Red Bulls Dominanz bröckelt

Von Alexander Mey
Mittwoch, 09.06.2010 | 14:56 Uhr
Circuit Gilles Villeneuve: Alle Kurven, Geschwindigkeiten, Gangzahlen und Fliehkräfte
© spox
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19 Strecken stehen im Rennkalender der Saison 2010. Darunter eine völlig neue in Südkorea und einige umgebaute, zum Beispiel in Bahrain oder Silverstone. SPOX stellt vor jedem Rennen den Kurs detailliert mit Grafik, Fakten und Video vor. Darunter eine Runde im Red-Bull-Simulator mit Sebastian Vettel. Strecken-Check, Teil 8: Kanada.

Streckendaten:

  • Name: Circuit Gilles Villeneuve
  • Ort: Montreal
  • Länge: 4,361 Kilometer
  • Runden: 70
  • Renndistanz: 305,270 Kilometer
  • Kurven: 8 Rechtskurven, 5 Linkskurven

VIDEO: Eine Montreal-Runde mit Vettel im Rennsimulator

 

Darauf kommt es an:

Drei Stichworte: Bremsen, Motorleistung, mechanischer Grip. Der Stadtkurs in Montreal hat wenig mit den klassischen engen Stadtkursen wie in Monaco zu tun. Im Gegenteil. Auf dem Circuit Gilles Villeneuve werden nach Monza die höchsten Geschwindigkeiten des Jahres erreicht. Am Ende der langen Gegengeraden sind die Piloten über 320 km/h schnell.

Es handelt sich um einen Stop-and-Go-Kurs, der eigentlich nur aus engen Kurven und langen Geraden besteht. Daher die drei Stichworte. Nirgends werden die Bremsen so sehr beansprucht wie in den Anbremszonen in Montreal. Gerade wegen der zu Rennbeginn schweren Autos wird Bremsverschleiß also zum Problem werden.

Um in Montreal überholen zu können, braucht man viel Top-Speed. Den erhält man in der Regel durch viel Motorleistung und guten mechanischen Grip aus den engen Kurven heraus. Denn nur, wer die Antriebskraft auf den Boden bekommt, der ist am Ende der Geraden auch schnell. In diesem Jahr kommt das F-Schacht-System als Joker dazu. Auf den ellenlangen Geraden tut jedes km/h mehr an Top-Speed sehr gut.

Das alles macht den Ausgang des Rennens aber noch lange nicht berechenbar. Denn in Kanada stehen die Mauern ganz dicht an der Rennstrecke. Die berühmteste ist die Wall of Champions neben der Zielschikane, in die 1999 mit Michael Schumacher, Damon Hill und Jacques Villeneuve gleich drei Weltmeister einschlugen. Unfälle sind an der Tagesordnung. Die Folge: Safety-Car-Phasen ohne Ende. Sie können auch am Sonntag das Geschehen wieder gehörig durcheinander wirbeln.

Ebenso wie der Regen, der im Rennen droht. Sollte es nass werden, wäre zwar wenigstens das Bremsproblem gelöst, aber für die meisten Fahrer wäre das wohl trotzdem nur ein schwacher Trost. Denn Montreal bietet schon im Trockenen wenig Grip. Im Regen wird das umso schlimmer.

Wetter-Prognose:

  • Freitag: wolkig, 21-22 Grad, 30 Prozent Regen-Risiko
  • Samstag: wolkig, 22-24 Grad, 30 Prozent Regen-Risiko
  • Sonntag: leichter Regen, 20-22 Grad, 60 Prozent Regen-Risiko

Die Favoriten:

McLaren: Lewis Hamilton und Jenson Button wähnen sich selbst nach der starken Vorstellung in der Türkei in der Favoritenrolle. Klar, schließlich haben sie mit dem Mercedes-Motor das wohl immer noch stärkste Aggregat im Feld und zudem das deutlich am besten ausgereifte F-Schacht-System, das in Montreal ein noch größerer Faktor sein sollte als in Istanbul.

Probleme könnte allerdings der mechanische Grip bereiten. In diesem Punkt ist McLaren nicht ganz so stark wie die direkte Konkurrenz und könnte deshalb am Kurvenausgang Nachteile haben.

Red Bull: Aerodynamische Effizienz ist das Zauberwort bei Red Bull. In den Kurven liegt das Auto optimal, bietet aber trotzdem auf den Geraden relativ wenig Luftwiderstand. Red Bull muss also bei der Abstimmung des Autos die wenigsten Kompromisse eingehen.

Großes Problem ist aber der Top-Speed. Red Bull fehlten in den vergangenen Rennen immer mindestens 5 km/h auf McLaren. Die können entscheidend werden. Funktionierendes F-Schacht-System gibt es auch keins. Zudem muss man abwarten, ob die filigranen Bremsen die 70 mörderischen Runden durchhalten. Es war nie in der Saison wahrscheinlicher, dass Red Bull zu schlagen ist.

Für Mercedes spricht die Motorpower, aber die haben andere Teams auch. Generell waren die Silberpfeile in Sachen Top-Speed nie ganz vorne dabei, aber daran wurde vor dem Kanada-GP hart gearbeitet. Zudem spricht für Mercedes, dass das Auto beim Bremsen sehr stark ist, und dass man mit Michael Schumacher den Montreal-Spezialisten schlechthin am Steuer hat. Schumi hat den Kanada-GP schon siebenmal gewonnen.

Pluspunkte sammeln aber auch andere Teams. Ferrari verfügt über sehr guten mechanischen Grip und sehr gute Bremsen, könnte also auch wieder einen Sprung nach vorne machen. Ebenso wenig darf man Renault mit dem letzten Montreal-Sieger Robert Kubica und Force India mit F-Schacht und Mercedes-Power vergessen. Insgesamt war es in diesem Jahr selten so schwierig, einen klaren Favoriten auszumachen.

Statistik:

  • Sieger 2008: Robert Kubica (BMW-Sauber): 1:36:24,447 Stunden
  • Pole-Position 2008: Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes): 1:17,886 Minuten
  • Schnellste Rennrunde 2008: Kimi Räikkönen (Ferrari): 1:17,387 Minuten
  • Meiste Siege: Michael Schumacher (7)
  • Meiste Pole-Positions: Michael Schumacher (6)

Das sagen die Beteiligten:

Michael Schumacher (Mercedes): "Kanada ist definitiv einer der Schauplätze im Formel-1-Kalender, den jeder gerne besucht, ich eingeschlossen. Ich bin immer sehr gerne nach Nordamerika geflogen und habe dort immer sehr gute Wochenenden erlebt. Bei der Strecke in Montreal spielt Top-Speed eine große Rolle, also haben wir in diesem Bereich hart gearbeitet - gerade weil wir wissen, dass wir hier nicht top sind. Trotzdem bin ich überzeugt, dass wir in der Lage sein werden, das Beste aus unserem Paket herauszuholen."

Lewis Hamilton (McLaren): "Es wird schwierig sein, nicht während des ganzen Flugs nach Montreal breit zu grinsen. Ich bin überzeugt davon, dass wir hervorragend aufgestellt sind. Das Auto läuft zuverlässig und schnell, und der Kurs ist wie maßgeschneidert dafür."

Sebastian Vettel (Red Bull): "Wir haben bei unserer Aussprache zum Unfall in der Türkei fünf Minuten über das Vergangene gesprochen und dann die nächste halbe Stunde darüber, was eigentlich noch besser werden muss, damit wir auch in Zukunft dort bleiben, wo wir sind. Ich freue mich auf den Kanada-GP. Mark und ich werden raus gehen und versuchen herauszufinden, wer der Schnellere von uns beiden ist. So wie es sein soll."

Zeitplan:

  • Freitag, 16 Uhr: 1. Training
  • Freitag, 20 Uhr: 2. Training
  • Samstag, 16 Uhr: 3. Training
  • Samstag, 19 Uhr: Qualifying
  • Sonntag, 18 Uhr: Rennen

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