Haug: "Startnummer 1 ist Verpflichtung für uns"

SID
Freitag, 16.01.2009 | 13:41 Uhr
Mercedes-Sportchef Norbert Haug und Lewis Hamilton im Gespräch
© Getty
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Norbert Haug freut sich auf den Saisonstart der Formel1 in Melbourne Ende März. Der Mercedes-Sportchef weiß aber auch, dass die Startnummer 1 "eine Verpflichtung" ist.

Zehn Wochen müssen die Formel-1-Fans noch warten, bis in Melbourne (27. bis 29. März) die neue Saison startet. Norbert Haug, Sportchef von Mercedes, spricht im Interview über die Ziele und schärfsten Rivalen der "Silberpfeile" sowie das neue Reglement und die Auswirkungen der Finanzkrise.

Frage: Nach neun Jahren gehen die Silberpfeile wieder mit der Startnummer 1 in eine Formel-1-Saison. Was bedeutet das für Sie?

Norbert Haug: Eines steht fest: Leichter wird das Auto nicht, wenn die Startnummer nur noch einstellig ist. Aber der mit der Nummer 1 hat in der vergangenen Saison den besten Job von allen gemacht. Und dies ist gleichzeitig Verpflichtung für uns für die neue Saison.

Frage: Sind Sie froh, wenn die Saison endlich wieder losgeht?

Haug: Ich freue mich sehr auf den Saisonstart in Melbourne. Das war bisher jedes Jahr so, aber es sind ja noch zehn Wochen bis dahin.

Frage: Lewis Hamilton ist nicht mehr Jäger, sondern Gejagter. Eine Rolle, mit der Sie besser leben können?

Haug: Das ändert in der Praxis nicht viel. Wir treten an, um möglichst die WM-Titel zu gewinnen, und dabei wollen wir bei so vielen Rennen wie möglich als Erster ankommen. In den vergangenen beiden Jahren haben wir 40 Prozent aller Grand Prix gewonnen. Eine gute Quote, aber weniger nehmen wir uns für die Zukunft deshalb nicht vor.

Frage: Der Rummel um Hamilton nach dem Titelgewinn war gigantisch. Wie hat er sich von dem ganzen Stress erholt?

Haug: Lewis ging sehr freudig mit dem riesigen Wirbel um, denn er wusste, dass es Bestätigung für sein erreichtes Ziel ist. Er hat in den vergangenen Wochen frei gehabt. Von Saisonende Anfang November bis Weihnachten war er aber voll eingespannt, ein Marathon an Terminen und Ehrungen, wie es ihn zuvor vielleicht noch bei keinem Formel-1-Weltmeister in dieser Ausprägung gab.

Frage: Wer werden die schärfsten Rivalen in diesem Jahr sein?

Haug: Es gibt 2009 so dramatische Änderungen im technischen Reglement wie wohl noch nie von einem Jahr auf das andere in der Geschichte der Formel 1. Deshalb könnten die Karten durchaus ganz neu gemischt werden. Natürlich ist aber damit zu rechnen, dass jene Teams, die in den vergangenen Jahren stark waren, das auch in Zukunft sein werden. Sich jetzt schon auf eine Hackordnung festzulegen, ist allerdings unmöglich.

Frage: Was ist alles neu am neuen Silberpfeil?

Haug: So gut wie alles, bis auf den Motor. Und der wird neu mit KERS (Hybridsystem zur Energierückgewinnung, Anm. d. Red.) bestückt. Die Änderungen an Front- und Heckflügeln sind sehr augenfällig, die neue Generation der Formel-1-Autos wird deutlich anders als ihre Vorgänger aussehen.

Frage: Wie beurteilen Sie das neue Reglement?

Haug: Es bietet bezüglich des technischen Anspruchs den höchsten Anspannungsgrad, den die Formel1 vielleicht jemals in ihrer Geschichte hatte: neue Aerodynamik-Regeln, KERS, Motoren, die deutlich langlebiger sein müssen, ohne dass ihre Technik verändert werden darf. Ein volles Paket von Herausforderungen, die nicht einfach zu meistern sind

Frage: Wie machen sich die Auswirkungen der Finanzkrise in der Formel1 bemerkbar?

Haug: Die Teamvereinigung FOTA hat in Absprache mit allen in der Formel1 beteiligten Herstellern umgehend reagiert und sich freiwillige Selbstbeschränkungen auferlegt. Die Teams gingen dabei für das Jahr 2009 in die Initiative, ein insgesamt guter und zielführender Prozess.

Frage: Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat vorgeschlagen, dass alle Teams mit dem gleichen Etat in die Saison starten sollen. Ist das Utopie oder was halten Sie davon?

Haug: Man sollte den Weg andersherum gehen und die Reglements so schreiben, dass mit größerem finanziellen Einsatz auf keinen Fall die bessere Rundenzeit gekauft werden kann. Aber bei aller Kritik am jetzigen System: Wir sind nicht Weltmeister 2008 geworden, weil wir das meiste Geld zur Verfügung hatten.

Frage: Wo sehen Sie noch Möglichkeiten, um in der Formel1 Geld einzusparen?

Haug: Die gibt es rundum, und wir sind auf einem guten Weg. Nicht zu vergessen ist allerdings, dass die Formel 1 auch sehr viele hochwertige Arbeitsplätze schafft und höchst motivierte Mitarbeiter versammelt und ausbildet. Wie im Motorsport Effizienz praktiziert werden kann, zeigt die DTM seit neun Jahren. Hätten wir in der Formel1 in den vergangenen drei Jahren nicht unnötige Reglementänderungen wie beispielsweise den Wechsel vom Zehn- auf den Achtzylinder gehabt, wäre bereits extrem viel Geld gespart worden. Mercedes-Benz als Hersteller hat bereits heute ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis bezüglich seines eingesetzten Budgets im Vergleich zur in der Öffentlichkeit und bei unseren Kunden erzielten Wirkung. Trotzdem bleiben wir Pioniere der Initiative für weitere Kostensenkungen und haben nie etwas anderes gesagt und verfolgt. Diesen Weg werden wir in Absprache mit den anderen Teams in aller Entschiedenheit weitergehen."

Der Formel-1-Kalender 2009 im Überblick

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