Eishockey: Auch Deutsche überzeugen

Europa liefert Kanada ein "Wahnsinnsfinale"

SID
Freitag, 30.09.2016 | 13:09 Uhr
Team Kanada gelang kurz vor Schluss die entscheidenden Treffer zum Sieg
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Ein drittes Endspiel gegen Olympiasieger Kanada war zum Greifen nah. Dann aber gelangen dem großen Favoriten in den letzten drei Minuten des zweiten Finals die Tore zum denkbar knappen 2:1 (0:1, 0:0, 2:0) und auch Ehrhoff blieben zum Trost "nur" Komplimente des Gegners.

Christian Ehrhoff stand nach der entscheidenden Niederlage enttäuscht auf dem Eis und blickte inmitten seiner Kollegen fast regungslos hinüber zur kanadischen Jubeltraube.

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Zu gern hätte der deutsche Verteidiger mit der Europa-Auswahl die Siegesfeier des Turnierfavoriten zumindest noch ein wenig hinausgezögert, doch eine dramatische Wende im zweiten Finalspiel des World Cup of Hockey beendete das europäische Eishockey-Märchen abrupt.

"Europa hat richtig Druck gemacht, sie haben unglaublich gespielt", sagte Brad Marchand, der für Kanada 43 Sekunden vor dem Ende in Unterzahl zum entscheidenden zweiten Sieg traf.

Wenige Augenblicke zuvor war ein Schlagschuss des Schweizer Verteidigers Roman Josi am Pfosten des kanadischen Tores gelandet. "Es war richtig schwer, aber wir haben irgendwie einen Weg gefunden", sagte Superstar Sidney Crosby, der das 1:1 von Patrice Bergeron (58.) eingeleitet hatte und später als bester Spieler (MVP) ausgezeichnet wurde. Die "Ahornblätter" haben jetzt bei großen Turnieren 16 Spiele in Folge gewonnen und ihre weltweite Vormachtstellung unterstrichen.

World Cup einzige Erfolgsgeschichte für Europa

Für die Europäer, die der slowakische Hüne Zdeno Chara (7.) im zweiten Finale in Führung gebracht hatte, wurde das "Ersatz-Olympia" der NHL dennoch eine einzige Erfolgsgeschichte.

Keiner hatte dem zusammengewürfelten Team aus acht Nationen etwas zugetraut. "Jeder glaubte, wir sind der Witz des Turniers", sagte der slowenische Kapitän Anze Kopitar. Doch stattdessen durfte Headcoach Ralph Krueger begeistert resümieren: "Ich empfinde einfach nur Stolz. Sie haben in jedem Spiel überrascht und alle Prognosen widerlegt. Wir haben hier ein Wahnsinnsfinale erlebt."

Daran hatten auch die deutschen Spieler ihren Anteil. Der noch vereinslose Ehrhoff etwa nutzte die Chance, einige Skeptiker zu überzeugen. Vor dem World Cup galt die NHL-Karriere des 34-Jährigen als beendet, jetzt sollen laut ESPN drei Teams ihr Interesse intensiviert haben. "Wenn das Turnier vorbei ist", sagte Ehrhoff, "werden mein Agent und ich die nächsten Schritte angehen." Ein neuer Vertrag wäre keine Überraschung mehr.

Ehrhoff mit drei Vorlagen

Mit drei Vorlagen war Ehrhoff der offensivstärkste Verteidiger der Europa-Auswahl und spielte auch defensiv verlässlich. Besonders die Defensivstärke sprach für Dennis Seidenberg. Der 35-Jährige steckte in einer ähnlichen Situation wie sein Landsmann, gewann nun aber die New York Islanders für sich und wird dort Teamkollege von Torhüter Thomas Greiss.

Fast 24 Minuten Eiszeit erhielt der Stanley-Cup-Sieger von 2011 im letzten Spiel. "Das Interesse hat während des Turniers zugenommen. Ich bin sehr froh", sagte Seidenberg dem kanadischen TV-Sender Sportsnet.

Auch Jungstar Leon Draisaitl (Edmonton Oilers) untermauerte mit zwei Turniertoren seinen Ruf als Ausnahmetalent. Stürmer Tobias Rieder, dessen Vertragsgespräche mit den Arizona Coyotes gerade feststecken, glänzte mit seiner Geschwindigkeit und mannschaftsdienlichem Spiel. Nur die Torhüter Philipp Grubauer (Washington Capitals) und Greiss waren zum Zuschauen verurteilt, weil der slowakische Goalie Jaroslav Halak durchweg überragend spielte.

"Wir haben all die Underdogs repräsentiert, die den besonders harten Weg gehen müssen, um in die NHL zu kommen", sagte Krueger noch. Und eine Menge Anerkennung gewonnen.

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