Formel 1

Vettel ist Weltmeister!

Von Alexander Mey
Sebastian Vettel machte sich nach dem Sieg in Brasilien ungewollt zum Affen
© Getty

Auch in der Formel-1-Saison 2010 beurteilt SPOX-Redakteur Alexander Mey nach jedem Rennwochenende in seinem Driver-Ranking die Leistungen aller Fahrer - unabhängig von der Stärke ihrer Autos. Ausgabe 18: Der Brasilien-GP.

Es ist passiert. Im Gegensatz zum richtigen Leben ist in meinem Ranking die WM-Entscheidung gefallen. And the winner is: Sebastian Vettel. Sein starker Endspurt in Verbindung mit der Schwäche von Lewis Hamilton hat für die große Wende gesorgt.

Meine Wertung für den Brasilien-GP:

Platz 1, Sebastian Vettel: Zieht man mal den kleinen Schönheitsfehler im Qualifying ab, als er sich wie alle anderen von Nico Hülkenberg überrumpeln ließ, dann gibt es an Vettels Wochenende nicht das Geringste auszusetzen. Er hat seinen Teamkollegen jederzeit dominiert und dem Rest des Feldes erst recht keine Chance gelassen. Dazu war auch sein Start einer der Besten des Jahres. Hülkenberg dort zu knacken, war schon mehr als die halbe Miete. Nun aber zum Wichtigsten: Vettel ist durch diesen erneuten Sieg im Ranking offiziell mein Weltmeister. Er hat in den letzten Rennen enorm viel Boden auf den lange führenden Lewis Hamilton gutgemacht, den seine Fehler in Monza, Singapur und Suzuka weit zurückgeworfen haben. Vettels Endspurt war überragend. Seit dem Aus in Spa hat er sich keinen Fehler mehr geleistet und mit Ausnahme von Singapur immer das Maximum aus dem Auto herausgeholt.

Platz 2, Nico Hülkenberg: Das war ein Ding, was der junge Kerl da am Samstag hingelegt hat. Auch wenn er im Rennen erwartungsgemäß zurückgefallen ist: Diese Pole-Position bleibt haften. Daran erinnert man sich noch länger. Und deshalb bewerte ich sie in seinem speziellen Fall auch höher als das Rennen. Wie bei Kobayashi in Japan belohne ich gerne überraschende und außergewöhnliche Leistungen. Von daher klar Platz zwei im Ranking. Es war ja nicht nur eine glückliche Runde bei den vermeintlich besten Bedingungen, die ihn nach vorne gebracht hat. Er hätte auch mit der zweitbesten Runde die Pole geholt, dann eben nur nicht mit mehr als einer Sekunde Vorsprung. Im Rennen hat er nicht den Fehler gemacht, sich in den Titelkampf einzumischen. Er war zu allen Titel-Kandidaten fair.

Platz 3, Fernando Alonso: Sein Rennen war große Klasse. Die Abgezocktheit, mit der er seine Ergebnisse nach Hause fährt, ist beeindruckend. Er macht absolut keine Fehler und ist genau dann aggressiv, wenn es sein muss. Bestens zu beobachten im Duell mit Hülkenberg, den er sehr stark überholt hat. Vorwerfen muss ich ihm, dass er im Qualifying unter den gleichen Bedingungen wie bei Hülkenberg eben nicht die optimale Runde auf die Reihe bekommen hat. Während Alonso in Wirklichkeit gute Chancen auf den Fahrertitel hat und angesichts des unterlegenen Autos für mich auch ein verdienter Champion wäre, kann er in meinem Ranking höchstens noch Platz zwei erreichen, wenn Hamilton in Abu Dhabi patzt.

Platz 4, Mark Webber: Er war zwar das ganze Wochenende über schneller als Alonso, mit einem Red Bull unter dem Hintern war das aber auch keine große Kunst. Mit Vettel kann Webber schon seit einigen Rennen nicht mehr ganz mithalten. Daher meine persönliche Meinung, dass Vettel im direkten Vergleich mit dem Australier der verdiente Red-Bull-Champion wäre. Nichtsdestotrotz muss man Webber seine Konstanz zugute halten. Er hat nach dem Fehler von Südkorea eine gute Reaktion und Nervenstärke gezeigt.

Platz 5, Lewis Hamilton: 24 Punkte hat er in der Fahrer-WM Rückstand, 26 sind es im Ranking. Damit ist für ihn der Sieg außer Reichweite, obwohl er bis zum Japan-GP noch geführt hat. Zeitweise war er sogar deutlich vorne. Doch er hat in dem Maße, in dem Vettel aufgedreht hat, abgebaut. Seine Auftritte in Monza, Singapur und Suzuka waren für seine Verhältnisse schlecht. Ich halte ihn nach wie vor für einen begnadeten Fahrer, habe aber den Verdacht, dass er den Bogen etwas überspannt hat, nachdem er merkte, dass der McLaren nicht mit dem Red Bull und dem Ferrari mithalten kann.

Platz 6, Jenson Button: Der Weltmeister hat sich mit einem starken Rennen von seinem Titel verabschiedet. Seine Taktik im Rennen war sehr gut, dazu war er direkt nach seinem Boxenstopp kompromisslos. Erst gegen Massa, dann gegen Kobayashi und Sutil. Mal wieder ein echter Lichtblick, nachdem Button als Elfter im Qualifying noch enttäuscht hat.

Platz 7, Nico Rosberg: Für ihn geht es in der Gesamtwertung des Rankings noch gegen Webber um Platz vier. In Sao Paulo hat mich sein Qualifying negativ überrascht. So etwas wie Platz 13 - da hatte Rosberg mit seinem eigenen Kommentar völlig Recht - ist für ihn "Quatsch". Umso stärker war sein Rennen, in dem er durch gute Strategie gemeinsam mit Button nach vorne gekommen ist. Dass er dann in der Safety-Car-Phase trotz zweier Boxenstopps seinen Platz halten konnte, war eine Mischung aus Glück und Entgegenkommen von Michael Schumacher. Insgesamt ein solides Wochenende von Rosberg.

Platz 8, Michael Schumacher: Nach zwei starken Auftritten zuletzt nun mal wieder Hausmannskost von Schumacher. Im Qualifying war deutlich mehr drin als nur Platz acht. Doch die perfekte Runde eines Hülkenberg hat ihm gefehlt. Im Rennen war dann von ihm nicht viel zu sehen. Zu früh an der Box, danach hinter Sutil fest gehangen. Genug gesagt.

Platz 9, Kamui Kobayashi: Der Aufsteiger des Jahres für mich. Genau vor einem Jahr hat er in Brasilien furios debütiert, als er sich mit dem späteren Weltmeister Button tolle Duelle lieferte. Jetzt ist er schon eine feste Größe im Feld, und auch wenn er diesmal nicht so spektakulär gefahren ist wie zum Beispiel in Japan, war er doch konstant stark und hat im Gegensatz zu Nick Heidfeld in den Wirren nach der Safety-Car-Phase noch einen WM-Punkt gerettet. Und zwar per Last-Minute-Überholmanöver gegen Jaime Alguersuari.

Platz 10, Robert Kubica: Von ihm hatte ich mir nach der Bestzeit im dritten Training etwas mehr erhofft, aber die Tendenz geht immer wieder dahin, dass er im Qualifying im Gegensatz zu vielen anderen nicht mehr zulegen kann. Erstaunlicher Weise hat es Kubica im Rennen trotz des guten Top-Speeds des Renault nicht geschafft, an Hülkenberg vorbeizugehen. Ein durchschnittliches Wochenende von ihm.

Stand in der Fahrer- und Konstrukteurs-WM

Meine Punkte für das Sao-Paulo-Wochenende:

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung