Bayern siegt und bleibt bescheiden

Psychoterror war gestern

Von Thomas Gaber
Samstag, 09.05.2009 | 22:40 Uhr
Das Bayern-Wappen wieder im Herzen: Martin Demichelis bejubelt sein 2:1
© Getty
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Nach einem souveränen Sieg bei Energie Cottbus hat der FC Bayern München wieder beste Chancen auf den Meistertitel. Kampfansagen gibt es keine, die Bosse machen lieber auf Understatement. Gas gegeben wird nur auf dem Platz. Trainer Heynckes hat die Mannschaft auf Kurs gebracht - mit denkbar einfachen Methoden.

Den Torjubel hat Jupp Heynckes schon intus. Raus aus dem Stuhl, zwei Schritte nach vorne, beide Fäuste waagrecht von sich gestreckt, ein Blick nach rechts zu Hermann Gerland und das "Give me Five" mit dem Co. So beobachtet beim Sieg gegen Mönchengladbach und so beobachtet beim 3:1 (1:1) in Cottbus.

Trainer und Mannschaft authentisch

Heynckes hat Wiedererkennungswert. Seinem Vorgänger Jürgen Klinsmann wurde fehlende Authentizität oft zum Vorwurf gemacht. Auch nach dem zweiten Sieg im zweiten Spiel unter seiner Regie und der durch die Wolfsburger Niederlage in Stuttgart deutlich verbesserten Meisterschaftschancen rückt Heynckes nicht von seiner Zielsetzung ab.

"Durch den Erfolg ist unser Ziel, die direkte Champions-League-Qualifikation, wieder im Bereich des Möglichen", sagte der Trainer, der am Samstag 64 Jahre alt wurde.

Seitdem Heynckes der Chef ist, hat auch die Mannschaft einen gewissen Wiedererkennungswert. Das Offensivspiel ist nicht mehr so hektisch, der mitunter hirnlose Vollgasfußball von der ersten Sekunde an aus der Ära Klinsmann gehört der Vergangenheit an. Zwar haben die Bayern ihre Konteranfälligkeit noch nicht beseitigt, die Defensive ist aber stabiler geworden.

Bayern-Manager Uli Hoeneß wehrt sich hartnäckig gegen einen Vergleich Heynckes-Klinsmann, "denn das würde Jürgen bloß wieder negativ ausgelegt werden. Wir haben vereinbart, dass wir das nicht tun."

Bayern-Stars lernen das Ein-mal-Eins

Dass die Bayern aber mit vernünftigem Fußball auch die stets geforderten Ergebnisse einfahren, hat durchaus mit Heynckes zu tun. "Der Trainer spricht im Training klar an, wenn ihm etwas nicht passt. Er zeigt uns, wie wir uns in entsprechenden Situationen zu verhalten haben", sagte Kapitän Mark van Bommel.

Unter Heynckes lernen die Bayern das Fußballspielen von der Pieke auf. Der Coach lässt unsauber gespielte Pässe bis zum Erbrechen wiederholen. Passen, annehmen, weiterspielen. Immer lautstark begleitet von Heynckes' Anweisungen. Bastian Schweinsteiger musste im Training einmal zehn Flankenbälle schlagen, die durch einen bestimmten Korridor fliegen mussten. Das Ein-mal-Eins des Fußballs.

Mit Standards zum Erfolg

Am Freitag hatte Heynckes die Wichtigkeit von Standardsituationen betont und gefordert, man müsse Kapital daraus schlagen. Er beförderte Lukas Podolski zum Eckenschützen. Der brachte die Bälle von rechts einige Male gefährlich nach innen, Martin Demichelis köpfte die Bayern nach einer Poldi-Ecke 2:1 in Führung und brach somit Cottbus' Widerstand.

"Das Spiel war gegenüber dem Gladbach-Spiel eine Steigerung. Wir haben sehr ruhig gespielt, den Ball laufen lassen und zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht", sagte Heynckes, der allerdings die Chancenverwertung bemängelte. "Da kommen wir auch noch hin, dass wir diese Spiele 5:1 oder 6:1 gewinnen."

Hätten die Bayern dies in Cottbus schon getan, wären sie Tabellenführer. So fehlen noch zwei Tore auf Wolfsburg. Die Meisterschaft ist aber wieder ein realistisches Thema für die Bayern. Die Bosse ließen sich aber zu keiner Kampfansage hinreißen.

Hoeneß macht auf Understatement

"Wir tun gut daran, jetzt nicht zu euphorisch zu sein. Wir können zwar deutscher Meister werden, aber auch noch auf Platz vier abrutschen. Es wird das wohl spannendste Meisterschaftsfinale in der Bundesligageschichte", sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge.

Nicht einmal Uli Hoeneß öffnete die Abteilung Attacke. Der Manager ließ in der Vergangenheit kaum eine Möglichkeit aus, Gegnern, die seinen Bayern auf Augenhöhe begegneten, eine mitzugeben. Hoeneß beherrscht das Psychospiel, macht in diesen Tagen aber lieber auf Understatement. 

"Es ist ein Vierkampf, und das wird bis zum Schluss so bleiben. Alle nennen immer Wolfsburg, aber da kommen von hinten ganz gefährliche Gegner. Vor allem die Stuttgarter. Die haben einen Lauf", sagte Hoeneß. So richtig authentisch klingt das nicht.

Energie Cottbus - Bayern München: Daten und Fakten

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