DEL-Playoffs: SPOX-Final-Check

Eine Prognose? Fast unmöglich

Von Jan Teuner
Montag, 19.04.2010 | 18:31 Uhr
Travis Scott wehrte in den Playoffs bislang 92,5 Prozent der gegnerischen Schüsse ab
© Getty
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Schon im Halbfinale war klar, dass es einen neuen DEL-Meister geben wird. Doch selten zuvor waren die Rollen so wenig klar verteilt wie in diesem Jahr. Bei allen bislang widerlegten Prognosen scheint nur noch eine These Bestand zu haben: Der Finalausgang hängt im entscheidenden Maße von der Defense, genauer dem Goalie ab. SPOX hat die Schlüsselposition beleuchtet und wagt eine Prognose, wer das Finale gewinnt.

Der Spruch ist so alt wie wahr: "Offense wins games, defense wins championships". Mit selbstverständlicher Regelmäßigkeit wird die These Titelkampf für Titelkampf belegt - und das durch sämtliche Sportarten hindurch. Das Wort "Defense" aber konzentriert sich besonders im Eishockey, besonders in den Playoffs, auf nur noch eine Position: Den Goalie.

"Ein Torwart macht beim Eishockey mehr als 50 Prozent aus. Du denkst als Goalie ganz anders, weil du weißt, dass du dir überhaupt keinen einzigen Fehler erlauben darfst ", sagt Torwart-Legende Peppi Heiß im Gespräch mit SPOX. Grund genug, im DEL-Finalcheck diese Schlüsselposition noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Hannover Scorpions (4) - Augsburger Panther (8)

Saisonbilanz: 2:2 (4:5 SO, 4:1, 4:3, 3:5)

Ausgangslage: Die Hannover Scorpions starteten fulminant in ihr Halbfinale gegen die Ingolstadt Panther - gewannen mit 6:0 und 4:1. Doch Vorsicht: So klar wie die Ergebnisse waren die Duelle zwischen beiden Teams nicht. Es war vor allem die gnadenlose Effektivität der Scorpions, die besonders Ingolstadts Dimitri Pätzold alt aussehen ließ. Der hielt zwar, was zu halten war, darüber hinaus aber zu wenig. In Spiel 3 bewiesen die Scorpions aber nicht nur Moral, sondern auch, dass sie durchaus das Kommando übernehmen können und drehten einen 1:4-Rückstand. Im letzten Drittel schnürten sie die müde wirkenden Ingolstädter regelrecht ein (16:4 Torschüsse) und verdienten sich den 5:4-Sieg nach Verlängerung.

Die Augsburger Panther fühlen sich in der Rolle des Außenseiters pudelwohl, wie auch Trainer Larry Mitchell zugibt. Doch ist ein Team, dass nacheinander Rekordmeister Adler Mannheim, Titelverteidiger Eisbären Berlin und den Pokalsieger Wolfsburg rauswirft, überhaupt noch Außenseiter? Ein Team, das zudem sämtliche Scorer-Statistiken (Beechey nach Punkten, Collins nach Toren) anführt und den überragenden Goalie (Endras) der Playoffs als Rückhalt hat? Es wird schwierig für Augsburg, wieder vornehmlich aus der Defensive zu agieren, zumal auch Hannover eher auf Konter setzt. In den entscheidenden Situationen konnte sich Augsburg aber immer auf einen Faktor verlassen. In Spiel 1 auf Collins (3 Tore), in Spiel 2 auf Endras (Shutout) und in Spiel 4 auf die heimische Kulisse und die Energieleistung der gesamten Mannschaft.

Die Schlüsselpostion: Als Travis Scott nach Hannover kam, hatten die Scorpions gerade erst die rote Laterne abgegeben. Kein Grund für den kanadischen Goalie, nicht große Ziele zu verkünden. Meister wolle er werden - bei seinem ersten Auftritt gegen seinen Ex-Verein Köln hielt er allerdings nur drei Schüsse und musste nach dem ersten Drittel beim Stande von 1:4 vom Eis. Die Scorpions egalisierten die Partie in den letzten zehn Minuten, glichen ein 1:5 aus und gewannen nach Verlängerung. Für den Siegeswillen, den Hannover seit dieser Partie an den Tag legt, steht aber sonst vor allem Scott. "Er will gewinnen", sagt Trainer Zach über ihn. "Das sagen andere auch, aber er tut auch alles dafür." Dazu kommt die Routine des 35-jährigen Goalies mit dem etwas unorthodoxen Spielstil, der mit Magnitogorsk Metallurg und dem Klagenfurter AC auch schon internationale Titel gewann.

An Dennis Endras führt kaum ein Weg vorbei - weder für die gegnerischen Stürmer, noch wenn man über die Augsburger Erfolgsgaranten spricht. In den Playoffs beeindruckt der deutsche Nationalkeeper mit einer Fangquote von 94,1 Prozent. Zudem agiert er trotz seiner jungen 24 Jahre und obwohl er gerade erst seine zweite komplette DEL-Saison bestreitet, routiniert wie ein alter Hase. Selbst die sechs Gegentreffer in Spiel 3 gegen Wolfsburg brachten ihn nicht aus der Ruhe. Im folgenden Heimspiel brachte er die Stürmer der Grizzly Adams wieder reihenweise zur Verzweiflung und war nur von Kai Hospelt zu bezwingen. Außerdem weiß auch Endras, wie sich Titelgewinne anfühlen und war schon einmal der überragende Rückhalt. Mit dem EV Landsberg gewann er 2005/06 die Oberliga-Meisterschaft. Gegner im Halbfinale waren übrigens die Hannover Indians, gegen die er im entscheidenden Spiel 5 im Penaltyschießen alle Versuche abwehrte. Dennis Endras scheint bereit für den nächsten (größeren) Titel.

Prognose: Vor Spiel 1 ist die Rollenverteilung alles andere als klar, Augsburg längst kein Außenseiter mehr.  Favorit ist wohl eher das Team, das nicht gezwungen ist zu agieren. Spannend wird also sein, welches Team zuerst die defensive Zurückhaltung ablegt und ob es dafür belohnt wird. Denn derzeit scheint bei beiden Teams alles zu passen und auf den Titel ausgerichtet zu sein. Augsburg mit der wohl einzigen Titelchance auf lange Zeit, da das Team nach der Saison auseinander fallen wird. Auch für Hans Zach ist es die letzte Titel-Gelegenheit, und da hat er sicher noch das eine oder andere Ass im Ärmel. In einer langen Serie könnte die Kraft den Ausschlag gehen, zumal Augsburg schon drei Playoff-Spiele mehr in den Knochen hat, und Hannover außerdem auf vier Sturmreihen zurückgreifen kann. Auch die unglaubliche Kulisse in Augsburg könnte die Panther in einem entscheidenden Spiel 5 nicht nach vorne peitschen. Hannover in fünf.

Armenhaus der Liga greift nach dem Titel

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