Warnung vor Transferwahnsinn

SID
Dienstag, 02.06.2009 | 12:01 Uhr
Die Karrieren von Ottmar Hitzfeld und Franz Beckenbauer sind eng mit dem FC Bayern verknüpft
© Getty
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Der Kaiser und der General warnen unabhängig voneinander vor der Schnelllebigkeit des heutigen Fußballs, den Ausuferungen des Wettgeschäfts und hohen Transfersummen.

Franz Beckenbauer und Ottmar Hitzfeld haben vor überzogenen Transfersummen und der immer weiter zunehmenden Schnelllebigkeit des Fußball-Geschäfts eindringlich gewarnt. "Es gibt Dinge, auf die man aufpassen und die man im Auge behalten muss. Das Wettunwesen zum Beispiel oder die Ausuferungen bei den Transfers", sagte Beckenbauer in einem Interview mit "dfb.de".

Der Kaiser meinte weiter, Fußball sei "eine Geldmaschine" geworden, die Macht der Spieler und ihrer Berater sei sehr groß geworden. "Die globale Wirtschaftskrise ist im Moment noch nicht groß spürbar im Profifußball, möglicherweise aber wird sie uns irgendwann alle treffen. Vielleicht gibt es dann ein Aufwachen, und eine gewisse Bescheidenheit wird wieder Einzug halten, sodass nicht mehr so ins Uferlose gehandelt wird", sagte Beckenbauer.

Bosman ist schuld

Der deutsche Rekordmeister Bayern München hatte jüngst in Mario Gomez vom VfB Stuttgart für mehr als 30 Millionen Euro den teuersten Transfer der Bundesliga-Geschichte perfekt gemacht. Angesichts des drohenden Abgangs von Franck Ribery sagte Bayern-Präsident Beckenbauer mit Blick auf die häufigen Vertragsbrüche im Fußball: "Das Vertragsgebaren hat sich stark verändert seit Bosman. Manchmal frage ich mich, warum überhaupt noch Verträge abgeschlossen werden. Es ist alles sehr einseitig zu Gunsten der Spieler, und du bist als Klub erpressbar geworden."

Auch Ottmar Hitzfeld verfolgt die häufigen Vereinswechsel von Spielern und Trainern mit Befremden. "Das Rad dreht sich immer schneller. Jeder einzelne Vorgang muss differenziert gesehen werden, aber zu viele Aktionen scheinen mir von großer Panik dominiert. Dabei zahlen sich überschnelle Handlungsweisen selten aus", sagte der Schweizer Nationalcoach und Ex-Bayern-Trainer der Tageszeitung "Die Welt".

Von Magath irritiert

Irritiert ist Hitzfeld auch von Felix Magath, der den VfL Wolfsburg zur deutschen Meisterschaft führte und künftig bei Schalke 04 das Regiment übernimmt. "Als Trainer habe ich auch eine Vorbildfunktion. Ich bin gespannt, was Felix Magath auf Schalke einem Spieler antworten wird, der sagt: 'Ich habe einen Vertrag, will aber trotzdem weg'. Denn so zu verfahren, ist ja jetzt legitim", sagte Hitzfeld.

Magath hätte mit Wolfsburg in der kommenden Saison Champions League spielen können. Er frage sich, sagte Hitzfeld, warum Magath diesen "sicheren Hafen verlässt" und bei einem "sehr exponierten Verein angeheuert, bei dem man ähnlich wenig Zeit bekommt wie beim FC Bayern."

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