Augsburg-Coach Larry Mitchell im Interview

"Wir haben schon vielen die Augen geöffnet"

Von Interview: Daniel Riedmüller
Freitag, 24.09.2010 | 11:02 Uhr
Da lang! Larry Mitchell ist seit 2007 Trainer in Augsburg. Sein größter Erfolg: Vizemeister 2010
© Getty
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Larry Mitchell ist der Mann, der die Augsburger Panther aus dem Dornröschenschlaf geweckt hat. Mit dem kleinsten Etat der Liga stürmte er in der vergangenen Saison mit seinem Team zur Vizemeisterschaft. Zu Beginn der neuen Saison hatte Mitchell mit Problemen zu kämpfen: Viele Spieler waren weg, das Stadion nicht bespielbar und der Etat ist immer noch der kleinste. Dennoch: Nach fünf Spieltagen steht Augsburg auf dem zweiten Tabellenplatz.

Die DEL-Saison ist erst wenige Spieltage alt, dennoch scheinen die Augsburger Panther ihren Siegeszug fortzusetzen.

Momentan liegt die Truppe von Larry Mitchell knapp hinter Top-Favorit Mannheim auf Rang zwei. SPOX sprach mit dem Macher aus Augsburg.

SPOX: Alle Experten prophezeiten Augsburg einen schweren Saisonstart. Sind sie selbst überrascht, dass sie so gut in die Saison gekommen sind?

Larry Mitchelll: Es stimmt, es gibt momentan viele Hindernisse. Wir haben kein eigenes Stadion und wir mussten alle Ausländer ersetzen. Aber wir haben schon in der Vorbereitung gemerkt, dass wir gute Leute gefunden haben. Zusätzlich konnten wir einige gute deutsche Leistungsträger halten. Trotzdem bin ich ein bisschen überrascht, vor allem, weil wir viel auswärts gespielt haben. In Deutschland bekommt man auswärts leider immer mehr Strafzeiten als der Gegner. Das war bis jetzt auch bei uns der Fall.

SPOX: Ist der Vizemeister-Titel wiederholbar? Oder könnten Sie ihn vielleicht sogar toppen?

Mitchell: Wir haben das nicht als Ziel ausgegeben, das ist nicht unser Anspruch. Aber wir haben jetzt schon vielen die Augen geöffnet. Wenn man einen Lauf hat, dazu noch einen guten Torwart und dann auch noch das nötige Glück dazukommt, ist alles möglich. Wir hätten sicherlich nichts dagegen, wenn wir das Ganze wiederholen könnten.

SPOX: An was denken Sie als erstes, wenn Sie an die letzten Playoffs erinnert werden?

Mitchell: Klar an die Vizemeisterschaft, aber vor allen Dingen an die Euphorie in der Stadt. Eine einmalige Situation, die ich sicherlich nie in meinem Leben vergessen werde.

SPOX: Wie schätzen Sie ihr Team im Vergleich zur Vorsaison ein?

Mitchell: Nach fünf Spieltagen ist es schwer, einen Vergleich zu ziehen. Ich habe großen Respekt für die Spieler, die letztes Jahr hier gespielt haben. Sie haben Großartiges geleistet und mit dem kleinsten Etat der Liga die Vizemeisterschaft erreicht. Die Neuen sind ja erst seit acht Wochen da und zeigen bisher eine super Arbeitseinstellung. Die Mischung passt, sie haben sich schnell zu einer Einheit geformt. Was mit diesem Team möglich ist, werden wir dann später sehen.

SPOX: Sie sind als gewiefter Analytiker und Statistik-Fan bekannt. Da dürfte ihnen der Blick auf Scorer-Liste sehr gut gefallen.

Mitchell: Allerdings. Darin Olver hat letztes Jahr schon sehr, sehr gut mit seiner Reihe harmoniert. Obwohl er zwei neue Partner an seine Seite bekommen hat, knüpft er jetzt dort an, wo er letztes Jahr aufgehört hat. Vielleicht passen die Neuen noch besser zu ihm. Es zeigt zumindest schon mal, dass wir keine Schlechten geholt haben.

SPOX: Besonders auffällig waren die drei Unterzahl-Tore gegen Düsseldorf. Was haben Sie ihren Penalty-Killing-Jungs mit auf den Weg gegeben?

Mitchell: Das hab ich auch noch nie gesehen (lacht). Das kam auch deswegen, weil wir viel Unterzahl spielen mussten. In erster Linie müssen wir diese Situationen ohne Gegentor überstehen, aber die Spieler haben grünes Licht von mir, den Gegner früh zu stören. Das trainieren wir auch so. Zwei Tore haben wir geschossen, weil meine Jungs den DEG-Spielzug vorausgesehen und druckvoll agiert haben.

SPOX: Mit einem Gesamtetat von 3,5 Millionen Euro sind sie das Schlusslicht der DEL. Trotzdem haben Sie erneut eine schlagkräftige Truppe zusammen. Wäre es mit mehr Geld einfacher? Oder reizt sie gerade diese Aufgabe in Augsburg?

Mitchell: Ich bin sehr dankbar für diese Gelegenheit, die mir die Panther vor dreieinhalb Jahren gegeben haben. Und ich versuche mein Bestes zu geben, um zu zeigen, dass man auch mit wenig Geld Großes erreichen kann. Klar würde ich mir auch andere Angebote anhören, aber momentan bin ich in Augsburg glücklich und genieße den Erfolg mit den Panthern.

SPOX: Momentan steht nur der Liga-Krösus aus Mannheim vor ihrem Team. Muss da bereits das Saisonziel nach oben korrigiert werden? Der zehnte Platz ist ja ausgelobt.

Mitchell: Nein, wir werden dieses Ziel nicht schon nach dem 5. Spieltag ändern. Sicherlich sind wir mit den zwölf Punkten und vor allem mit unserer Spielweise sehr zufrieden. Uns ist aber auch bewusst, dass die Saison sehr lange ist und wir auch wie im letzten Jahr Höhen und Tiefen erleben werden.

SPOX: Durch den Umbau des Curt-Frenzel-Stadions sind sie gezwungen, die ersten sieben Spieltage auswärts anzutreten. Das macht den erfolgreichen Saisonstart noch außergewöhnlicher.

Mitchell: Da wir viel miteinander im Bus oder im Hotel zusammen sitzen, sind wir schnell zu einer Einheit geworden. In der Vorbereitung waren wir gemeinsam bei einem Golfturnier und aufs Oktoberfest werden wir auch noch gehen.

SPOX: Was erwarten Sie sich vom ersten Heimspiel am 3. Oktober gegen Hannover?

Mitchell: Leider haben wir momentan nur eine Kapazität von 3000 Zuschauerplätzen, aber die Spiele werden sicher ausverkauft sein. Die alten Spielern haben den Neuen bereits erzählt, was bei uns los ist. Wie unsere Zuschauer letzte Saison in den Playoffs zu uns gestanden sind, das war schon toll.

SPOX: Mit Dennis Endras haben Sie den deutschen Nationaltorhüter und einen kommenden NHL-Crack im Kasten. Wie wichtig ist Endras für das Team?

Mitchell: Jeder weiß, dass der Torwart im Eishockey die vielleicht wichtigste Rolle hat. Ich arbeite jetzt schon seit sechs Jahren mit Dennis zusammen und mich kann er eigentlich nicht mehr überraschen. Ich schätze seine Arbeitseinstellung, wie er seinen Sport liebt und alles dafür tut, dass er Erfolg hat. Jeder einzelne Spieler hat gesehen, wie schnell seine Beine sind. In jedem Training und in jedem Spiel gibt er keine Scheibe verloren. Es ist gut, dass er bei uns und nicht beim Gegner im Tor steht.

SPOX: Neues Team, Nationaltorhüter, Vizemeister - diese Faktoren treffen auch auf Felix Magath und Schalke 04 zu. Haben Sie Tipps für Magath?

Mitchell: Nein, Felix Magath hat schon gezeigt, was für ein erfolgreicher Trainer er ist. Mir steht es nicht zu, ihm Tipps zu geben. Ich versuche mich auf meinen Job zu konzentrieren, denn ich weiß, wir schwierig der Trainerjob ist.

SPOX: Freuen Sie sich schon auf die Derbys gegen den Aufsteiger aus München? Die Fans in beiden Städten können es kaum erwarten.

Mitchell: Ja, Derbys sind natürlich in jeder Sportart etwas besonderes. Die Zuschauer sind sehr heiß auf diese Spiele, wir kennen das ja schon von Ingolstadt und Nürnberg.

Dennis Endras im SPOX-Interview

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