Formel 1

Kommentar zum Kanada-GP: Vettel schießt in seinem verständlichen Frust übers Ziel hinaus

Von Christian Guinin
Nach Ende des Rennens tauschte Vettel kurzerhand die Platzierungs-Schilder.
© getty

Durch eine streitbare 5-Sekunden-Zeitstrafe verpasst Sebastian Vettel beim Großen Preis von Kanada seinen ersten Saisonerfolg und muss den Sieg an Dauerrivale Lewis Hamilton abtreten. Der Frust über die Entscheidung der Rennkommissare ist nachvollziehbar, Vettels Show nach Rennende aber kindisch. Ein Kommentar von Christian Guinin.

Wir schreiben die 35. Runde des Monaco-GPs 2016. Nachdem sich Lewis Hamilton am Ende der Tunnel-Geraden verbremst, kürzt er die Nouvelle Chicane ab. Der hinter ihm liegende Daniel Ricciardo kommt besser aus der Schikane und setzt außen zum Überholversuch an - wird aber vom Briten von der Ideallinie gedrängt und muss das Manöver abbrechen. Die Rennkommissare untersuchen den Vorfall, sprechen aber keine Strafe aus. Hamilton bleibt vorne und gewinnt letzten Endes das Rennen.

Entscheidung der Rennleitung schadet dem Rennsport

Etwas mehr als drei Jahre später ereignet sich in Montreal ein ähnlicher Vorfall - diesmal jedoch mit Hamilton in der Ricciardo-Position und Sebastian Vettel vor ihm platziert. Es folgt die Verhängung einer 5-Sekunden-Zeitstrafe für den Ferrari-Piloten, durch die er den sicher geglaubten Sieg doch noch verliert. Warum die Rennleitung so entscheidet, bleibt ein Rätsel.

Wer sich die Zeitlupe des Zwischenfalls nämlich genauer ansieht, wird feststellen, dass Vettel keine andere Möglichkeit hatte, anders auf die Strecke zurückzukehren. Lenkt er nach seinem Ausritt nicht in Richtung der Randsteine gegen, verliert er das Heck seines Boliden. Eine Kollision zwischen ihm und dem Mercedes-Piloten wäre daraufhin wohl unvermeidbar gewesen. Lupft Hamilton seinerseits nach dem Anbremsen auf Kurve vier kurz das Gaspedal, kann er aufgrund der besseren Beschleunigung auch einfach innen am Deutschen vorbei gehen.

Der Brite wusste nach dem Rennen ebenfalls nicht wirklich damit umzugehen, zog Vettel noch während der Siegerehrung auf das oberste Treppchen und betonte, den Sieg auf diese Weise nicht gewollt zu haben. Selbst ehemalige Fahrer wie Jenson Button oder Nigel Mansell kritisierten die Entscheidung der Verantwortlichen heftig.

Denn solche fragwürdigen Entscheidungen schaden auch dem Image des Rennsports. Dass sich Vettel also mit vollem Recht über die Strafe echauffiert, steht außer Frage.

Vettels Reaktion unnötig und kindisch

Und dennoch überzog der 31-Jährige in seinem verständlichen Frust und schoss deutlich über das Ziel hinaus. Sein Verhalten nach dem Rennen, als er seinen Wagen zunächst nicht in der vorgesehenen Zone des Parc Fermes abstellte und im Anschluss die Schilder für die Plätze "1" und "2" vertauschte, war einfach nur unnötig und kindisch.

Zumal sich besagter Vorfall nur durch einen Fehler Vettels überhaupt erst ereignen konnte. Und er selber in der Vergangenheit auch schon von ähnlichen Entscheidungen profitiert hat.

Selbstverständlich lebt der Sport von Emotionen - vor allem der Heppenheimer weiß eigentlich auch durch seine positiv-verrückte Art oft genug die Welt der Formel 1 zu begeistern - aber eben auch von gegenseitigem respektvollen Umgang. Im Angesicht der Niederlage lässt Vettel diesen aber leider nicht zum ersten Mal vermissen.

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