Formel 1

Feuchte Träume von Kinky Kylie

Von Alexander Mey
Sebastian Vettel gab sich nach dem Sieg beim Australien-GP seinen Gefühlen hin
© Getty

Sebastian Vettel hat dem Australien-GP seinen Stempel aufgedrückt. Aber nicht nur auf der Rennstrecke sondern auch daneben. Daher können auch die Top 8 aus Melbourne nicht am Champion vorbei. Hier also zum Saisonauftakt die Vettel-Edition.

Platz 8: Sportlich bleiben

Bevor wir uns mit Vettels zahlreichen Anekdoten am Rand der Strecke beschäftigen, bleiben wir erst einmal kurz bei seinem sportlichen Triumph. Denn es ist ja nicht so, dass der nicht erwähnenswert gewesen wäre.

Schließlich hat Vettel am Sonntag nach drei Ausfällen in den Jahren zuvor zum allerersten Mal in seiner Formel-1-Karriere in Melbourne die Zielflagge gesehen. Außerdem hat er seinem Team den ersten Podestplatz beim Australien-GP überhaupt beschert und ganz nebenbei im Qualifying noch einen Rundenrekord aufgestellt. So etwas nennt man dann wohl einen Auftakt nach Maß.

Platz 7: Hör auf zu flennen, Seb!

Vettel ist ja durch seinen WM-Titel angeblich so sehr gereift. Also als Mann. So hört man es zumindest von Leuten, die ihm nahe stehen. Stimmt irgendwie. Beweise gefällig? Man muss nur einmal die Funksprüche von Vettel nach dem Sieg in Abu Dhabi und nach dem in Melbourne vergleichen. "Unbelievable! Thank you boys! I love you", heulte Vettel in Abu Dhabi noch in die Welt. "Wie ein Mädchen", habe er sich angehört, gab er selbst zu.

Und jetzt? "Danke Jungs, fantastisch. Sehr cool. Exzellentes Auto, exzellente Stopps. Wir haben heute viel gelernt, behaltet das im Kopf", sagte Vettel betont lässig und total männlich. Okay, die Umstände beim WM-Finale waren schon ein bisschen anders, aber trotzdem unserer Meinung nach ein Quantensprung im Vergleich zu Abu Dhabi. Klang irgendwie nach: Okay, das war Sieg 1, 18 kommen noch. Mal sehen...

Platz 6: Der Teufel auf Rädern

Kaum zu glauben, aber Vettel hat sich nach seinem Titelgewinn tatsächlich etwas gegönnt. Nichts Praktisches, einfach etwas Prolliges für große, unvernünftige Jungs. Es ist eine Chopper, ein heißes Teil von Hardcore-Bauer Marcus Walz.

Laut "Bild" handelt es sich dabei um eine Abwandlung des Modells "Avalanche", dem gleichen Motorrad, das sich Kimi Räikkönen hat bauen lassen (Foto). Geschätzter Preis: 100.000 Euro. Dass Vettel und Räikkönen nah beieinander wohnen und ganz gute Kumpels sind, ist dabei wohl nicht unbedingt Zufall.

Platz 5: Tierisch gut!

Vettel, der Australier. Vielleicht, um schon vor dem Rennen seinem Teamkollegen Mark Webber die Show zu stehlen, übte sich der Champion vor dem Wochenende im Nahkampf mit des Aussies liebsten Tieren. Erst scherte er eigenhändig Schafe und stellte sich dabei gar nicht so dämlich an wie manch anderer vielleicht. Dann ließ er sich noch mit Kängurus ablichten.

Nur ein Känguru, auf das er sich besonders gefreut hatte, fehlte. Das auf der Siegertrophäe nämlich. Da gewinnt Vettel in Melbourne endlich einmal etwas und dann lassen diese blöden Organisatoren ausgerechnet in diesem Jahr das possierliche Tierchen weg. "Das ist schade, die hatten immer eine coole Trophäe hier", sagte Vettel.

Platz 4: Der rasende Reporter

Warum sollen eigentlich immer nur die Fahrer ihre Visagen in die Kameras halten? Einfach mal den Spieß rumdrehen und die doofen Journalisten ablichten, dachte sich Vettel, schnappte sich im Auftrag der "Bild am Sonntag" eine Digicam und hielt einen Tag an der Rennstrecke aus seiner Sicht fest. Mit dabei: Bullenmützen, ein Billig-Regal und BBC-Reporterin Lee McKenzie.

Platz 3: Alk und Kuchen

Zwei Flaschen Wein und ein Geburtstagskuchen spielten für Vettel am Renntag eine Hauptrolle. Erst der Kuchen: Den klatsche Vettel seinem ehemaligen Red-Bull-Kollegen David Coulthard mal ganz dreist ins Gesicht. Der wurde am Sonntag 40 und hätte den Kuchen sicher lieber gegessen, zumal sich Sahne im Gesicht für einen TV-Kommentator nicht so gut macht. Aber ganz Gentleman wischte sich Coulthard den Kram vor laufender Kamera souverän ab. Über Rache-Pläne des Schotten ist übrigens noch nichts bekannt.

Also zum Wein. Vettel bekam von RTL-Reporter Kai Ebel zwei Flaschen Portwein geschenkt, auf denen das Gesicht von Jenson Button strahlte. Und zwar deshalb, weil auf den Etiketten immer das Gesicht des Vorjahressiegers abgebildet wird. 2011 lacht also Vettel von der Weinpulle jedermann entgegen. Grund für einen spontanen Eitelkeits-Anfall. "Hoffentlich drucken die kein Bild von mir aus den letzten Stunden ab", sagte der in diesem Moment Schampus-getränkte Melbourne-Sieger.

Platz 2: Mein Gott, Walter!

Hä? Habe ich gerade richtig gehört? Diese Frage stellten sich wohl die meisten deutschsprachigen Journalisten bei der Pressekonferenz nach dem Rennen. Hatte nicht Vettel gerade die komplette Elite in Grund und Boden gefahren, die WM-Führung übernommen und seinen Teamkollegen vernichtend geschlagen? Und was machte er? Er dankte nicht seinen Eltern, er dankte nicht Gott, er ließ sich nicht feiern und er machte sich nicht einmal über seine Gegner lustig.

Vettel hatte nichts Besseres zu tun als aller Welt mitzuteilen, was für ein spezielles Erlebnis es für ihn war, Rallye-Legende Walter Röhrl persönlich zu treffen. Seine Augen leuchteten so sehr, dass man annehmen musste, er hätte für ein Treffen mit dem Rallye-Champion sogar den Rennstart abgesagt. "Ich durfte heute eine Legende treffen: Walter Röhrl", waren Vettels genaue Worte. Und was sagte der so geehrte Röhrl dazu? "Das ist schon toll. Aber das kennzeichnet auch diesen Menschen, dass er so was erzählt."

Platz 1: Feuchte Träume von Kinky Kylie

Noch mal zurück zum Schampus: Denn es gab nach dem Rennen eine Kette von Ereignissen, die ein durchaus schlüpfriges Bild auf Vettel werfen. Dass er sein neues Auto Kinky Kylie (in etwa: verdorbene Kylie) getauft und damit in Australien offensichtliche Assoziationen zu Kylie Minogue geweckt hat, haben wir schon im A-Z vor dem Rennwochenende berichtet.

Doch nun streichelte er im Parc Ferme seiner Kylie zärtlich über die Nase und sprach danach im Interview von einem guten Start der neuen Beziehung. Und dann noch dieses Schampus-Bild auf dem Podium (Foto)... Was soll da nur seine Langzeit-Freundin Hanna denken?

Das Rennergebnis des Australien-GP

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