Nürnberg und Oenning - das passt

SID
Montag, 01.06.2009 | 13:55 Uhr
So feierten die Nürnberger Spieler den siebten Aufstieg in die Bundesliga
© Getty
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Der Vater des siebten Bundesliga-Aufstiegs des Clubs ist Trainer Michael Oenning. Stürmer Christian Eigler lobte den Fußballlehrer: "Was er da geschaffen hat, ist etwas ganz Großes."

Eine große Feier hatte der 1. FC Nürnberg diesmal tatsächlich nicht geplant. Aber natürlich war die ein oder andere Vorbereitung dann doch getroffen worden.

Als um 17.22 Uhr am Sonntagnachmittag 379 bewegte Tage Zweitklassigkeit für den schon so oft blamierten Club zu Ende gingen, als Zehntausende den Rasen des Frankenstadions erst stürmten und ihn dann in Souvenirstücke rissen, warfen die Spieler vom Oberrang der Haupttribüne T-Shirts in die glückselige Menge auf denen stand: "Wir waren nur mal kurz weg."

Nur ein Jahr Zweite Liga

Abgestiegen als Pokalsieger, aufgestiegen über die Relegation - der Betriebsunfall konnte schnell korrigiert werden.Der Rekord-Absteiger und nunmehr auch Rekord-Aufsteiger (je sieben Mal) ist nach einer zwischenzeitlichen Depression im Herbst des vergangenen Jahres im Hurra-Stil zurückgekehrt.

Die Relegation, die erste seit 18 Jahren, meisterten die Franken mit Bravour. Dem eindrucksvollen 3:0 im Hinspiel bei Energie Cottbus folgte ein 2:0 (2:0) im heimischen Frankenstadion. "Wenn man sieht, wie wir gegen Cottbus gespielt haben, dann ist es sicher kein Zufall, dass wir aufgestiegen sind", sagte Sportdirektor Martin Bader, gab aber zu, den Aufstieg wohl erst dann zu realisieren, "wenn der neue Spielplan rauskommt und da dann Bayern oder Schalke steht".

Interimslösung Oenning wird zum Glücksfall

Dass es am Ende doch so weit gekommen ist, hat der Club wohl in erster Linie dem Glücksfall Michael Oenning zu verdanken. Der 43 Jahre alte Trainer, erst nur Interimslösung, dann scheinbar nur die Verlegenheitslösung, wurde nach dem geglückten Aufstieg von allen Seiten erst mit diversen Flüssigkeiten und dann mit Lob übergossen.

Sogar vom ewig skeptischen Präsidenten: "Alle Achtung vor unserem Trainer, er hat eine tolle Mischung hergezaubert", sagte Michael A. Roth, der noch im vergangenen Herbst derart enttäuscht gewesen war, dass er Oenning samt Sportdirektor Bader am liebsten gefeuert hätte - was Präsidium und Aufsichtsrat gerade noch verhindern konnten.

"Was er da geschaffen hat, ist etwas ganz Großes", sagte Angreifer Christian Eigler, im Relegations-Rückspiel Schütze des 1:0 (29.) und damit neben Marek Mintal (37.) Exorzist sämtlicher Restzweifel, über Oenning.

"Oenning hat den Karren aus dem Dreck gezogen"

Von Daniel Gygax wurde der stets sehr besonnene, eloquente und unaufdringliche Trainer als "gute Mischung aus Autorität und Kumpel" gewürdigt.

"Michael gebührt der größte Respekt. Er hat es geschafft, ein Team zu formen, und auch in der Mannschaft haben die Spieler puren Respekt vor ihm", sagte Bader, der sein Schicksal nach dem Fehlgriff Thomas von Hessen eng mit dessen Assistenten verbunden hatte.

"Oenning hat den Karren aus dem Dreck gezogen. Und er hat jungen Spielern das Vertrauen gegeben. Das ist eine doppelt tolle Leistung", sagte Torjäger Eigler.

Fehlgriff von Heesen

Nach dem Bundesliga-Abstieg war am zweiten Spieltag in der zweiten Liga zunächst der Fehlgriff von Heesen entlassen worden. Nachfolger Oenning gelang erst im sechsten Spiel sein erster Sieg - doch von da an gings bergauf.

"Wir mussten in der Hinrunde erst mal einen Zugang zu unserem Spiel finden. Und erst in der Rückrunde konnten wir dann eine Philosophie festlegen", sagte Oenning doch etwas verschwurbelt.

Starke Rückrunde des Clubs

Nach der Winterpause stürmte der Club von Rang acht nach oben. "Eines kann ich euch versprechen", rief Oenning am Sonntag der unter ihm wogenden Menschenmasse entgegen: "Dass diese Mannschaft euch in der nächsten Saison noch viel Freude machen wird."

Oenning und Bader wollen versuchen, sich treu zu bleiben, und das bedeutet: Wir vertrauen der Mannschaft, die wir gerade haben. "Wir haben uns im Winter zu diesem Schritt entschieden, vom dem ich überzeugt bin. Und wir werden ihn nicht künstlich unterbrechen, sondern uns nur punktuell verstärken", versicherte der Trainer.

Broich der erste Neue?

Thomas Broich vom 1. FC Köln wird wohl kommen, ansonsten aber sollen Transfers auf ein Minimum beschränkt werden. Der Club ist schuldenfrei, so viel Geld aber hat er nun auch wieder nicht, Präsident Roth betonte sogar: "Wenn wir den Aufstieg nicht geschafft hätten, wären wir wirtschaftlich down."

Den Etat wird der 1. FC Nürnberg nun von 24 auf 30 Millionen Euro erhöhen, erst mal muss er wegen des Aufstiegs noch insgesamt 1,5 Millionen Euro an die vorherigen Vereine von Raphael Schäfer (VfB Stuttgart), Eigler (Arminia Bielefeld) und Isaac Boakye (Mainz 05) nachzahlen. Junge Leute wie Stefan Reinartz und Marcel Risse, beide bis 2010 von Bayer Leverkusen ausgeliehen, sollen fest gebunden werden.

Der 1. FC Nürnberg im Überblick

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