Trotz Kritik: Zwanziger denkt nicht an Rücktritt

SID
Mittwoch, 09.11.2011 | 13:39 Uhr
DFB-Präsident Theo Zwanziger steht momentan in der Kritik, denkt aber nicht an Rücktritt
© Getty
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Die Kritik an DFB-Präsident Theo Zwanziger wächst von Tag zu Tag. Das schwache Krisenmanagement im neuen Schiedsrichter-Skandal wird zum Anlass genommen, um generell mit der Präsidentschaft Zwanzigers abzurechnen. An Rücktritt denkt der DFB-Boss dennoch nicht.

Die Kritik nimmt zu, der Druck wächst, und die Rivalen reiben sich die Hände: Das Chaos rund um den neuen Schiedsrichter-Skandal beim DFB bedroht mittlerweile sogar die Präsidentschaft von Theo Zwanziger.

Doch trotz der heftigen Kritik an seinem Krisenmanagement und seinen Entscheidungen will der DFB-Boss nichts von einem Rücktritt wissen.

"Wir hatten in den vergangenen Jahren schon schwierige Situationen zu meistern, da bringt mich die aktuelle Lage auch nicht aus der Ruhe. Wir werden auch das meistern", sagte Zwanziger der "Sport Bild".

Fall DFB - Amerell

Zuletzt hatten die vom früheren Schiedsrichter-Obmann Manfred Amerell ins Rollen gebrachte Steueraffäre um die Unparteiischen, die immer neuen Wendungen im nicht enden wollenden Streit zwischen dem DFB und Amerell sowie der interne Machtkampf beim Verband zwischen Zwanziger und Vizepräsident Rainer Koch harsche Kritk an der DFB-Spitze um Zwanziger hervorgerufen.

Der DFB-Boss wurde in der Öffentlichkeit bereits als Problem-Präsident bezeichnet, der in seinem Verband nur Abnicker und Ja-Sager um sich versammelt habe.

Zudem werden die angeblich zahlreichen Fehler, die sich Zwanziger in seiner Präsidentschaft erlaubt hat, aufgelistet. Über diese Schlagzeilen dürfte sich vor allem Amerell, der sich ganz offensichtlich auf einem Rachefeldzeug gegen das von ihm immer wieder angeprangerte "System Zwanziger" befindet, freuen.

Zwanziger hat kein Verständnis für Kritik

Verständnis für die Kritik, vor allem für die aus den eigenen Reihen, kann Zwanziger allerdings nicht aufbringen. "Ich würde mir wünschen, dass diejenigen, die sagen, ich würde zu viel alleine machen, mir Arbeit abnehmen würden", sagte der 66-Jährige.

Die Diskussion über die Steueraffäre hält Zwanziger ohnehin für überzogen: "Wir haben es hier mit Unzulänglichkeiten einiger Personen zu tun. Und diese sorgen - gepaart mit einer gewissen Hektik in der Öffentlichkeit - eben für ein wenig Durcheinander. Dass es zu solchen Situationen kommt, daran kann ich generell nichts ändern. Ich muss und kann damit leben."

Vizepräsident Rauball fordert Verständigung

Leben muss Zwanziger auch mit der Forderung seines Vizepräsidenten Reinhard Rauball. Der Präsident des Ligaverbands hat endgültig genug von den andauernden Streitigkeiten und verlangt von den Beteiligten eine Verständigung.

"Jeder, für den die Liebe zum Fußball im Vordergrund steht, ist aufgefordert, unter Hintanstellung eigener Befindlichkeiten auf andere zuzugehen. Es müssen gemeinsame, konzeptionell abgestimmte Schritte unternommen werden", sagte Rauball der "Süddeutschen Zeitung".

Wie diese Schritte aussehen können, ist aber nach wie vor völlig unklar. Zu verhärtet scheinen die Fronten - vor allem zwischen Amerell und Zwanziger.

Der DFB-Präsident steht im Umgang mit Amerell vor schweren Entscheidungen: Auf der einen Seite kann sich der DFB nicht ständig von seinem früheren Mitarbeiter vorführen lassen - wie in den vergangenen Tagen geschehen. Auf der anderen Seite muss eine Verständigung gefunden werden, um den Verband vor noch größerem Schaden zu bewahren.

Steueraffäre hinterlässt großen Schaden

Schließlich ist sich Rauball sicher, dass allein die Steueraffäre dem Fußball in Deutschland bereits großen Schaden zugefügt hat. "Das oberste Gut des Fußballs ist die Integrität des Wettbewerbs. Alles, was diese Integrität in Frage stellt - und öffentlich wird da gerade sehr viel in Frage gestellt - schadet dem Fußball", sagte der Präsident des deutschen Meisters Borussia Dortmund.

Der Jurist warnte aber gleichzeitig vor einer Vorverurteilung der Referees. "Erst wenn klare Sachverhalte auf dem Tisch liegen oder Strafsanktionen erfolgt sind, kann man die Schlüsse ziehen", sagte Rauball, der die Ermittlungen der Behörden gegen die angeblich 70 Verdächtigen abwarten will.

Rauball möchte auch nicht darüber spekulieren, ob sich ein Zusammenhang zwischen der Affäre um Überweisungen auf Auslands-Konten und den jüngsten Schiedsrichter-Fehlern in der Bundesliga herstellen lässt.

"Ich habe an den letzten zwei Spieltagen viele diskussionswürdige Schiedsrichter-Entscheidungen gesehen", sagte der 64-Jährige: "Aber wird gerade auch gegen diese Schiedsrichter ermittelt? Ich weiß es nicht, und ich denke, es verbietet sich, hier einen Generalverdacht zu erheben."

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