Zwei Löcher machen Vettel zum WM-Favoriten

Von Alexander Maack
Montag, 08.10.2012 | 13:35 Uhr
Sebastian Vettel war in Suzuka der Schnellste, obwohl die Strecke dem Red Bull eigentlich nicht liegt
© spox
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Die Red Bull verbesserten in Suzuka ihre Rundenzeiten über Nacht mysteriös um mehrere Zehntel. Fast unbemerkt führte das Team von Sebastian Vettel eine technische Verbesserung ein, die ihm gegen Fernando Alonso einen entscheidenden Vorteil im Kampf um die Fahrer-WM verschafft.

Nach dem Qualifying zum Großen Preis von Japan waren viele Beobachter überrascht. Red Bull hatte sich über Nacht scheinbar um drei Zehntelsekunden verbessert und die McLaren deutlich abgehängt. Jenson Button meldete sich per Funk zu Wort: "Ich finde keine Zeit mehr, Jungs. Die Red Bulls waren einfach zu schnell!"

Dabei gilt der RB8 eigentlich als Auto, dem lange Geraden aufgrund des fehlenden Topspeeds nicht liegen. McLaren führte die signifikante Verbesserung und den Verlust der eigenen Überlegenheit der letzten Rennen auf eigene Fehler zurück und bemängelte, die falsche Richtung beim Set-up eingeschlagen zu haben.

Red Bull pulverisierte im ersten Sektor, der fast ausschließlich aus schnellen Kurven besteht und somit viel Abtrieb erfordert, die Zeiten der Konkurrenz. Vettel hatte allein hier über zwei Zehntelsekunden Vorsprung auf Button.

Red Bull nutzt Doppel-DRS

"Red Bull hatte im Qualifying von Suzuka einen bedeutenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Die wahrscheinliche Erklärung dafür ist: Sie nutzen erstmals ein sogenanntes Doppel-DR-System", erklärte der frühere Formel-1-Designer Gary Anderson in seiner Funktion als Experte der "BBC": "Im Gegensatz zu der Vorrichtung, die bei Mercedes schon seit Jahresbeginn im Einsatz ist, betrifft dieses System aber nur den Heckflügel."

Während die Silberpfeile die Luft bei geöffnetem Heckflügel durch kleine Löcher an den Endplatten nach vorne leiten, um so den Luftwiderstand zu verringern, geht sie bei Red Bull zum unteren Heckflügelelement und sorgt dort für einen Strömungsabriss.

Die Arbeit des Diffusors wird dadurch auf der Geraden zusätzlich verringert. Die Konsequenz: Red Bull lag im dritten Freien Training plötzlich bei der Geschwindigkeitsmessung vor den übrigen Top-Teams.

Highspeed trotz mehr Abtrieb

"Unterm Strich bedeutet es, dass sie mit mehr Abtrieb fahren können. Dadurch wird das Auto in den Kurven schneller, ohne aber auf den Geraden langsamer zu sein", so Anderson: "Im Rennen sollte das Fahrzeug auf eine Runde schnell genug sein, um sich zu verteidigen. Probleme könnte es nur beim Überholen geben."

So war es nicht überraschend, dass Vettel seine Position im Rennen mühelos verteidigen konnte, während Webber Probleme hatte, sich durch das Feld zu arbeiten, nachdem er sich durch einen Schubser von Romain Grosjean am Start gedreht hatte.

Weil der Weltmeister in den letzten Phase des Rennens nochmal die Geschwindigkeit erhöhte und kurz vor Schluss die Schnellste Runde fuhr, bekam er vom Team jedoch einen kleinen Rüffel. "Er wollte demonstrieren, was in ihm und dem Auto steckt. Aber das war unnötig", sagte Red-Bull-Berater Helmut Marko.

"Stetige Weiterentwicklung des Autos"

"Im Moment funktioniert das Auto sehr gut. Es sind aber keine revolutionären Veränderungen, die dafür verantwortlich sind, sondern es ist eher die stetige Weiterentwicklung des Autos in kleinen Schritten", stapelte Teamchef Chrstian Horner tief: "Wir haben unsere starke Form aus Singapur herüber gerettet. Hoffentlich können wir darauf auch bei den folgenden Rennen aufbauen."

Die starke Form von Vettel erzeugt in Italien unterdessen Kopfschmerzen. "Ferrari steht derzeit unter Druck durch uns und durch Red Bull", sagte McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh.

Etwa eine Sekunde fehlte den Ferrari pro Runde auf die verbesserten Red Bull. Durch den Ausfall von Fernando Alonso ist zudem der Vorsprung in der Fahrer-WM auf vier Pünktchen zusammengeschmolzen. Die verbleibenden fünf Rennen hat Alonso zur "Mini-Weltmeisterschaft" ausgerufen.

"Das Wichtigste ist in dieser Phase der Saison, rational zu bleiben. Wir müssen gelassen bleiben und dürfen da nicht italienisch sein", versuchte Teamchef Stefano Domenicali die Tifosi zu beruhigen "Wir dürfen keine Entschuldigungen suchen, sondern müssen hart arbeiten. Punkt. Und wir haben die Gelegenheit, es schon in einer Woche in Südkorea besser zu machen. Also Kopf hoch!"

Beeindruckter Ferrari-Chef

Ferrari setzt sämtliche Hoffnungen auf das nächste Upgrade, das erstmals am nächsten Wochenende in Korea eingesetzt werden soll. Domenicali: "Red Bull war beeindruckend. Wir müssen schauen, was wir unternehmen können, um mit ihrer Entwicklung gleichzuziehen."

Das Problem der Italiener ist aber nicht der fehlende Speed im Rennen. Felipe Massa bewies in Japan, wie schnell der Wagen ist, als er von Startplatz zehn auf zwei fuhr und damit ein Ausrufezeichen im Kampf um seinen neuen Vertrag setzte.

Fehlende Pace im Qualifying

"Von Anfang an war die Pace des Autos richtig gut. Ich fuhr hinter Jenson, war aber schneller als er. Nachdem er seinen Boxenstopp absolviert hatte, war ich sofort eine Sekunde pro Runde schneller. Ich habe dann viel Druck gemacht und kam an Jenson und Kamui vorbei, der heute sehr schnell war", so der Brasilianer: "Das Rennen war wesentlich besser, als ich erwartet hatte."

Das Problem liegt also nicht im Renntrim, sondern im Qualifiying. Beide Ferrari-Fahrer sind aktuell einfach nicht in der Lage, sich für die ersten Startreihen zu qualifizieren. Woher die Schwäche rührt? "Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, woran es liegt", sagt Domenicali. Aus der Ferne betrachtet ist die Antwort einfach: Am fehlenden Doppel-DRS.

Stand in der Fahrer- und Konstrukteurs-WM

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