Fussball

Ganz wie es beliebt?

Drei Führungsformen: Thomas Tuchel, Diego Simeone und Carlo Ancelotti

Die winterlichen Trainingslager sind gerne ein Anlass zum Teambuilding. Doch wie wird die Beziehung zwischen Trainer und Mannschaft eigentlich gestaltet? Aktuelle Beispiele zeigen enorme Unterschiede.

Eine bis zwei Wochen verbringen die Klubs der Bundesliga im Winter meist in südlichen Ländern. Ein Trainingslager bietet sehr gute Voraussetzungen für Arbeit in beinahe jedem Bereich. Ob fokussiert oder nicht, letztlich wird auch immer am Teamgeist und am Zusammenhalt der Mannschaft gefeilt.

Die Trainingslager bieten aber auch einen guten Blick darauf, wie die Trainer mit ihren Spielern umgehen. Niko Kovac sah man mit einem seiner Spieler ringen, Thomas Tuchel gab ungewohnte Einblicke in sein Privatleben und Carlo Ancelotti schwitzte etwas distanziert in seine rote Jacke.

Führungsstile werden in Deutschland gerne debattiert. Da ist der überkorrekte Pep Guardiola und der viel zu nachlässige Carlo Ancelotti. Der Kumpeltyp Torsten Frings oder der fanatische Diego Simeone. Und nicht nur bei Trainern, auch bei Spielern zeigen sich deutliche Unterschiede, man denke nur an die Debatte um Michael Ballack oder Philipp Lahm zurück.

Vier Faktoren für das Endergebnis

Nun hat Ancelotti aber schon genauso die Champions League gewonnen wie Guardiola. Der emotionale Antonio Conte führt die Premier League an, der eher ruhige Arsene Wenger gewann diese schon Jahre zuvor. Ein Erfolgsrezept scheint es nicht zu geben. Wie entwickelt sich also ein Führungsstil?

Hier kommt man an der Betrachtung verschiedener Faktoren nicht vorbei. Der Trainer ist ein Faktor, genauso wie die Mannschaft. Selbst dann kann noch kein Patent entwickelt werden. Von Situation zu Situation wird der Trainers anders gefordert sein, besonders in einem wechselhaften Geschäft wie dem Fußball.

Letztlich spielt auch die Umwelt eine große Rolle. Was sind die Ziele des Vereins, was gibt dieser seinem Trainer vor? Ein mit stetigem Erfolg gesegneter Klub wird andere Führungsformen erfordern als ein Klub, der tagein tagaus mit negativen Meldungen durch die Medien geistert.

Der Faktor Trainer

Beginnen wir mit dem Faktor Trainer. Dieser zeichnet sich in immer durch seine individuellen Eigenschaften aus. Schon hier wird oft auf den tatsächlichen Führungsstil geschlossen, tatsächlich ist es bis dahin aber noch ein weiter Weg. Die Persönlichkeit des Trainers muss noch lange nicht über sein Auftreten in Training und Wettbewerb entscheiden.

Jürgen Klopp etwa ist ein Mann mit großem Humor und unglaublich positiver Energie. Dennoch fährt er aus der Haut, wenn die Einstellung seiner Spieler nicht stimmt oder ihm der Unparteiische sauer aufstößt. Würde man das von dem Mann erwarten, der in der Pressekonferenz ein breites Lächeln aufsetzt?

Nicht unbedingt. Authentizität ist das Stichwort, das im Zusammenhang mit dem Trainer des FC Liverpool gerne fällt. Die Spieler nehmen ihrem Trainer ein gestelltes Bild nicht ab. Neben den Eigenschaften ist jedoch auch das Verhalten entscheidend. Der Trainer geht voran und gibt mit seiner Art und Weise das Vorbild für seine Spieler.

Eigenschaften und Verhalten

Diego Simeone oder Antonio Conte könnten Atletico Madrid nicht derart emotionalisieren, ohne in sich selbst ein derartiges Feuer brennen zu haben. Doch dieses Feuer muss auch nach Außen dringen, beide müssen es in jeder Einheit, in jedem Gespräch, in jedem Spiel aufs Neue gewinnbringend vorleben.

Dieses Verhalten der Trainer kann sich über die Jahre hinweg verändern. Gemachte Erfahrungen, emotionale Bindungen oder spezielle Drucksituationen wirken auf den Coach ein und bestimmen somit sein Verhalten. Dieses wiederum wirkt auf die Mannschaft.

Man denke zurück an Bruno Labbadia und das Relegationsduell mit dem Hamburger SV gegen den Karlsruher SC. Der Trainer brannte 180 Minuten und fiel im Anschluss völlig aus seiner Führungsrolle. Angespanntheit und Leistungsdruck hatten aus ihm einen neuen Menschen gemacht.

Der Faktor Mannschaft

Der Trainer wirkt enorm auf die Mannschaft ein, das gilt jedoch auch für die andere Richtung. Autoritär oder Kooperativ, so die beiden bekanntesten Führungstheorien, hängt auch davon ab, wie das Team strukturiert ist. Muss Alex Nouri in Bremen oder Julian Nagelsmann in Hoffenheim autoritär auftreten und seinen Spielern Entscheidungen nur mitteilen?

Nouri verfügt über Routiniers wie Clemens Fritz oder Claudio Pizarro, Julian Nagelsmann befindet sich in seinem ersten Jahr als Herrentrainer. Beide werden den kooperativen Stil wählen, ihre Spieler miteinbeziehen und damit von der enormen Erfahrung und den Fähigkeiten ihres Kaders profitieren.

Auf der anderen Seiten kann eine fehlende oder unpassende Einstellung in der Mannschaft einen autoritären Trainer erfordern. Markus Gisdol trennte sich in Hamburg jüngst vom erfahrenen Emir Spahic, um einen Unruheherd auszuschließen. Dieses Prinzip lässt sich bis auf einzelne Spieler herunterbrechen.

Anpassung selbst bei Magath

Ein junger Spieler braucht vielleicht eher eine Vertrauensperson als ein bockiger Profi. Guardiola zeigte hier in den Fällen Pierre-Emile Höjbjerg und Yaya Toure zwei völlig verschiedene Seite seiner Person. Den einen nahm er in schwierigen Zeiten in den Arm, den anderen verbannte er nach einem Streit aus der Mannschaft.

Müssen wir alle gleich behandeln oder jeden unterschiedlich, um letztlich alle gleich zu behandeln? Die klare Unterteilung in autoritär und kooperativ ist also kaum möglich, sondern enorm vom Angeführten abhängig. Die Debatte um das Aussterben des harten Hunds als Trainer ist somit auch irgendwo fehl am Platz - selbst Felix Magath konnte sich auf junge Spieler einlassen.

Gleichwohl gilt das für die Debatte rund um Ancelotti. Der Italiener weiß sicherlich, was er von seinem Kader erwarten kann und lässt dementsprechend hier und da die Zügel etwas lockerer. Wird er ihnen alles durchgehen lassen? Mit Sicherheit nicht, auch beim neuen Trainer der Bayern zählt das Leistungsprinzip.

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