PES WM Nachbericht

Das gibt es nur bei PES: Portugal ist Weltmeister

Von SPOX
Producer Shingo "Seabass" Takatsuka gab Auskunft über die neue Version PES 2011
© SPOX

Vierzig Profis, achtzehn Konsolen, eine Weltmeisterschaft. Zum ersten Mal wurde am Wochenende auf Mallorca der weltweit beste Spieler von "Pro Evolution Soccer 2010" ermittelt. Mit am Start auch zwei deutsche Spieler.

Was passiert, wenn man 40 Gaming Profis in einen Raum mit 18 PS3-Konsolen steckt, auf denen Pro Evolution Soccer 2010 läuft? Vergangenen Samstagabend konnte man das auf Mallorca beobachten.

Die ersten World-Finals der besten PES-Spieler aus aller Welt fanden in einem liebevoll hergerichteten Saal statt. Ein Fußballteppich am Boden, im Anstoßkreis eine Plattform für Moderation und Finalspiele, rings herum noch mehr Flachbildschirme als in einer Folge "Pimp my Ride" verbaut werden. Vor dem Beginn der Weltmeisterschaft ein freundlicher Raum.

Doch nur fünf Minuten später haben die Teilnehmer das Feld geentert. Auf einmal fühlt es sich an wie ein Kindergeburtstag mit professioneller Sitz-Schnitzeljagd. In der Luft liegen Hochspannung, Adrenalin und testoterongeschwängerte Jubelschreie. Hier geht es um eine ernste Sache, denn PES-Weltmeister wird man nicht alle Tage.

Die Anspannung der Teilnehmer ist verständlich. In über 2500 nationalen Turnieren haben sich die glücklichen 40 gegen über 100.000 andere Spieler durchgesetzt. In Gruppenphase und K.O.-Runde spielen sie nun den Besten unter sich aus. Zum ersten Mal in einem Turnier mit Spielern vom gesamten Globus.

Das gibt es nur bei PES - Portugal ist Weltmeister

Unter ihnen auch zwei deutsche Teilnehmer. Dennis Winkler (Deutscher Meister 2010) und Sven Wehmeier (Deutscher Rankingsieger) sind mit großen Zielen nach Mallorca gereist. Bei den letzten Europameisterschaften sind sie nur knapp am Titel vorbeigerutscht, nun muss es eben bei der Weltmeisterschaft klappen.

Für den 21 Jahre alten Dennis ist dieser Traum aber schon nach der Vorrunde vorbei. In seinen Gruppenspielen fehlt ihm in der Offensive das Glück, auch ein Teamwechsel von Brasilien auf Argentinien hilft ihm dabei nicht weiter. Bei seinem letzten PES-Turnier kommt er nicht über die Gruppenphase hinaus.

Besser läuft es für Sven, der sich souverän gegen seine Gruppengegner durchsetzen kann. Im Halbfinale erwischt er allerdings einen schlechten Start. Nach einem unglücklichen Rückstand hat er gegen den Portugiesen Christopher keine Chance. Mit 1:5 geht die Partie verloren.

Immerhin: Er ist gegen den späteren Weltmeister ausgeschieden. Denn der Portugiese setzt sich in einem taktischen Finale knapp mit 2:1 gegen den Italiener "Ettorito97" durch. Portugal ist Weltmeister. Die Möglichkeiten bei PES sind einfach grenzenlos.

Mehr Brasilianer als an der Copacabana

Was sind die Erkenntnisse des ersten weltweiten PES-Turniers? Zunächst die offensichtlichste: Die Nationalmannschaft von Brasilien wird von den Profis als bestes Team der 2010er Version eingeschätzt. Auf den Monitoren wuselten mehr von den Südamerikanern durch den Raum als beim Karneval an der Copacabana.

Wer bei dieser Vorstellung aber ein Festival von Tricks und Finten vor dem geistigen Auge hat, liegt falsch. Denn bei den professionellen Spielern geht es um Effizienz. Kurze Pässe und immergleiche Angriffe über die Außenpositionen prägten deshalb die Weltmeisterschaft. Selbst ein Miroslav Klose hätte nie so oft alleine vor dem Tor den Ball noch quer gelegt wie es die virtuellen Kollegen in Händen der Teilnehmer tun mussten. Für den Laien war es zum Verzweifeln.

Auffällig war außerdem die Fixierung eines jeden Angriffs auf einen "Zielspieler". Meist wurde der Ball in Richtung von Kaka getragen - und erst dann begann die eigentliche Suche nach dem Torabschluss. Felix Magath wäre der Krawattenknoten geplatzt, hätte er die zahlreichen Überzahlkonter mitverfolgt, die ohne Abspiel vertändelt wurden. Aber ein Kaka mit Ball scheint für die professionellen Gamer mehr wert zu sein, als eine numerische Überlegenheit vor dem Tor.

Bei Rückstand Umstellung auf ein mörderisches 4-2-4

Für Anhänger von Angriffsfußball gab es allerdings einiges zu sehen. Die meisten Partien waren ein offener Schlagabtausch ohne Beton in der Abwehr. Bei Rückstand in der zweiten Halbzeit wurde oft vom 4-3-3 auf ein 4-2-4 umgestellt. Hiddink hatte es bei der WM 2002 mit den Südkoreanern vorgemacht, die Gamer machten die Taktik acht Jahre später unbewusst nach.

Und auch andersherum dürfte sich der Fußball gerne ein Scheibchen von seiner virtuellen Umsetzung abschneiden: Egal wie dramatisch die Spiele waren - sie liefen fast ohne Ausnahme ausgesprochen fair ab. Vielleicht dienten die Handshakes nach den Partien aber auch nur dazu, die um das Pad verkrampften Finger zu lockern...

Insgesamt war das erste weltweite PES-Turnier ein toller Auftakt für weitere Wettbewerbe. Das Ambiente war so professionell wie die Konzentration der Teilnehmer.

Die merkten oft gar nicht, was sich hinter ihrem Rücken abspielte. Und so konnte auch PES-Chefentwickler Shingo "Seabass" Takatsuka ungestört beobachten, wie die Besten der Welt Pro Evolution Soccer spielen. Er wird aufmerksam registriert haben, wie das Spiel am effektivsten ausgenutzt wird.

Mit dem neuen Passsystem in "Pro Evolution Soccer 2011" ändert sich nun das Gameplay im nächsten Jahr von Grund auf. Die Spiele dürften kreativer werden, Spanien die brasilianische Nationalmannschaft als bestes Team der Welt ersetzen.

Die World Finals 2010 sind vorbei, aber in einem sind sich realer und virtueller Fußball immer gleich: Vor dem Spiel ist nach dem Spiel. Neuanpfiff ist am 30. September wenn die neueste Version von PES erscheint.

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