Formel 1

Napoleon vs. Obama

Von Alexander Mey
Barack Obamas Vorbild hat durch Ari Vatanen auch Einzug in den Motorsport gefunden
© Getty

Mit der Wahl zum neuen FIA-Präsidenten am Freitag endet die Ära Max Mosley. Fast 20 Jahre lang stand Mosley an der Spitze des Automobil-Weltverbands. Sein Nachfolger wird entweder Jean Todt oder Ari Vatanen heißen. SPOX stellt die beiden Kandidaten Head-to-Head gegenüber.

Es war ein Wahlkampf mit allem, was dazugehört. Max Mosley hat die Kandidatur von Ari Vatanen ins Lächerliche gezogen und versucht, Einfluss auf die Entscheidung einiger Verbände zu nehmen. Vatanen reagierte empört und schrieb seinerseits offene Briefe an alle Mitglieder.

Gleiches tat auf der anderen Seite Jean Todt, der lange wie der sichere Sieger aussah, in den letzten Wochen aber doch noch einmal kalte Füße bekam. Letztlich musste sogar Schumi einen offenen Brief verfassen, in dem er für seinen Ex-Teamchef wirbt.

Kurzum, es war so richtig schmutzig. Am Freitag ist die Schlammschlacht endlich vorbei. Um 10.30 Uhr geht es los, gegen Mittag wird erwartet, dass weißer Rauch aufsteigt und endlich der neue FIA-Präsident feststeht.

Aber wie ist überhaupt die genau Ausgangslage vor der Wahl? Ein Überblick:

Die Kandidaten im Kurzporträt

Jean Todt: Geboren am 26. Februar 1946 in Pierrefort/Frankreich als Sohn polnischer Einwanderer. Zwischen 1966 und 1981 erfolgreich als Rallye-Beifahrer. Rücktritt nach dem Gewinn der Konstrukteurs-WM 1981 mit Talbot-Lotus. Ab 1982 Renndirektor bei Peugeot, verantwortlich für zwei Fahrer- und zwei Konstrukteurs-Titel in der Rallye-WM sowie vier Siege bei der Rallye Dakar. 1992 und 1993 Sieger bei den 24 Stunden von Le Mans. Ab 1993 Teamchef des Formel-1-Teams von Ferrari. Holte Michael Schumacher ins Team und gewann bis zu seinem Ausscheiden 2008 sagenhafte 13 WM-Titel und 98 Grands Prix mit der Scuderia. Ab 2006 Aufstieg vom Teamchef zum Generaldirektor des Gesamtkonzerns.

Ari Vatanen: Geboren am 27. April 1952 in Tuupovaara/Finnland. 1981 Rallye-Weltmeister mit Beifahrer David Richards (später BAR-Teamchef) in einem Ford Escort. 1987 unter Renndirektor Todt im Peugeot Sieger bei der Rallye Dakar. Drei weitere Dakar-Siege für Citroen. Bis heute Rekordsieger beim Langstrecken-Klassiker. Seit 1999 Abgeordneter im Europäischen Parlament, bis 2004 für sein Heimatland Finnland, ab 2004 für seine Wahlheimat Frankreich. Verantwortlich unter anderem für die Bereiche Transport und Tourismus.

Dafür stehen die Kandidaten

Jean Todt: Todts Schlagworte im Wahlprogramm sind Innovation, hervorragende Qualität und Teamwork. Er steht für eine moderate Reform der FIA-Strukturen, vor allem der Außendarstellung und der Arbeit untereinander. Im Bezug auf den Motorsport steht Todt, der den Spitznamen Napoleon trägt, für eine Beibehaltung des harten Sparkurses, den Mosley begonnen hat, für mehr Transparenz, Unabhängigkeit und die Bemühung, die Streitigkeiten in den FIA-Weltmeisterschaften beizulegen. Zudem ist sein Credo, dass trotz aller Technik der Fahrer im Vordergrund des Sports bleiben muss.

Ari Vatanen: Er ist der Barack Obama des FIA-Wahlkampfs. "It is about change" und "Together we can", sind seine Parolen - kommt einem irgendwie bekannt vor. Vatanen steht für einen radikalen Umbruch in den seiner Meinung nach verkrusteten Strukturen der FIA. Er will eine neue Ära der Transparenz, des Dialogs und der Zusammenarbeit einläuten. Für den Motorsport könnte seine Wahl eine Expansion in Entwicklungsländer bedeuten, um den Sport zu den Menschen zu bringen. Zudem will er die Entwicklung neuer Technologien fördern und für stabile Regeln sorgen. Während auch Vatanen eine Fortführung der Sparmaßnahmen unterstützt, fordert er eine Rückbesinnung auf die Bedürfnisse der Fans, die sich einen Besuch bei einem Motorsport-Event leisten können und nahe am Geschehen sein müssen. Nähe zum Zuschauer ist sein Schlagwort.

Welche Folgen hat die Wahl für die Formel 1?

Jean Todt: Die Formel 1 steht Todt auf persönlicher Ebene skeptisch gegenüber, weil er erstens sehr lange für Ferrari tätig war und somit seine Unparteilichkeit angezweifelt werden könnte. Zweitens macht ihn seine Nähe zum scheidenden FIA-Boss Mosley bei vielen unbeliebt, die nicht gut auf den Briten zu sprechen sind. Auf fachlicher Ebene erwarten die Formel 1 bei ihm weitere Sparmaßnahmen, eine strengere Überwachung der Rennkommissare und eine eigene Disziplinarkommission, die dem Weltrat Entscheidungen über Strafen abnimmt.

Ari Vatanen: Vatanen ist für die Formel 1 eine weitgehend unbekannte Größe, aber ein großer Kontrast zu Mosley, was die meisten per se gut finden. Fachlich geht es Vatanen um Kostenreduzierung, Expansion auf alle Kontinente, mehr Rücksicht auf die Fans, technische Innovationen sowie vor allem faire und offene Zusammenarbeit.

Wer unterstützt welchen Kandidaten?

Jean Todt: Todt hat die Unterstützung von großen Namen wie Max Mosley, Bernie Ecclestone, Michael Schumacher und sogar Fußball-Legende Pele. Generell hat die FIA auffällig viel Lobby-Arbeit für Todt betrieben. Mit Neutralität hatte das nichts zu tun.

Ari Vatanen: Er hat die Teamvereinigung FOTA und die Fahrergewerkschaft GPDA auf seiner Seite. Dazu stehen viele große und auch kleinere Automobil-Verbände weltweit hinter seiner Botschaft des Wechsels. Darunter auch der US-Verband AAA und der deutsche ADAC, dessen Präsident Hermann Tomczyk unter Vatanen Vize-Präsident würde und für den Motorsport verantwortlich wäre.

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