Samstag, 05.04.2008

DFB

"Uns Uwe" Seeler als deutsches Markenzeichen

Hamburg - Verlieren konnte er nie, geschimpft hat er auf dem Platz wie ein Rohrspatz, aber geackert wie kein Zweiter: "Uns Uwe" Seeler gilt als eine Art deutsches Markenzeichen in der 100-jährigen Geschichte der Nationalmannschaft.

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© Getty

"Ich war so glücklich, für Deutschland zu spielen, ich wäre für eine Nominierung mit dem Fahrrad nach Rom gefahren", erzählt der Mittelstürmer 36 Jahre nach dem Ende seiner beispiellosen Karriere, in der er an vier Weltmeisterschaften teilnahm und zwischen 1954 und 1970 in 72 Länderspielen mit 43 Treffern glänzte.

Gefragt nach den schönsten Erinnerungen weiß der 71-Jährige kaum auszuwählen: "Im Grunde waren alle Spiele und Tore schön." Doch dann kommt er ins Schwärmen, wenn er auf das legendäre Hinterkopf-Tor 1970 bei der WM in Mexiko angesprochen wird: "Ich habe viele dieser Kopfbälle, Fallrückzieher oder Drehschläge gemacht. Das gegen England zum 2:2 war natürlich ein spektakuläres Tor - noch dazu nach einem 0:2-Rückstand und bei den extremen Verhältnissen."

Bundestrainer Helmut Schön hatte Seeler und Gerd Müller trotz aller Warnungen und Bedenken zu einem Erfolgs-Gespann gemacht. Das Viertelfinale endete 3:2 nach Verlängerung.

Das wichtigste Tor vor 43 Jahren

Das für ihn "allerwichtigste" Tor machte der Mittelstürmer 1965 nach einer Achillessehnenoperation in Schweden, "als wir gewinnen mussten, um noch zur WM nach England zu fahren. Damals hat man dem Helmut Schön gesagt, er wäre verrückt, mich aufzustellen. Das Tor war für mich auch deshalb so wichtig, weil ich dann gewusst habe, jetzt kann es auch international weitergehen. Vorher hatte man gesagt: Der Seeler kommt nie wieder."

Seeler traf zum 2:1 für Deutschland, das sich damit für die WM qualifizierte und später in England Vizeweltmeister wurde.

Einige Bilder des klassenlosen Helden sind unvergessen, so das Foto, das 1966 um die Welt ging: Ein nach dem "Wembley-Tor" im Weltmeisterschafts-Endspiel von einem Bobby vom Platz geleiteter, gebrochener Uwe Seeler. Die Stunde seiner größten Enttäuschung. Doch gerade diese Momente haben die Mannschaft von damals so eng zusammengeschweißt, dass sie sich immer noch wie Freunde fühlen.

"Das sind meine alten Kumpel"

"Wir haben eine Bombenstimmung, wenn wir zusammen sind. Das sind meine alten Kumpel", erzählt der Hamburger Ehrenbürger, "aber das ist mit heute nicht mehr zu vergleichen."

Weltmeister wurde er nie, aber das stört den bodenständigen und bescheidenen Ehrenspielführer der Nationalelf nicht. Als erstem Sportler wurde ihm bei seinem Abschieds-Länderspiel gegen Ungarn am 9. September 1970 in Nürnberg das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Als ständiges Delegationsmitglied ist er bei jedem deutschen Länderspiel dabei und hat seine möglichen Nachfolger ausgemacht: "Der Klose ist vom Typ einer, der schnell ist und nach hinten arbeitet. Auch der Gomez gefällt mir, er geht auch Wege. Als Stürmer kannst du nicht auf Schnee warten."

DFB-Team als Mitfavorit bei der EM

Zwar sei er immer ganz dicht dran an der Mannschaft, einen Rat wolle er aber nicht mehr geben. "Nein, da sollte man sich raushalten."

Für die Europameisterschaft im Juni in der Schweiz und Österreich sieht Seeler die Deutschen mit der Leitfigur Michael Ballack als Mitfavoriten.

"Das Geheimnis unserer internationalen Erfolge ist auch, dass wir immer eine Turniermannschaft waren", sagt Seeler. Neben der Disziplin habe sich die Wettkampfhärte von Generation zu Generation vererbt.


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