem verzwickten Fall verfahren werden? Wer lauter schreit, hat Recht??

4. Wandelnder Ellbogen: Wobei eine Faustregel a la "Foul ist, wenn van Bommel eingreift" ja durchaus Sinn machen würde. Selbst Babak Rafati müsste dann mal pfeifen. Und es ist schon irre: Selbst bei Trainern, die nachweislich Ahnung von Fußball haben, ist der Catcher Kapitän. Einzig mögliche Erklärung: Abseits des Platzes ist der wandelnde Ellbogen ein unfassbar dufter Typ. Vielleicht sollte man ihn daher zuvorderst als Mensch beurteilen und fußballerisch schon mit wenig zufrieden sein - so wie Louis van Gaal: "Mark hat viele Male die Ball gespielt. Das ist gut." Außerdem: Mark van Bommel ist jetzt erstmal verletzt. Was beweist: So sehr Babak Rafati auch wegschaut - das Schicksal tut es offenbar nicht.

5. Vater Courage: Noch größer war der Ärger um das Tor von Josip Simunic. Weil Rensing hinter der Linie stand und von dort gar noch nach hinten griff, um den Ball frech rauszulöffeln. Was Assistent Frank Willenborg jedoch nicht zweifelsfrei als Tor werten mochte - und die Tor-Kamera-Fetischisten auf den Plan rief. Doch das ist Quatsch! Denn selbstverständlich hat Frank Willenborg den Ball drin gesehen. Doch im knallharten Multi-Millionen-Euro-Business Bundesliga entschied er sich - fürs Menschsein! "Rensing, der arme Tropf", dachte sich der Assi, "grad erst den Stammplatz zurück und im Pokal gleich schon wieder schrecklich gepatzt - nein, den Jungen muss ich schützen, da hab ich nix gesehen, den hat er toll gehalten!" Respekt für so viel Courage!

6. MVP: Mit einer anderen Faustregel muss nun leider vorerst gebrochen werden: "Alternative Liste ist, wenn Kevin Kuranyi verarscht wird." Doch das: geht diesmal nicht. Denn Kevin Kuranyi spielte stark. Ehrlich. Blitzsaubere Ballannahmen, raffinierte Pässe, zwei Chancen, zwei Tore, drei Punkte, Platz 1 in der Torjägerliste. Chapeau! Hoffnung macht jedoch ein findiger Blogger: Alles halb so wild, schließlich hat Kuranyi auch in der vergangenen Saison zum Auftakt zwei Buden gemacht, das wird sich also alles wieder einrenken. Wollen wir doch mal schwer hoffen!

7. En Rage aus Prinzip: Wobei der Magath-Faktor nicht zu unterschätzen ist. Denn Magath-Teams eint dieses eine Motto: Erfolg aus Angst vor Misserfolg. Denn Magath ist en Rage. Immer. Aus Prinzip. Neulich bekam das die Mannschaft zu spüren, weil die nur Scheiße im Hirn hat und Altintop den Freistoß schießen ließ, direkt im Anschluss waren die Öffentlich-Rechtlichen dran, weil die das mit der Scheiße im Hirn per Richtmikro eingefangen und in die Welt gesendet hatten - und nun, nach dem Sieg in Nürnberg, war Lewis Holtby dran, weil ja auch er: kurz vor Schluss offenbar nur Scheiße im Hirn hatte. Bei Felix Magath möchte man nicht Spieler sein. Und Halsschlagader auch nicht.

8. Fuchs sein: Um wie viel entspannter ist da doch Markus Babbel. Stress wegen der Trainerausbildung des DFB? Braucht der nicht, hat der nicht, lässt er weg. Als eine dreiwöchige Hospitanz auf dem Lehrplan stand, pilgerte er mitnichten zu Arsene Wenger, Sir Alex oder wenigstens Thomas Schaaf. Markus Babbel, ganz Fuchs, blieb einfach in Stuttgart - und hospitierte bei sich selbst. Frei nach Völler: "Trainerausbildung ist, wenn alles schön easy ist."

9. Traditionsgesänge: Auch schon wieder mächtig auf 180 waren die Fans in Bochum. Wie immer schrien sie ihr gewohntes "Koller raus! Koller raus!" ins Rund, und sie haben ja auch Recht, 0:3 gegen Gladbach zurück zu liegen, zur Pause!, das muss man halt auch erstmal schaffen. Doch dann kam Mimoun Azaouagh und schoss innerhalb von einer Minute zwei Mal dasselbe Tor und ebnete so den Weg für das Remis. Eine Aufholjagd, die versöhnt. Doch wisset, Bochumer Fans: Ein 0:3 hat in der vergangenen Saison selbst der Karlsruher SC schon mal aufgeholt.

10. Markige Ansage: Aber mal was Schönes. Zum Beispiel Grafite. Der machte mit Wolfsburg erst da weiter, wo er vergangene Saison aufgehört hatte, und gab dann sein erstes Interview auf Deutsch. Mit einer klaren Ansage an die Konkurrenz: Auf die Frage, ob er nach dem Titel größeren Druck verspüre, sprach Grafite unmissverständlich: "Ja natürlich, wir spielen vor eh Meister, Meister, eh, Meisterschaft, eh deutscher Meister, wir eh Meister, Meister, eh deutscher Meister, wir brauchen Spiele, egal, deutsche Meister, ich warte diese Jahre, eh Spiele alles spiele so." Beschwere sich also bitte bloß nochmal jemand, außer den Bayern hätte niemand den Mumm, das Wort "Meisterschaft" in den Mund zu nehmen!

11. Teufelskerl: Zum Abschluss: ein Abschied! Und zwar von Christian Lell. Denn der wird bei den Bayern wohl nicht mehr so oft zum Einsatz kommen, zumindest nicht in der Bundesliga, und das heißt, dass es schon wirklich herausragender Taten bei der Reserve bedarf, um es aus der 3. Liga bis auf die schillernde Bühne der AL zu schaffen. So wie an diesem Wochenende! Denn schon in der 38. Minute flog Lell nach feiner Notbremse mit Rot vom Platz, den gebotenen Freiraum nutzte Salvatore Amirante in der Folge zu vier Toren, so dass unter dem Strich ein 0:6 der Bayern stand. In Jena. Dieser Lell ist doch wirklich ein Teufelskerl!

Der 1. Spieltag im Überblick

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