Kamui Kobayashi: Vettels japanischer WM-Helfer

Von Alexander Maack
Samstag, 06.10.2012 | 12:19 Uhr
Kamui Kobayashi (l.) kann wichtige Punkte für den WM-Kampf von Sebastian Vettel sichern
© Getty
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Lokalmatador Kamui Kobayashi kann sich beim Rennen in Suzuka in die Geschichtsbücher der Formel 1 eintragen. Bisher schafften es erst zwei Japaner aufs Podium. Viel wichtiger: Der Sauber-Pilot hilft mit seinem Abschneiden Sebastian Vettel im Kampf um die Fahrer-WM.

Nach dem herausragenden Qualifying-Ergebnis blieb für Kobayashi keine Zeit sich über den dritten Startplatz zu freuen. Der Japaner musste sich verteidigen. Provisorisch erklärte er, dass er die gelben Flaggen nach dem Dreher von Kimi Räikkönen sehr wohl bemerkt hatte: "Auf meiner letzten Runde habe ich wegen der gelben Flagge etwas Zeit verloren, als ich vom Gas ging und das DRS ausgeschaltet habe."

Das Signal war deutlich und zeigte Wirkung. Gegen die persönliche Bestzeit unter gelber Flagge wurde kein Einspruch erhoben. Erfolgschancen hätte dieser auch nicht gehabt. Kobayashi war im zweiten Sektor mit 41,1 Sekunden langsamer als bei seiner vorherigen Runde.

Erst zwei Japaner standen auf dem Treppchen

So konnte sich der Japaner anschließend bedingungslos freuen: "Von meinem Startplatz aus sollte ich eine Chance haben, um einen Podestplatz zu kämpfen. Für mich ginge ein Traum in Erfüllung, wenn ich hier vor meinen Landsleuten mein erstes Podium in der Formel 1 feiern könnte."

Sollte der 26-Jährige seinen Wunsch in die Tat umsetzen, wäre er erst der dritte Japaner, dem der Sprung aufs Treppchen gelingt. Und das in dem Jahr, in dem das 50-jährige Jubiläum der anspruchsvollen Strecke gefeiert wird.

Takuma Sato schaffte es im BAR Honda im Jahr 2004 in Indianapolis als Dritter über die Ziellinie. Das Vorbild für Kobayashi ist aber Aguri Suzuki, der beim Heimrennen in Suzuka 1990 im Larrousse Lamborghini von Startplatz neun auf den dritten Rang fuhr. "Ich habe vor vielen Jahren gesagt, dass ich in Suzuka ein Formel-1-Podium holen möchte. Das war, als ich 16 oder 17 war", sagte Kobayashi "Motorsport Total".

Sauber aufs Rennen konzentriert

Dass der Sauber-Fahrer zurückfällt, weil er bei seinem Setup nur auf das Qualifying geachtet hat, ist unterdessen unwahrscheinlich: "Wir hatten nicht erwartet, im Qualifying so stark zu sein. Ich denke unser Auto sollte für das Rennen gut gerüstet sein."

Kobayashi testete schon am Freitag das Upgrade, das sein Team nach Suzuka mitgebracht hat, während Sergio Perez mit dem alten Auto unterwegs war, um Vergleichswerte zu liefern. So hatte der Japaner wesentlich mehr Zeit für die Abstimmung als sein Teamkollege.

Sergio Perez, der im kommenden Jahr für McLaren fährt, komplettierte am Samstag das gute Ergebnis des Schweizer Rennstalls und geht von Position fünf ins Rennen. Da Perez als Reifenflüsterer gilt und die Pirelli-Pneus in Suzuka die stärkste Belastung der Saison aushalten müssen, ist eine Verbesserung im Klassement sogar wahrscheinlich.

Noch ist unklar, wie die Reifen über die Distanz auf den neuen Asphalt reagieren, der weniger Grip bietet als in den letzten Jahren. "Der Reifenverschleiß wird ein großes Thema sein. Wir sollten uns diesbezüglich aber in einer guten Situation befinden, um gute Ergebnisse zu erkämpfen", bestätigte Perez "Motorsport Total" und gab sich ehrgeizig: "Das Podium muss das Ziel sein."

Profitiert Vettel im WM-Kampf?

Davon profitieren könnte Sebastian Vettel, der trotz der Vorwürfe, er habe Fernando Alonso in Q3 behindert, zum vierten Mal in Folge in Suzuka und insgesamt 34. Mal von der Pole Position startet. Nur Michael Schumacher (68) und Ayrton Senna (65) schafften dies öfter.

Da Alonso selbst nur auf Startplatz sechs steht, könnte der Heppenheimer weitere Punkte im Kampf um die Fahrer-WM gutmachen. Zudem startet Lewis Hamilton im McLaren nur von Position neun.

Der Sieg ist Vettel bei normalem Rennverlauf wohl kaum zu nehmen. Der Red Bull war bei den Longrun-Tests am Freitag das schnellste Auto und hat insbesondere bei schnellen Kurven den anderen Autos im Feld gegenüber immer noch Vorteile. Da die beste Überholmöglichkeit die Schikane vor Start und Ziel ist, die auf die schnellste Kurve des Formel-1-Jahres folgt, sollte Vettel hier sicher.

Der Weltmeister konzentrierte sich zudem intensiver als sein Teamkollege Mark Webber auf die Tests mit viel Benzin und schonte im Qualifiying seine Reifen. Unter anderem als er gegen Ende des letzten Quali-Abschnitts seine Runde abbrach, weil ihn niemand mehr schlagen konnte. Ein weiteres, denkbar einfaches Argument lieferte sein Teamchef Christian Horner bei "RTL": "Sebastian ist in Topform."

In der Tat wirkt Vettel seit der Sommerpause stark verbessert. In Spa zeigte er eine starke Aufholjagd, in Monza kostete ihn die Lichtmaschine sichere Punkte und in Singapur feierte er endlich seinen zweiten Saisonsieg.

Trotz Startplatz acht: Button will gewinnen

Der zweite als Reifenschoner anerkannte Fahrer im Feld, Jenson Button, hat trotz seines achten Startplatzes den Kampf gegen die Red Bull noch lange nicht aufgegeben.

"Wenn das Rennen ganz normal verläuft, dann wird es schwierig. Ich gehe aber davon aus, dass es nicht normal verläuft, weil die Reifen hier Blasen werfen und stark abbauen", sagte der McLaren-Pilot, der sich immer noch Siegchancen ausrechnet: "Mit einer guten Taktik ist vieles möglich, das hat beispielsweise Sergio Perez in diesem Jahr schon mehrfach gezeigt."

Ein Hindernis hat Button dabei allerdings entdeckt: "Ich weiß nicht, warum man die DRS-Zone hier verkürzt hat. Das wird noch eine böse Überraschung, denn jetzt wird es nicht einfach."

Geheimfavorit Lotus

Am schlechtesten zu beurteilen ist an diesem Wochenende Lotus. Kimi Räikkönen hatte während aller Trainings Probleme mit dem Auto. Am Freitag musste er lange mit defektem KERS in der Box warten. Am Samstagmorgen haderte der Finne über die gesamten 60 Minuten mit der fehlenden Balance seines Autos.

Doch im mittleren Abschnitt der Qualifikation fuhr Räikkönen plötzlich die drittschnellste Runde und startet nur von Position sieben, weil er seine schnelle Runde in Q3 durch einen Dreher wegschmiss. "Wir hatten das ganze Wochenende Probleme, es war also nicht leicht. Aber der Speed im Qualifying war gut", machte der WM-Dritte sich Mut: "Hoffentlich haben wir morgen ein gutes Rennen. Unser Speed müsste besser sein als im Qualifying." Das Mindestziel ist Alonso zu schlagen. Der startet immerhin nur einen Platz weiter vorne.

Der WM-Stand in der Fahrerwertung

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