Formel 1

"Vor fünf Jahren wäre Massa tot gewesen"

Von Alexander Mey
Felipe Massa wird in dieser Saison wahrscheinlich nicht mehr fahren
© Getty

Die Meldungen über den Gesundheitszustand von Felipe Massa überschlagen sich nach wie vor. Nachdem es am Montagnachmittag noch beunruhigende Meldungen über ein mögliches Karriereende von Massa wegen einer Augenverletzung gegeben hatte, sah die Lage am späten Montagabend schon wieder weniger dramatisch aus. Eins ist neuesten Meldungen zufolge sicher: Sein Helm hat Massa am Samstag das Leben gerettet.

Dr. Lajos Zsiros, Chefarzt der ungarischen Verteidigungs-Streitkräfte, hatte am Montagabend gute Nachrichten von Felipe Massa: "In den letzten 24 Stunden hat sich der Zustand von Felipe Massa entscheidend verbessert. Er wird nicht mehr künstlich beatmet, antwortet bereits auf Fragen und kann seine Arme und Beine aus eigener Kraft bewegen."

Massa ist über den Berg, das ist für die Ärzte, die Familie und sicher auch für alle Fans die wichtigste Nachricht. Allerdings bleibt der Verdacht, dass der Sehnerv an Massas linkem Auge verletzt ist.

Genaue Untersuchung des Auges muss warten

So dramatisch, wie es ihr Kollege Robert Veres wenige Stunden zuvor geschildert hatte, sehen Zsiros und der medizinische Direktor Peter Bazso die Situation mit dem Auge jedoch nicht. "Wir können zur Verletzung des Sehnervs weder eine positive noch eine negative Statusmeldung abgeben. Noch kann die Sehfähigkeit nämlich nicht vollständig überprüft werden", sagte Bazso.

Ein Karriereende stehe im Moment noch nicht zur Debatte, denn eine vollständige Genesung Massas sei möglich. "Ich denke, wir werden in einer Woche oder zehn Tagen Genaueres dazu sagen können", erklärte Zsiros.

Gute Neuigkeiten also aus dem Budapester Krankenhaus, die endlich bestätigen, dass Massa bei seinem Unfall viel Glück im Unglück hatte. Und einen Helm, der ihm das Leben gerettet hat.

Helme seit 2004 doppelt so sicher wie zuvor

SPOX hat sich bei Massas Helm-Hersteller Schuberth einmal genau erkundigt, nach welchen Kriterien ein Formel-1-Helm hergestellt und geprüft wird, und warum die FIA maßgeblichen Anteil an Massas Überleben hat.

2004 verabschiedete der Weltverband eine neue Regel, wonach die Helme zwingend aus Karbon bestehen und wesentlich strengere Sicherheitsvorgaben erfüllen müssen als noch zuvor. Eine Eingebung, für die Massa ewig dankbar sein wird.

"Seitdem sind die Helme doppelt so sicher wie zuvor", sagt Oliver Schimpf, der Geschäftsführer von Massas Helmhersteller Schuberth. Er ist sich sicher: "Vor fünf Jahren wäre Massa tot gewesen."

Video-Analyse: So kam es zu Massas Unfall

18 Lagen Kohlefaser schützen Kopf

Aber wie genau ist heutzutage ein Formel-1-Helm aufgebaut? Schimpf erklärt: "Der Helm besteht aus 18 Lagen Kohlefaser, die genauso verarbeitet werden wie beim Bau von Formel-1-Cockpits oder hochwertigen Flugzeug- oder Autoteilen. So ein Helm wiegt 1,35 Kilogramm. Die Frontpartie des Helms wird bei uns besonders verstärkt, so dass sie deutlich sicherer ist als die FIA-Norm vorschreibt."

Wenn man Bilder von Massas Helm nach dem Unfall gesehen hat, dann erkennt man, wie wichtig diese verstärkte Frontpartie beim Aufprall der 800 Gramm schweren Stahlfeder war.

Schwachpunkt Visier: Verbesserungen schwierig

Nur das Visier ist nicht unbeschadet geblieben, was zu der Augenverletzung von Massa geführt hat. "Das Visier ist immer der Schwachpunkt", sagt Schimpf, betont aber auch, dass sich daran kaum etwas ändern lässt. "Das Visier zu verbessern, ist nicht einfach. Es besteht aus drei Millimeter starkem Polycarbonat, das macht zusammen mit der Innenscheibe und den Abreißvisieren fünf Millimeter Kunststoff. Da kann man schon jetzt sehr schlecht durchsehen. Macht man es noch dicker, kann kein Mensch mehr etwas erkennen."

Die heutigen Visiere sind immerhin so sicher, dass man sie mit einem Kleinkaliber-Geschoss beschießen kann, ohne dass sie zerstört werden. Ein solcher Beschuss ist Bestandteil der Tests der Helme, bevor sie auf den Markt kommen. Trotzdem sagt Schimpf im speziellen Fall von Massa: "Ein frontaler Visiertreffer mit der schweren Feder wäre kritisch gewesen."

Weiterhin werden die Helme getestet, indem man sie aus großer Höhe mit einem fünf Kilogramm schweren Kopf-Dummy auf unterschiedlich geformte Stahlkörper fallen lässt. Egal ob eckig, spitz, flach oder rund, das muss der Helm aushalten. Zudem darf ein drei Kilogramm schwerer Stahlnagel aus fünf Metern Höhe die Helmwand nicht durchschlagen.

12.000 Euro, die Leben retten

Ein gewaltiges Maß an Sicherheit, dass sich die Fahrer einiges kosten lassen. Der Preis eines solchen Stücks dürfte bei rund 12.000 Euro liegen. Schuberth stellt 20 Helme pro Saison her und stattet neben Massa Kimi Räikkönen, Nico Rosberg, Nick Heidfeld und die Ferrari-Testfahrer aus. Auch Michael Schumacher fuhr immer mit Schuberth-Helmen.

All diese Fahrer wissen nun, dass ihnen ihr Helm das Leben retten kann und somit jeden Cent wert ist. Denn es ist in der Formel 1 wie im Alltag: Sicherheit ist das Letzte, woran man sparen sollte.

Nach Massa-Unfall: Debatte um Sicherheit der Fahrer entbrannt

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