Freitag, 28.05.2010

EM 2016

Frankreich baut auf deutsche Hilfe

Mit deutscher Unterstützung hofft der französische Fußballverband auf den Zuschlag für die Austragung der EM 2016. Mitbewerber sind bei der Vergabe in Genf Italien und die Türkei.

In Genf fällt die Entscheidung, wo der EM-Pokal 2016 vergeben wird
© sid
In Genf fällt die Entscheidung, wo der EM-Pokal 2016 vergeben wird

Beim Kampf um die EM-Gastgeberrolle 2016 gilt die deutsche Rückendeckung für Favorit Frankreich als sicher. Am heutigen Freitag um 13.00 Uhr wird UEFA-Präsident Michel Platini im Espace Hippomene von Genf verkünden, ob sein Heimatland, die Türkei oder Italien die Europameisterschaft in sechs Jahren austragen darf.

Weil Frankreich im August 2007 seine Kandidatur als Mitkonkurrent Deutschlands im Ringen um die Frauenfußball-WM 2011 zurückgezogen hatte, wurde damals im Gegenzug eine deutsche Unterstützung der französischen EM-Bewerbung für 2016 vereinbart.

Platini hofft auf Frankreich

Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), gehört zu jenen 13 Mitgliedern im Exekutiv-Komitee der Europäischen Fußball-Union (UEFA), die nach jeweils 30-minütigen Präsentationen der drei Kandidaten (zunächst die Türkei, dann Italien, dann Frankreich) am Freitagvormittag abstimmen dürfen.

Platini, UEFA-Vize-Präsident Senes Erzik (Türkei) und Exekutivkomitee-Mitglied Giancarlo Abete (Italien) haben als persönlich Involvierte kein Stimmrecht.

So wundert es nicht, dass Frankreichs einstiger Weltklasse-Spielmacher Platini aus seinem Herzen keine Mördergrube macht: "Ich bin Franzose. Ich würde mich schämen, wenn Frankreich nicht der Favorit meines Herzens wäre."

In zwei Abstimmungsrunden wird der EM-Gastgeber gekürt. Sollte die Grande Nation, die 1,73 Milliarden Euro in die zwölf Stadien investieren will, den Zuschlag erhalten, wäre es nach 1960 und 1984 die dritte EURO-Endrunde, die in Frankreich stattfinden würde.

Türkei wohl schärfster Widersacher

Als schärfster Widersacher gilt die Türkei, die 1,057 Milliarden Euro in neun EM-Arenen investieren möchte. "Es wäre die erste EM-Endrunde in Eurasien und die erste EURO in einem Land, in dem mehr Muslime als Christen leben", sagte der türkische EM-Bewerbungs-Chef Orhan Gorbon.

Das Land des viermaligen Weltmeisters Italien will 744 Millionen Euro in die Finanzierung der zwölf Arenen stecken. "Unsere Chancen sind eher gering", äußerte der italienische Liga-Chef Maurizio Beretta skeptisch.

Richtungweisende Entscheidung

Das Exekutivkomitee der UEFA, die "Regierung" des europäischen Fußballs, steht vor einer richtungweisenden Entscheidung. Die Vergabe der EM 2012 an Polen und die Ukraine hat der UEFA im Nachhinein große Kopfschmerzen bereitet, weil vor allem die ehemalige Sowjetrepublik Ukraine dem Anforderungskatalog nur überaus mühsam und zeitlich stark verzögert nachgekommen ist.

Mit Frankreich würde die UEFA auf jeden Fall auf Nummer sicher gehen, ein Votum für die ambitionierte türkische Bewerbung wäre risikoreicher. Italien, das schon bei der letzten EM-Vergabe gescheitert war, gilt als Außenseiter. Schon im Vorfeld der Entscheidung gab es harsche Kritik an der italienischen Kandidatur. So seien die angedachten Ticketpreise zu hoch, zudem wurden die Stadionprojekte und Transportpläne mit Zweifeln bedacht.

EM erstmals mit 24 Teams

Schließlich bricht für EM-Endrunden im Jahr 2016 eine neue Ära an. Erstmals sind 24 Mannschaften statt wie bislang 16 Teams startberechtigt. Von einer sportlichen Verwässerung des Wettbewerbs will Platini indes nichts wissen. "Der Unterschied zwischen der Nummer 16 und 24 in Europa ist nicht so groß, dass der sportliche Wert einer EM darunter leiden würde", sagte der UEFA-Boss.

Klar ist allerdings auch, dass die Anzahl der Länder, die künftig eine EM-Endrunde stemmen können, rapide abnimmt. Ober aber, die UEFA entscheidet sich künftig verstärkt für Doppelbewerberländer.

Noch 1994 in den USA umfasste die Weltmeisterschafts-Endrunde ebenfalls 24 Mannschaften - in sechs Jahren zieht Europa nach. Die Entwicklung des Starterfelds bei EM-Endrunden: vier Mannschaften von 1960 bis 1976, acht Teams von 1980 bis 1992, 16 Teilnehmer von 1996 bis 2012, 24 Starter ab 2016.


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