Formel 1

Wer hat Angst vorm Regenchaos?

Von Alexander Mey
Rückblick auf 2008: Sebastian Vettel (v.) überholte den späteren Weltmeister Lewis Hamilton
© xpb

Regen oder kein Regen? Das ist vor dem Saisonfinale der Formel 1 in Brasilien (So., 16.45 Uhr im LIVE-TICKER und bei Sky) die große Frage. Gerade in Sao Paulo sind die Fahrer bezüglich des Wetters unterschiedlicher Meinung.

Eigentlich spricht vor dem letzten Saisonrennen in Sao Paulo so gut wie alles für einen Sieg von Jenson Button. Er startet als Dritter von so weit vorne wie noch nie auf dieser Strecke. Er hat den Glücksoverall aus Ungarn an, wo er gewonnen hat. Außerdem gilt er als Spezialist für schwierige Wetterverhältnisse.

Und trotzdem hätte es der WM-Zweite im Kampf um den Vize-Titel gegen Fernando Alonso und Mark Webber lieber trocken.

Button und Alonso skeptisch, Hamilton will Regen

"Gerade auf diesem Kurs ist es in manchen Kurven sehr tückisch, wenn es nass ist", spielt Button auf die Tatsache an, dass es trotz im Laufe der Jahre gelegter Drainagen auf der welligen Strecke Kurven gibt, in denen sich das Wasser in Rinnsalen sammelt - Aquaplaning garantiert. "Natürlich kann dir Regen helfen zu gewinnen. Genauso gut kann er aber auch dafür sorgen, dass du neben die Strecke rutschst und vorzeitig aussteigen musst."

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Buttons Zurückhaltung ist verständlich, aber es ist auf der anderen Seite eine Tatsache, dass nicht nur Button sondern auch sein McLaren in dieser Saison bei Regen fast immer extrem stark war. Folglich sagt sein Teamkollege Lewis Hamilton: "Hoffentlich regnet es, denn dann sind unsere Chancen noch größer."

Etwas skeptischer sieht das Fernando Alonso, der Button von seinem Abo-Startplatz fünf aus elf Punkte abnehmen muss, um WM-Platz zwei zu erreichen: "Wenn es regnet, haben wir ein völlig offenes Rennen. Keiner weiß, wie sein Auto bei Nässe funktionieren wird. Es reicht eine Runde, die man zu lange auf der Strecke bleibt, um ein vermeintlich in Stein gemeißeltes Ergebnis auf den Kopf zu stellen."

Erinnerungen an Chaos-Rennen 2008

Alonso spielt auf das von Meteorologen für wahrscheinlich gehaltene Szenario an, dass es nicht das ganze Rennen über regnen wird, sondern dass es einzelne Schauer gibt. Ähnlich wie 2008, als Hamilton in einem dramatischen Finish Weltmeister wurde.

Damals spielte auch Sebastian Vettel eine Hauptrolle, als er Hamilton wenige Runden vor Schluss überholte und ihn fast den Titel kostete.

Qualifying-Duelle: Die Endstände in allen zwölf Teams

Vettel: "Das ist eine Wunderstrecke"

Wie sich die Zeiten doch ändern. Diesmal geht Vettel ganz entspannt als Doppel-Weltmeister ins letzte Saisonrennen und kann auf nichts mehr hoffen als einen krönenden Abschluss eines sensationellen Jahres.

Von der Pole-Position aus hat er beste Aussichten, wenngleich er Respekt vor der Tatsache hat, dass man in Brasilien traditionell gut überholen kann. "In dieser Hinsicht ist das eine Wunderstrecke. Sie hat immer das gewisse Etwas parat und ist im positiven Sinne verrückt", sagt Vettel.

Zusätzlich helfen soll die DRS-Zone, die auf der Gegengeraden nach dem Senna-S platziert ist. Der Weg zur Kurve ist dort nicht allzu weit, aber Vettel meint ohnehin: "Wir werden uns hier wohl nicht nur auf die DRS-Zone verlassen, wenn wir überholen wollen."

Red Bull und McLaren mit viel Abtrieb unterwegs

Sollte es wider Erwarten trocken bleiben, dann könnte Vettel ein Problem mit dem Top-Speed bekommen. Ihm fehlten im Vergleich zu den Besten im Qualifying rund 10 km/h. "Wir fahren mit etwas mehr Abtrieb", erklärt Teamchef Christian Horner Red Bulls Kompromissabstimmung mit Blick auf den Regen.

Ob McLaren auf den Geraden deutlich schneller sein wird als Red Bull, ist trotzdem nicht sicher, denn wie Button betont, ist sein Auto ebenfalls mit sehr viel Abtrieb unterwegs.

Mercedes rechnet sich gute Chancen aus

Bleiben Ferrari - und Mercedes. Vor allem Nico Rosberg hinterließ im Qualifying einen glänzenden Eindruck und scheint mit Ferrari mithalten zu können. Seine Stärke: die lange Bergauf-Gerade vor Start und Ziel.

Und auch Michael Schumacher rechnet sich von Startplatz zehn noch gute Chancen aus. "Aufgrund der Regenwahrscheinlichkeit haben wir uns alle Optionen offen gehalten und sind strategisch gefahren", sagt er. Ein guter Start und Schumacher könnte schon nach wenigen Metern wieder an Rosberg dran sein und mit ihm im Formationsflug auf Punktejagd gehen.

Vettel zu jagen, dürfte allerdings auch im letzten Rennen unmöglich sein. Aber wer weiß, immerhin kann im Regen alles passieren. "Das liegt aber nicht in unseren Händen", gibt sich Vettel gelassen. "Wir können das Wetter nicht kontrollieren. Das ist aber auch gut so, denn wir kontrollieren ohnehin schon zu viel."

Stand in der Fahrer- und Konstrukteurs-WM

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