Real Madrid vor dem Saisonstart

Ein Team, Europa zu knechten

Von Robert Heusel
Freitag, 09.10.2015 | 10:19 Uhr
Die Creme de la Creme des europäischen Basketballs spielt in Madrid
© getty
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20 Jahre nach ihrem letzten Erfolg gewann Real Madrid vergangene Saison erstmals wieder den Titel in der Euroleague. Unter Coach Pablo Laso waren die Königlichen bereits zum dritten Mal in Folge im Endspiel vertreten - hat eine neue Ära im europäischen Basketball begonnen? Der Kern des Erfolgsteams wurde zuletzt Europameister mit Spanien und geht auch in der anstehenden Saison wieder für Real auf Korbjagd. Auch die Neuzugänge lesen sich vielversprechend.

Lange mussten die Basketballer von Real Madrid auf einen internationalen Titel warten; für die Ansprüche der Königlichen viel zu lange. 2006/07 holte man zwar den ULEB-Cup, den Vorläufer des heutigen Eurocup, in die spanische Hauptstadt, doch der letzte Titel vor dem Sieg beim Final Four 2015 in der Königsklasse lag bereits 20 Jahre zurück.

Als unter Ettore Messina der sehnlich erhoffte internationale Erfolg ausblieb, gingen die Verantwortlichen 2011 ins Risiko und verpflichteten mit Pablo Laso einen bis dato eher unbekannten Coach.

"Triple crown"

Dieser Schachzug zahlte sich aus: Laso baute um das Trio Rudy Fernandez, Sergio Rodriguez und Sergio Llull ein Team, das den europäischen Basketball prägen sollte. Nachdem man sich 2013 und 2014 noch im Finale der Euroleague Olympiacos Piräus respektive Maccabi Tel Aviv geschlagen geben musste, zahlte sich die kontinuierliche Arbeit Lasos in der vergangenen Saison aus.

In der ACB holte das Team die Meisterschaft vom großen Rivalen aus Barcelona zurück und auch im Pokalendspiel wurden die Katalanen besiegt. Beim Final Four in eigener Halle krönte sich Real durch einen deutlichen Erfolg über Olympiacos verdientermaßen zum Euroleague-Champion.

Pass-first-Entertainment

"Das Publikum möchte Entertainment. Ich will, dass mein Team gut und ansehnlich spielt, damit sich die Fans damit identifizieren können." Dieser Satz beschreibt die Spielidee Lasos relativ kurz und prägnant. Real bevorzugt den Extrapass, geht selten in 1:1-Situationen.

Es ist also kein Wunder, dass Real vergangene Saison mit 33(!) Assists in einem Spiel einen neuen Euroleague-Rekord aufstellte. Die Center werden im Lowpost gefüttert, geben dann Ball dann aber auch wieder nach außen, wo dann in zahlreichen Varianten das Pick and Roll zelebriert wird.

"Ich mag das, weil jeder Spieler ins Spiel involviert ist. Zudem sind wir nicht leicht auszurechnen", sagt Laso. Für diesen Stil ist das richtige Spielermaterial und eine optimale Abstimmung notwendig. Real Madrid hat beides.

Kontinuität ist Trumpf

Real ist das beste Beispiel, wie wichtig Kontinuität bei der Entwicklung eines erfolgreichen Teams ist. Der Kern der Mannschaft um Euroleague-Legende Felipe Reyes, Rodriguez, Fernandez, Llull und Scharfschütze Jaycee Carroll spielt seit mindestens drei Jahren zusammen und hat Lasos Philosophie verinnerlicht.

Das beeindruckende Selbstverständnis der spanischen Riege zeigte sich zuletzt auch bei der Endrunde der Eurobasket im französischen Lille. Nach anfänglichen Problemen in der Vorrunde kam das Team angeführt vom überragenden Point-Guard-Duo Llull/Rodriguez immer besser in die Spur und verlor ab dem 4. Spieltag der Gruppenphase kein einziges Spiel mehr.

Für Llull, Rodriguez, Fernanadez und Reyes war der Erfolg mit der spanischen Nationalmannschaft der vierte Titel der Saison 2014/15 - teilweise auch ein Verdienst der Kontinuität im Kader von Madrid.

Hernangomez kommt zurück

Das königliche Quartett der Nationalmannschaft wird in der kommenden Saison durch Guillermo Hernangomez erweitert. Der 21-jährige Center gilt als eines der größten europäischen Talente auf seiner Position und kehrt nach zwei Jahren Leihe bei CB Sevilla zurück.

In Sevilla hatte Hernangomez beste Voraussetzungen, sich auf höchstem Niveau zu entwickeln. Im Eurocup erarbeitete sich "Willy" knapp 17 Minuten Spielzeit und nutze diese zu starken 8 Punkten und 4,6 Rebounds pro Partie.

Zurück bei Real wird Felipe Reyes, seines Zeichens bester Rebounder der Euroleague-Geschichte und amtierender MVP der ACB, Hernangomez unter seine Fittiche nehmen und versuchen ihn auf das nächste Level zu hieven. Zusammen mit Llull, Fernandez, Rodriguez und Reyes bildet er die spanische Achse, die zusammen mit Carroll das Grundgerüst im System von Laso darstellt.

Erfahrung ergänzt Kontinuität

Jeweils in ihre zweite Saison in Madrid gehen der Litauer Jonas Maciulis, Routinier Andres Nocioni und Center Gustavo Ayon. Das Trio verfügt über unglaublich viel Erfahrung und ist mit allen Wassern gewaschen.

Während Gustavo Ayon 2014 aus der NBA nach Spanien kam, kehrte der Argentinier Nocioni bereits 2011 aus den USA zurück und spielte vor seinem Engagement in Madrid bei Laboral Kutxa Vitoria.

Ayon erlebt im Alter von 30 Jahren aktuell seinen zweiten Frühling; im Konstrukt von Laso hat er genau den für sich passenden Spot gefunden. Der bullige Mexikaner arbeitet unter beiden Brettern und erledigt die oft ungeliebte Drecksarbeit, die in keinem Statistikbogen auftaucht. Beflügelt vom Triple überragte Ayon im Sommer bei den FIBA Americas mit Werten von 17,7 Punkten, 12,4 Rebounds und 3,5 Assists pro Spiel.

Musterprofi Nocioni

Ein Spieler wie Nocioni ist ohnehin über jegliche Zweifeln erhaben - es gibt wohl keinen Trainer in Europa, der Nocioni nicht gerne in seinem Kader hätte. Zu Recht trägt der Argentinier den Spitznamen "Chapu", angelehnt an einen lateinamerikanischen Comic-Helden.

Trotz seiner mittlerweile 35 Lenze ist der 2,01m große Nocioni immer noch ein Musterprofi, der jedem jungen Spieler ein Vorbild sein kann. Auf Grund seines soliden Distanzwurfes kann gibt er dem Coach einige taktische Möglichkeiten, kann auf der Position des Power Forwards für Spacing sorgen oder auch die große Flügelposition bekleiden.

Auf der Small Forward - Position hat Pablo Laso mit Maciulis einen weiteren Trumpf als Backup von Fernandez in der Hinterhand. Auch er bringt die Euphorie einer bärenstarken Eurobasket mit zurück zu den Königlichen.

Mit knapp 14 Punkten und 6 Rebounds pro Spiel war Maciulis der Schlüsselspieler für Litauen und mitverantwortlich für den Vizetitel. Zudem klaute der 30-jährige dem Gegner 1,9 Mal pro Spiel den Ball - so oft wie kein anderer Akteur im Turnier.

Schwachstelle behoben?

Im Starensamble der abgelaufenen Saison wurde einzig der griechische Koloss Ioannis Bourousis als einzige kleine Schwachstelle ausgemacht. Der 2,10m-Center sei zu langsam, in seinem Spiel zu eindimensional und als reiner Brettcenter aus der Distanz zu ungefährlich, lautete das Urteil der spanischen Presse.

Nach zwei Spielzeiten war die Zeit des Griechen bei Real abgelaufen, denn Sportdirektor Juan Carlos Sanchez-Lazaro verpflichtete mit Trey Thompkins einen der Senkrechtstarter der vergangenen Saison.

Thompkins mischte mit Nizhny Novgorod das Konzert der etablierten Teams auf und spielte sich durch seine starke Leistung in den Fokus der Königlichen.

Der US-Amerikaner ist praktisch der krasse Gegensatz zu Ioannis Bourousis: der 2,08m lange Modellathlet kann nicht nur in Brettnähe agieren, sondern trifft auch aus der Distanz mit akzeptabler Quote (37 Prozent Trefferquote) und ist von der Freiwurflinie sehr sicher (83 Prozent Trefferquote). Zusammen mit Ayon, Reyes, Hernangomez und Nocioni bildet Thompkins einen Frontcourt, der alle Facetten des Spielsystems von Pablo Laso bedient.

Taylor für Rivers

Für den angewanderten Flügelspieler K.C. Rivers verpflichtete Real Jeffrey Taylor von den Charlotte Hornets aus der NBA. Dort machte er zuletzt weniger durch sportliche Leistung als durch Eskapaden außerhalb des Spielfeldes von sich reden. So bekannte sich Taylor beispielsweise in einem Prozess wegen häuslicher Gewalt und Sachbeschädigung für schuldig.

Der Neuzugang ist wohl das einzige Fragezeichen im Team von Real Madrid. Gelingt es Laso, Taylor in die Spur zu bekommen und ruft dieser sein Potenzial vollständig ab, dann ist er unbestritten eine Verstärkung.

Komplettiert wird der Kader vom erst 16-jährigen Slowenen Luka Doncic, der in spanischen Medien bereits als der neue Ricky Rubio gehandelt wird. In der abgelaufenen Saison kam der Combo-Guard als drittjüngster Spieler der Geschichte der ACB zu Pflichtspieleinsätzen und wird auch weiterhin behutsam an das Level in Madrid herangeführt werden.

Topfavorit auf den Titel

Reals Kader ist gespickt mit Hochkarätern, auf jeder Position ist man doppelt auf allerhöchstem europäischen Niveau besetzt. Die Taktgeber Llull und Rodriguez werden wohl weiterhin den wahrscheinlich ästhetischsten Basketball Europas zelebrieren und in der Euroleague als absoluter Topfavorit an den Start gehen.

Die Ära "Real Madrid unter Pablo Laso" hat längst begonnen und in der spanischen Hauptstadt wird man vermutlich nicht wieder 20 Jahren auf den nächsten Titel in der Königsklasse warten müssen. Vielleicht auch nur bis zum 15. Mai 2016, denn dann findet das Finale der Euroleague in Berlin statt. Und da ist Real ja seit drei Jahren Stammgast.

Der Kader von Real Madrid im Überblick

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