Haitis Fußballpräsident im Interview

Yves Jean-Bart: "Fußball ist das Ein und Alles"

Von Interview: Jochen Tittmar
Samstag, 06.03.2010 | 12:02 Uhr
Yves Jean-Bart ist seit 2000 Präsident des Fußballverbandes von Haiti
© SPOX
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Yves Jean-Bart ist der Präsident des haitianischen Fußballverbandes FHF. Auch er ist vom schlimmen Erdbeben gezeichnet. Seine rechte Hand ist großflächig verbunden, er hat sich mehrere Finger gebrochen und musste kürzlich am Ellbogen operiert werden. Im Interview mit SPOX spricht Jean-Bart über die Bedeutung des Fußballs in Haiti, die Folgen des Erdbebens und das Benefizspiel gegen die ran-Allstars (So., ab 16.45 live bei SAT.1 und ran.de).

SPOX: Sie sind seit Dienstag in Deutschland. Wie fällt Ihr Fazit bisher aus?

Yves Jean-Bart: Uns gefällt es hier sehr gut. An die Kälte müssen wir uns aber erst noch gewöhnen. Für sehr viele Spieler ist es das erste Mal, dass sie Schnee sehen. Uns wurde gesagt, dass es vor ein paar Wochen hier noch viel schlimmer war. Das können wir fast nicht glauben.

SPOX: Das Benefizspiel am Sonntag gegen die ran-Allstars wird auch in Haiti übertragen...

Jean-Bart: (unterbricht) ...das ist eigentlich ein Wunder. Alle TV-Stationen wurden vom Erdbeben zerstört. Mittlerweile laufen wieder alle TV-Programme in Haiti. Das Spiel wird um 11 Uhr Ortszeit angepfiffen, so dass viele Leute das Spiel sehen können.

SPOX: Wie wichtig ist denn der Fußball in Ihrem Land?

Jean-Bart: Fußball ist das Ein und Alles für die Haitianer. Ganz egal, ob arm oder reich. Der einzige Grund, in Haiti auf etwas stolz zu sein, ist der Fußball. Wir sind bei allen möglichen Statistiken, ob sportlich, gesellschaftlich oder politisch, auf den hinteren Plätzen. Im Fußball sind wir jedoch auf Rang 90 der FIFA-Rangliste. Vor dem Senegal oder Albanien beispielsweise. Das ist super für uns. Haben Sie das Spiel von uns gegen Brasilien im Jahr 2004 gesehen?

SPOX: Leider nicht.

Jean-Bart: Brasilien ist damals mit all seinen Topstars in Port-au-Prince gegen uns angetreten. Ronaldo, Ronaldinho, Roberto Carlos, Kaka - alle waren dabei. Das Spiel fand unter dem Motto "Fußball für den Frieden" statt. Das haitianische Volk hat den Brasilianern einen fantastischen Empfang bereitet und jedes Tor der Brasilianer gefeiert. Wir haben 0:6 verloren. Das Stade Sylvio Cator, wo das Spiel stattfand, dient derzeit als Zufluchtsort für viele Obdachlose.

SPOX: Am Sonntag treten Sie wieder gegen Topstars an. Diese haben aber zum Großteil ihre Laufbahn bereits beendet. Wie groß sind denn die Chancen für Haiti?

Jean-Bart: Das Spiel ist eine große Ehre für uns. Wir sind das erste Mal in Europa seit der Weltmeisterschaft 1974. Wir kennen viele dieser Spieler aus dem Fernsehen, da die Spiele der deutschen Mannschaften in Haiti übertragen werden. Wir werden jedem Einzelnen für diese grandiose Gelegenheit und die großartige Unterstützung danken.

SPOX: Was hat sich in Haiti seit dem Erdbeben verändert?

Jean-Bart: Haiti war schon davor sehr arm und hatte große Probleme. Vor 200 Jahren waren wir noch die reichste französische Kolonie. Seit dem Erdbeben hat sich die Lage natürlich noch einmal dramatisch verschlechtert. Port-au-Prince ist sozusagen der Kopf Haitis. Dort und im Umland leben fast fünf Millionen Menschen. Die haben von der einen auf die andere Minute ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Privathäuser, Krankenhäuser, Hotels, Schulen, Universitäten - alles wurde zerstört. Wir wissen nicht, wie wir das alles wieder aufbauen sollen. Die meisten Menschen leben nun auf der Straße.

SPOX: Welche Auswirkungen hatte das Erdbeben auf den Fußball in Haiti?

Jean-Bart: Wir müssen nun weit weg von Port-au-Prince, um in der Provinz, wo die Zerstörung geringer ausgefallen ist, für ein paar Tage trainieren zu können. Die Spieler sind körperlich in einem schlechten Zustand. Sie haben kaum geschlafen und gegessen. Auch das Gebäude unseres Fußballverbandes ist vollkommen zerstört worden. 33 Menschen unseres Verbandes sind gestorben. Viele sind sogar noch verschüttet. Wir können die Leichen aber nicht bergen, da wir kein Geld für schweres Gerät haben.

SPOX: Wie wird Ihrem Land denn geholfen?

Jean-Bart: Wir werden von der internationalen Gemeinschaft unterstützt. Eine Delegation der FIFA wird Ende des Monats nach Haiti kommen und schauen, inwiefern sie uns helfen können. Die anderen südamerikanischen Länder haben uns auch Hilfe zugesagt. Und nun natürlich Deutschland. Das freut uns unheimlich.

SPOX: Vor welcher Zukunft stehen die haitianischen Jugendlichen?

Jean-Bart: Wir müssen schauen, dass wir die schulische und universitäre Ausbildung so schnell wie möglich wieder auf die Beine bekommen. Dazu kommt der Sport, der zu den wichtigsten Lebensinhalten in Haiti zählt. Wir brauchen Spielfelder. In Port-au-Prince haben wir nur eines und das ist jetzt kaputt. Wenn wir dort ein breit gefächertes Angebot aufstellen, können wir der jungen Generation der Haitianer eine sichere Zukunft garantieren.

SPOX: Kommt man als Fußballer in Haiti überhaupt über die Runden?

Jean-Bart: Nein. Die Spieler haben zwar einen Vertrag, aber da springt ganz wenig dabei raus. Manchmal bekommen sie gar kein Geld. Das gilt auch für die Zuschauer. Die meisten haben keine Arbeit. Sie lieben den Fußball und kommen auch vor das Stadion, können aber den Eintritt nicht bezahlen. Es wird dann immer nur von denjenigen Geld genommen, die sich das Eintrittsgeld auch wirklich leisten können. Die anderen kommen umsonst rein.

Weitere Informationen zum Benefizspiel auf ran.de

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