EU entscheidet sich gegen Pay-TV-Anbieter

WM und EM müssen im Free-TV zu sehen sein

SID
Donnerstag, 17.02.2011 | 16:30 Uhr
Die EU hat entschieden: WM und EM müssen ins Free-TV
© sid
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Das zweithöchste Gericht der EU in Luxemburg hat entschieden, dass die Fernsehrechte der Welt- und Europameisterschaften nicht exklusiv an Pay-TV-Anbieter verkauft werden dürfen.

Niederlage für die Fußball-Verbände FIFA und UEFA - die Fans sitzen bei Welt- und Europameisterschaften weiter in der ersten Reihe: WM- und EM-Spiele müssen in Europa auch in Zukunft im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sein.

Das entschied das zweithöchste EU-Gericht in Luxemburg am Donnerstag und rügte damit die Pläne des Weltverbandes und der Europäischen Fußball-Union, die mit dem exklusiven Verkauf der Fernsehrechte an einen Pay-TV-Anbieter mehr Geld an den großen Turnieren verdienen wollten.

"Ereignis erheblicher Bedeutung"

Das Gericht bezeichnete die Turniere als "Kronjuwelen", die im Sinne der EU-Bürger nicht "angefasst" werden dürften.

"Das ist eine gute Nachricht für Menschen, die wichtige Sportveranstaltungen sehen wollen, ohne dafür zu bezahlen", sagte Jonathan Todd, der Sprecher der verantwortlichen EU-Kommissarin Neelie Kroes.

FIFA und UEFA hatten gegen Großbritannien und Belgien geklagt, die für ihre Bevölkerung alle WM-Spiele als "Ereignis von erheblicher Bedeutung" bewertet hatten.

Nach Angaben des EU-Gerichts könne ein EU-Staat aber unter bestimmten Bedingungen die Exklusivübertragung von WM- und EM-Spielen verbieten, damit diese für die Bürger in Europa frei zugänglich seien. Die Richter bestätigten damit die nationalen Schutzlisten, die es auch in Deutschland gibt.

Auch Olympia, Wimbledon und FA-Cup zählen zu den "Kronjuwelen"

Neben Welt- und Europameisterschaften zählen auch die Olympische Spiele, das Tennis-Turnier in Wimbledon oder der FA-Cup zu den sogenannten "Kronjuwelen."

Die Anwälte der FIFA und UEFA hatten argumentiert, dass nicht alle Spiele der großen Turniere als "Ereignis von erheblicher Bedeutung" betrachtet werden könnten.

Zudem erklärte der Weltverband, dass durch die Übertragungen der Spiele im Free-TV dem Fußball Millionen verloren gehen, die zur Qualität des Sports beitragen könnten.

Dem widersprach das Gericht. Die Richter argumentierten, dass die Übertragungen im frei empfangbaren Fernsehen viel mehr dazu beitragen würden, dass das Interesse der Fans am Fußball wächst. Ob FIFA und UEFA gegen die Entscheidung in Erster Instanz in Berufung gehen wollen, war am Donnerstag noch unklar. Prozessbeobachter rechnen allerdings fest damit, dass der Richterspruch von den Verbänden angefochten wird.

FIFA erhoffte sich Steigerung der Einnahmen

Denn insbesondere der Weltverband hatte sich mit dem Verkauf von WM-Spielen an einen Pay-TV-Partner in Europa eine deutliche Steigerung der Einnahmen erhofft. Bei der WM 2010 in Südafrika kassierte die FIFA als Inhaber aller Rechte 1,6 Milliarden Euro an TV-Geldern.

Die Kosten für die WM beliefen sich auf auf 1,2 Milliarden Euro, wovon die FIFA allerdings nur rund 800 Millionen Euro trägt. Alleine an den TV-Rechten - die Marketing-Einnahmen nicht eingerechnet - verdiente die FIFA 2010 also rund 800 Millionen Euro. Durch den Verkauf an einen Pay-TV-Partner hatte sich die FIFA sogar eine Verdoppelung ihrer Einnahmen erhofft.

Dagegen bemängeln Kritiker eine zunehmende Kommerzialisierung des Fußballs und den wachsenden Einfluss des Geldes auf den Sport. Selbst UEFA-Boss

EU hat entschieden: WM und EM müssen ins Free-TV

ist der "Gewinn-Wahn" der FIFA zu viel.

"Im Sport hat Geld immer eine Rolle gespielt, aber der Zweck war es immer, Trophäen zu gewinnen und nicht, Geld zu verdienen", sagte Platini.

Der komplette Spielplan der Champions-League

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