Formel 1

Rampf: "Hätte gerne einiges anders gebaut"

Von Alexander Mey
Müssen sich die BMW-Sauber-Piloten Nick Heidfeld und Robert Kubica einen neuen Job suchen?
© Getty

BMW-Sauber hat sich blamiert. Nicht nur durch die schwachen Ergebnisse, die so gar nicht in die bislang steile Entwicklungskurve des Teams passen. Vor allem hat sich BMW mit dem Hybridantrieb KERS blamiert. Erst haben die Weiß-Blauen die Einführung 2009 forciert, jetzt ist die Akte für den Rest des Jahres geschlossen. SPOX sprach mit BMW-Sauber-Technikchef Willy Rampf über alles, was 2009 schief gelaufen ist.

Segensreich sollte KERS sein, ein gewaltiger Schritt in Richtung Formel-1-Zukunft, ein leuchtendes Beispiel für das Entwicklungspotenzial, das das Engagement in der Königsklasse einem Automobilhersteller bietet.

So haben es sich die Verantwortlichen von BMW-Sauber vor der Saison ausgemalt, als sie gegen große Widerstände anderer Teams die Einführung des Hybridantriebs durchgeboxt haben. Mit Hybrid an Bord um den WM-Titel fahren, das wäre es für BMW-Sauber gewesen.

Theissen: Schulnote "ungenügend"

Geblieben ist von diesem Traum so gut wie nichts. Die Ergebnisse sind enttäuschend, vom WM-Titel redet schon lange niemand mehr - und KERS verstaubt mittlerweile im Keller. Als "ungenügend" beschrieb BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen am Nürburgring die Note des Teams im Zwischenzeugnis der Saison.

Das energische Pochen auf eine Einführung von KERS zur Saison 2009 war ein Fehler, das haben die weiß-blauen Bosse mittlerweile eingesehen.

Rampf würde heute Auto ohne KERS bauen

"Wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiß, hätte ich das Auto ohne KERS gebaut", sagt BMW-Technikchef Willy Rampf im Gespräch mit SPOX. "Zu dem Zeitpunkt, als BMW auf die Einführung von KERS gedrängt hat, war es unserer Meinung nach die richtige Entscheidung. Im Nachhinein hat man dann aber gesehen, wie komplex die Systematik wirklich ist."

Komplex deshalb, weil die Rahmenbedingungen für die Einführung einer so komplizierten Technologie nicht gestimmt haben. "Es kamen viele Sachen zusammen. KERS war eine unbekannte Technologie, dazu war die Aerodynamik völlig neu - und es gab keine Testfahrten."

Rampf: Red Bull hat alles richtig gemacht

Kritiker werden sagen, dass man das alles auch vorher schon hätte wissen können. Vielleicht hat es Rampf sogar geahnt, sagen wird er das öffentlich jedoch nicht.

Er erklärt stattdessen: "Klar hätte ich einige Dinge am Auto gerne anders gebaut, aber wegen KERS musste ich Kompromisse machen. Man muss KERS kühlen und das Gewicht des Systems mit herumschleppen. Der beste Ansatz war in diesem Jahr sicher, ein kompromissloses Auto zu bauen, wie zum Beispiel Red Bull das getan hat."

Oder Brawn GP, oder Toyota. Die Teams eben, die die Podestplätze über weitere Teile der Saison unter sich ausgemacht haben. Alle, die bei der Konstruktion des Autos auf KERS Rücksicht genommen haben, sind damit auf die Nase gefallen: BMW-Sauber, Ferrari, McLaren-Mercedes, Renault. Jetzt nutzen lediglich noch Ferrari und McLaren-Mercedes KERS. Aber auch nur, weil ihre Systeme die effizientesten sind.

KERS nicht der Hauptgrund für BMW-Pleiten

So bitter die Erfahrung mit KERS auch für Rampf war, er will die Hybrid-Pleite nicht als alleinige Erklärung für den Absturz von BMW-Sauber gelten lassen. "Es wäre falsch zu sagen, dass wir nur wegen KERS so langsam sind. Das war nicht der Hauptgrund. Hauptgrund war, dass wir zu spät angefangen haben, größere Änderungen vorzunehmen, nachdem die Grundschnelligkeit schon in Melbourne nicht gestimmt hatte", sagt der Technikchef.

Das Team hatte erst zum Start der Europa-Saison in Barcelona ein erstes großes Update ans Auto gebracht. Dessen Wirkung ließ aber zu wünschen übrig, weil die anderen mittlerweile schon deutlich weiter entwickelt hatten. "Das versuchen wir jetzt nachzuholen", sagt Rampf.

Und zwar mit dem aktuellen Auto. Das neue Aerodynamik-Paket für den Nürburgring hat gezeigt, dass die Weiß-Blauen die Saison 2009 auf keinen Fall vorzeitig abhaken.

2010er Auto wird schon intensiv entwickelt

Aber warum nicht? "Wir werden das 2009er Auto nicht aufgeben, denn alles, was wir von diesem Auto noch lernen, können wir für das 2010er Modell verwenden, da sich die Aerodynamik-Regeln nicht ändern", erklärt Rampf.

Das 2010er Modell steht sogar schon in den Startlöchern. "Wir entwickeln bereits sehr intensiv das 2010er Auto", sagt Rampf. "Es wird im kommenden Jahr wieder zwei große Änderungen geben. Zum einen brauchen wir wegen des Tankverbots einen wesentlich größeren Tank, der auch entsprechend schwer sein wird. Und es wird schmalere Vorderreifen geben. Das alles hat große Auswirkungen auf das Gesamtkonzept des Autos. Wer erst jetzt damit anfängt, ist zu spät dran."

Zu spät dran sein. Das ist genau das, was BMW-Sauber nach dieser verkorksten Saison nicht noch einmal erleben will.

So steht es in den beiden WM-Wertungen

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