Sonntag, 02.11.2014

Finanziell angeschlagener Verband will sich wieder Luft verschaffen

DEB beschließt Sanierungskonzept

Der DEB um Präsident Franz Reindl kann aufatmen. Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung demonstrierte der Verband Einigkeit und winkte ein Sanierungskonzept durch.

Franz Riedl zeigte sich angesichts des kommenden Sanierungskonzepts erleichtert
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Franz Riedl zeigte sich angesichts des kommenden Sanierungskonzepts erleichtert

Nach dem Wochenende der Wahrheit für das deutsche Eishockey war DEB-Präsident Franz Reindl ausgelaugt, aber zugleich auch voller Tatendrang. "Das ging schon an die Substanz", sagte der 59-Jährige nach der wegweisenden Mitgliederversammlung in München und versicherte: "Wir machen volle Pulle weiter. Wir haben einen Plan, eine Vision und wissen, wie es geht."

Reindl hatte allen Grund zur Zufriedenheit. Der schwer angeschlagene Deutsche Eishockey-Bund (DEB) hat jetzt zumindest die Chance, sich wieder Luft zu verschaffen. Das Fundament für eine Finanzreform wurde gelegt, weil sich die Eishockey-Familie wie erhofft kompromissbereit und nicht zerrissen präsentierte.

Lob vom DOSB

Der DEB und die Landesverbände verständigten sich auf ein überlebenswichtiges Sanierungskonzept, um einen Weg aus der Misere zu finden. Notwendige Satzungsänderungen sollen bei einer erneuten außerordentlichen Versammlung im Frühjahr 2015 verabschiedet werden. "Wir haben die nötigen Beschlüsse auf den Weg gebracht, es geht jetzt sofort los", sagte Reindl.

Lob gab es vom DOSB. "Es ist ein mustergültiges Neuanpacken beim DEB. Wer seine Schwachpunkte so plakativ darstellt, ist schon ein gutes Stück weiter", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann.

Man ist noch nicht über den Berg

Das Damoklesschwert der Insolvenz ist mit der demonstrierten Einigkeit des Wochenendes dennoch nicht gänzlich verschwunden, der DEB braucht für die kommenden Jahre dringend frische Einnahmequellen. "Der Druck bleibt hoch", sagte Reindl, der vor drastischen Maßnahmen nicht zurückschrecken wird: "Man reißt alte Zöpfe weg, ohne die Schere zu benutzen", gab er zu.

Für DEB-Finanzchef Berthold Wipfler war die Möglichkeit zur Finanzreform ebenso das alles entscheidende Element. Er hatte zuvor noch einmal die derzeit düstere Zukunftsprognose aufgezeigt.

Ehe die Heim-WM 2017 wieder frisches Geld in die Kassen spült (kalkuliert 1,44 Millionen), rechnet der DEB bis dato für die kommenden zwei Jahre mit einem dicken Minus in der Bilanz: 306.400 Euro 2015 und 682.400 Euro 2016. Nach dem Geschäftsjahr 2014 wird sich ohnehin ein Minus von 400.000 Euro angehäuft haben.

Ohne die Sanierungskonzeption "müsste man 2018 die Lichter am Betzenweg ausmachen", hatte Wipfler gesagt. Der Verband benötigt ab 2015 jährlich zusätzlich 600.000 Euro, um seine Strategien umsetzen zu können. Reindl will ab 2026 um Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen mitspielen.

Wipfler schlug einen sogenannten "Tag des deutschen Eishockeys" vor. Dieser solle bei den 28 Klubs der ersten beiden Ligen DEL und DEL2 stattfinden und Einnahmen generieren, die dem DEB zukommen. Von allen Seiten wurde Hilfe zugesichert. Auch DEL-Aufsichtsrat und DEB-Vizepräsident Daniel Hopp bekräftigte ebenso noch einmal die Absicht der Topliga, "sich zu engagieren. Zur Rettung des Mutterschiffs wird es einen Beitrag geben", sagte er.

Rene Fasel sprach vom "Eingeschlafenen Riesen"

Beim ersten Eishockey-Dialogtag am Samstag war es zuvor noch einmal um eine Bestandsaufnahme gegangen und heftig diskutiert worden. Wipfler hatte dabei sogar eine Drohkulisse aufgebaut. Er sprach offen eine Abspaltung von den Landesverbänden an, sollten die sich einer Reform verweigern. "Wir werden unsere Folterinstrumente zeigen", stellte er resolut klar. Am Sonntag war davon nach dem Schulterschluss nichts mehr zu hören.

Weltverbandspräsident Rene Fasél hatte bei seinem Besuch ein denkbar schlechtes Zeugnis ausgestellt. Fasél sprach von einem "kranken Patienten" und "eingeschlafenen Riesen". Das Verpassen von Olympia 2014 sei ebenso bedenklich gewesen wie das schlechte Abschneiden der deutschen Klubs in der Champions League. Man müsse jetzt "ehrlich" zu sich selbst sein, erklärte Fasél.

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