Marathon-Ballwechsel und andere Rekorde

Dienstag, 05.02.2013 | 15:18 Uhr
© tennisnet // J. Hasenkopf

tennisnet.com präsentiert die Spiele, die es in die Geschichtsbücher geschafft haben.

Von Christian Albrecht Barschel

Zwei Doppelmatches, ein unfassbares Damenmatch und insgesamt sechs Spiele im Davis Cup stehen in der Liste der zehn längsten Tennismatches. Gleich zwei Spieler haben es sogar doppelt in diese Rekordliste geschafft.

Platz 10: 5:53 Stunden

Australian Open 2012: Finale

Novak Djokovic - Rafael Nadal 5:6, 6:4, 6:2, 6:7 (5), 7:5

Ob es das beste Grand-Slam-Finale im Herrentennis war, darüber lässt sich kräftig streiten. Eines ist aber sicher: Es war das längste Grand-Slam-Finale, das bislang gespielt wurde. Die Rede ist von der historischen Schlacht zwischen Novak Djokovic und Rafael Nadal im Finale der Australian Open 2012. Die beiden Finalisten lieferten sich 5:53 Stunden lang einen Kampf auf Biegen und Brechen. Das Endspiel hatte nahezu alles, was man sich als Tennis-Fan wünschen kann.

Es war ein Spiel auf Augenhöhe mit vielen atemberaubenden Ballwechseln, vielen Wendungen und ganz viel Emotionen. Um 1:37 Uhr Ortszeit verwandelte Djokovic seinen ersten Matchball und fiel anschließend einfach um. Bei der Siegerehrung konnten die beiden Matadore kaum stehen. Es mussten Stühle gereicht werden, auf denen beide erschöpft zusammensackten. "Rafa, wir haben heute Geschichte geschrieben. Leider konnte es heute nur einen Sieger geben", sagte Djokovic nach seiner erfolgreichen Titelverteidigung in Melbourne.

Platz 9: 5:59 Stunden

Davis Cup 2009: Halbfinale Kroatien - Tschechien

Radek Stepanek - Ivo Karlovic 6:7 (5), 7:6 (5), 6:7 (6), 7:6 (2), 16:14

Ivo Karlovic reichten 78 Asse (damals Weltrekord) und vier Matchbälle nicht aus, um Kroatien im Davis-Cup-Halbfinale 2009 gegen Tschechien in Führung zu bringen. Der Kroate unterlag Radek Stepanek nach knapp sechs Stunden und war anschließend natürlich frustriert. "Ich fühle mich so, als ob ich in einem 10-Runden-Boxkampf war. Alles schmerzt. Ich habe mein Bestes gegeben, aber Stepanek war immer präsent. Nach der Niederlage bedeutet mit der Aufschlagrekord nur wenig."

Erstaunlich ist, dass es auf dem Sandplatz im kroatischen Porec nur insgesamt drei Breaks gab. Zwei im ersten Satz sowie das matchentscheidende Break von Stepanek zum 15:14. "Es war wie eine Lotterie, ich habe es geschafft, meine Chancen zu nutzen. Es war ein langes und anstrengendes Match, aber wenn du für dein Land spielst, ist es das wert. Es hätte nichts ausgemacht, wenn es noch ein paar weitere Stunden länger gegangen wäre", freute sich Stepanek, der damit den Halbfinalsieg der Tschechen in Kroatien einleitete.

Platz 8: 6:04 Stunden

Davis Cup 1989: Viertelfinale Österreich - Schweden

Host Skoff - Mats Wilander 6:7 (5), 7:6 (7), 1:6, 6:4, 9:7

Das Match zwischen Horst Skoff und Mats Wilander ist bis heute das längste Davis-Cup-Einzel seit Einführung des Tiebreaks. Der Österreicher und der Schwede prügelten sich in Wien auf dem Sandplatz 6:04 Stunden lang die Bälle um die Ohren. Skoff setzte sich mit 9:7 im fünften Satz durch und feierte einen seiner größten Einzelsiege. Für Wilander war es bereits die zweite Niederlage im Davis Cup nach über sechs Stunde Spielzeit (dazu später mehr). Skoffs Ausgleich zum 1:1 im Viertelfinale brachte jedoch nichts. Schweden gewann die Begegnung mit 3:2. Skoff erlitt im Jahr 2008 im Alter von 39 Jahren einen Herzinfarkt und verstarb daran. "Es ist schwer zu fassen, dass ein Mensch in so jungen Jahren sterben muss. Horsti hat mich über viele Jahre meiner Karriere begleitet, herausgefordert, motiviert und zu Höchstleistungen getrieben", sagte Landsmann Thomas Muster über den plötzlichen Tod von Skoff.

Platz 7: 6:20 Stunden

Davis Cup 2002: Halbfinale Russland - Argentinien

Lucas Arnold Ker/David Nalbandian - Yevgeny Kafelnikov/Marat Safin 6:4, 6:4, 5:7, 3:6, 19:17

Das Davis-Cup-Doppel zwischen Russland und Argentinien im Jahr 2002 ist das zweitlängste Doppel in der Tennisgeschichte. Die Argentinier Lucas Arnold Ker und David Nalbandian sowie die Russen Yevgeny Kafelnikov und Marat Safin duellierten sich in Moskau 6:20 Stunden lang. Am Ende hatten Arnold Ker und Nalbandian das bessere Ende für sich und verkürzten im Davis-Cup-Halbfinale auf 1:2. Dabei sah es nach dem Erfolg der Russen aus. Safin servierte bei 17:16 zum Matchgewinn für Russland. Die Argentinier wehrten zwei Matchbälle ab, kamen zurück ins Spiel und nahmen wenig später Kafelnikov den Aufschlag zum Matchgewinn ab. "Beim Seitenwechsel (bei 17:16) habe ich gedacht, dass wir das Match verloren haben. Mit einem Safin, der so serviert, dachte ich nicht, dass es möglich ist, zurückzukommen. Im Tennis ist es aber oft so: Wir haben zwei Matchbälle abgewehrt, dann war es an uns, das Match zu beenden", sagte Arnold Kerr hinterher. Den Argentiniern brachte der Doppelpunkt aber nichts. Russland zog ins Davis-Cup-Finale ein und gewann auch den Titel.

Platz 6: 6:21 Stunden

Davis Cup 1987: Relegation USA - Deutschland

Boris Becker - John McEnroe 4:6, 15:13, 8:10, 6:2, 6:2

Es ging ums nackte Überleben in der Weltgruppe im Davis Cup, als sich im Jahr 1987 die USA und Deutschland in der Relegation gegenüberstanden. Die gesamte Partie, vor allem das zweite Einzel zwischen John McEnroe und Boris Becker, ging in die Annalen als "Die Schlacht von Hartford" ein. Becker blieb im Hexenkessel von Hartford ruhig, ließ sich von den Psychospielchen von McEnroe nicht einschüchtern und rang den US-Amerikaner nach epischen 6:21 Stunden nieder. Schaut man auf das Ergebnis der Sätze vier und fünf, kann man sich vorstellen, dass dieses Match noch weitaus länger hätte gehen können. Wobei natürlich auch dazu gesagt werden muss, dass es 1987 noch keinen Tiebreak im Davis Cup gab. Dieser wurde erst 1989 in diesem Wettbewerb eingeführt.

Becker und McEnroe brauchten knapp fünf Stunden für drei Sätze. Die Sätze vier und fünf gingen schließlich recht zügig an Becker, der an diesem Davis-Cup-Wochenende zum deutschen Helden avancierte. Für Becker ist es "das größte Match, das ich je gespielt habe". Freundliche Worte für McEnroe fand er aber nicht. "Ich bewundere ihn als Tennisspieler, aber er tut mit als Mensch leid. Er wird genau wissen warum. Becker gab später zu Bedenken, dass "es ein Krieg war". McEnroe war nach Niederlage geknickt. "Ich hatte nicht mehr viel übrig. Ich habe alles gegeben, was ich konnte. Es war schön, Teil eines großen Matches gewesen zu sein. Ich wünschte nur, das Ergebnis wäre anders." Deutschland blieb durch den 3:2-Sieg in Hartford erstklassig und legte damit den Grundstein für den ersten Davis-Cup-Titel im Jahr 1988.

Platz 5: 6:22 Stunden

Davis Cup 1982: Viertelfinale USA - Schweden

John McEnroe - Mats Wilander 9:7, 6:2, 15:17, 3:6, 8:6

John McEnroe und Mats Wilander spielten 1982 das bislang längste Davis-Cup-Einzel in der Tennisgeschichte, allerdings ohne Tiebreak. Die Partie war das entscheidende Einzel im Davis-Cup-Viertelfinale zwischen den USA und Schweden. McEnroe gewann den beinharten Kampf gegen den damals 17 Jahre alten frischgebackenen French-Open-Sieger nach 6:22 Stunden und führte die USA damit zum Sieg. Alleine der dritte Satz dauerte dabei 2:39 Stunden. "An einem Punkt habe ich gedacht, dass es ewig dauern würde, und das war frustrierend. Es ist hart, dort gegen einen 17-Jährigen herauszugehen und nicht zu wissen, was man als nächstes tun soll. Ich wusste, dass er fähig ist, gut zu spielen. Er war völlig aufgedreht zu spielen" sagte McEnore nach dem Match. US-Kapitän Arthur Ashe war nach dem Halbfinaleinzug völlig aus dem Häuschen. "Er ist berechtigt, heute auszugehen und sich zu betrinken", sagte Ashe zu der Leistung von McEnroe. Wilander und McEnroe sind damit die einzigen beiden Spieler, die zwei Matches (beide im Davis Cup) mit über sechs Stunden Spielzeit bestritten haben.

Platz 4: 6:31 Stunden

Richmond 1984: 1. Runde

Vicki Nelson - Jean Hepner 6:4, 7:6 (11)

6:31 Stunden für ein 6:4, 7:6 (11)? Unvorstellbar, aber dennoch wahr! Die beiden US-Amerikanerinnen Vicki Nelson und Jean Hepner lieferten sich 1984 beim Damenturnier in Richmond (US-Bundesstaat Virginia) ein kurioses Match für die Geschichtsbücher. Nelson (damals Nummer 93) und Hepner (damals Nummer 172) spielten sich in der ersten Runde den Ball über 6:31 Stunden im langsamen Tempo zu, anders kann man es bei dieser langen Spielzeit auch nicht bezeichnen. Die beiden US-Amerikanerinnen spielten damit das längste Damenmatch in der Tennisgeschichte und waren zudem 20 Jahre lang sogar Rekordhalter im längsten Tennismatch auf Profiebene, das je gespielt wurde. Erst 2004 wurde die Spielzeit, die Nelson und Hepner hingelegt hatten, übertroffen.

Besonders kurios verlief der Tiebreak im zweiten Satz, der unfassbare 1:47 Stunden andauerte. Noch viel unglaublicher ist die Spielzeit des Ballwechsels beim Spielstand von 11:10 und Satzball für Hepner. Der Ballwechsel dauerte sage und schreibe 29 Minuten und umfasste 643 Schläge. "Es gab tonnenweise Lobs. Ich versuchte nach vorne zu kommen, und sie überlobte mich wieder", schilderte Nelson, die schließlich mit dem 643 Schlag den Punkt und den Satzball abwehrte. "Ich dachte, ich werde verrückt. Egal was ich mit dem Ball anstellte, sie hat ihn zurückgebracht. Es hat eine lange Zeit gedauert, dass ich den Nerv hatte, nach vorne zu kommen. Aber schließlich hat sie einen kurzen Lob gespielt und ich habe diesen aus dem Weg geräumt - für immer", blickte Nelson im Gespräch mit der "New York Times" auf das Match zurück.

Der Marathon-Ballwechsel hinterließ Spuren bei Nelson, die mit Krämpfen in den Beinen zusammenbrach. Der Schiedsrichter zeigte sich rigoros und verwarnte die US-Amerikanerin wegen Zeitüberschreitung. Doch Nelson riss sich noch mal zusammen und holte sich mit zwei weiteren Punktgewinnen den Sieg in diesem Rekordmatch. Kaum auszudenken, wie lange das Match noch angedauert hätte, wenn Hepner den Marathon-Ballwechsel und den Satz für sich entschieden hätte. Nelson entschuldigte sich nach dem Sieg bei den Linienrichtern für die Länge des Spiels. "Sie taten mir leid. Sie saßen so lange dort draußen, sie müssten eingeschlafen sein."

Die unterlegene Hepner hatte übrigens keinen blassen Schimmer, dass das Match so lange gedauert hatte. "Es gibt eine Zeitverzerrung, wenn du im Alpha-Zustand bist - wie bei einer Hypnose. Ich hatte keine Idee, dass sechseinhalb Stunden vorübergegangen sind." Das Match wurde vom renommierten Sportjournalisten John Packett beobachtet, der auch die Anzahl der Schläge beim Mega-Ballwechsel zählte. "Ich habe angefangen zu zählen, weil die Rallyes so lange gingen. Man musste sich vorstellen, wie lange diese Punkte dauern werden? Ich bin mir nicht sicher, warum ich es überhaupt gesehen habe. Ich bin froh, dass ich es getan habe, nachdem es sich herausgestellt hat, dass es ein historisches Match wird. Aber es war nicht einer meiner Höhepunkte in meiner journalistischen Karriere", sagte Packett.

Hugh Waters, der Besitzer des Clubs, in dem das Match stattfand, erinnerte sich wie folgt an dieses denkwürdige Ereignis. "Ich hatte viele Leute, die während des Turniers zu mir gekommen sind und gesagt haben, dass das Match lächerlich war, aber ich habe mich immer auf sie gestürzt. Es braucht Mumm, um das zu tun, was sie getan haben. Die Leute verstehen nicht den mentalen Aspekt des Spiels. Das war ein Kampf des Willens. Richtige Tennisfans wie ich können das wertschätzen." Kurz nachdem das Match beendet war, feierte Nelson auch noch kurioserweise ihren Geburtstag. Die US-Amerikanerin wurde 22 Jahre alt und berichtete ihrem Freund nach dem Sieg von ihrem Erlebnis. "Sie sagte mir, dass es der schlechteste Tag ihres Lebens war. Ich habe sie gefragt, ob sie verloren hat, und sie sagt nein, sie hat gewonnen, aber ist eben erst vom Platz gekommen. Ich habe ihr erzählt, sich auszumalen, wie Jean sich fühlt", erklärte, Keith Dunbar, der später der Ehemann von Nelson wurde.

In der zweiten Runde in Richmond schied Nelson verständlicherweise aus, aber nicht ohne enorme Gegenwehr (7:5, 5:7, 0:6) zu leisten. "Ich war richtig schlecht, ich konnte mich an dem Tag kaum bewegen." Für die unterlegene Hepner war die Niederlage im Rekordmatch auch 25 Jahre danach noch immer ein Thema. "Mein Magen fängt auch jetzt noch an, weh zu tun, wenn ich daran denke. Es war viel los in meinem Privatleben zu dieser Zeit. Ich habe versucht, meine Karriere in die richtige Richtung zu drehen, und es wurde schwerer das zu tun. Aber ich bin dort draußen nicht sechs Stunden geblieben, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich wollte nur so sehr dieses Match gewinnen", schilderte Hepner gegenüber der "New York Times".

Platz 3: 6:33 Stunden

French Open 2004: 1. Runde

Fabrice Santoro - Arnaud Clement 6:4, 6:3, 5:7, 3:6, 16:14

Ein Match über zwei Tage und 6:33 Stunden lieferten sich Fabrice Santoro und Arnaud Clement. Die beiden Franzosen spielten 2004 bei ihrem Heim-Grand-Slam, den French Open in Paris, ein episches Duell in der ersten Runde. Das Match wurde nach 4:38 Stunden Spielzeit beim Stand von 5:5 im fünften Satz wegen Dunkelheit abgebrochen. Kurz zuvor hatte Clement bei 5:4 einen Matchball vergeben. Am darauffolgenden Tag standen die beiden Franzosen knapp zwei Stunden auf dem Platz. Santoro wehrte bei 13:14 einen weiteren Matchball ab und ging schließlich als Sieger hervor.

"Ich war dicht dran an der Niederlage, es ist ein Wunder. Ich habe versucht, bei den wichtigen Punkten entspannt zu bleiben. Und wenn das tatsächlich so aussah, habe ich einen guten Job gemacht, weil es sehr angespannt war", sagte Santoro hinterher. Die beiden Franzosen stellten zum damaligen Zeitpunkt einen neuen Rekord für das längste Tennismatch auf. "Das interessiert mich nicht. Was bekomme ich? Eine Medaille? Es gibt morgen vielleicht ein noch längeres Match. Ich spiele nicht Tennis, um so viel Zeit wie möglich, auf dem Platz zu verbringen", war Clement nach seiner Niederlage bedient.

Platz 2: 7:02 Stunden

Davis Cup 2013: 1. Runde Schweiz - Tschechien

Tomas Berdych/Lukas Rosol - Marco Chiudinelli/Stanislas Wawrinka 6:4, 5:7, 6:4, 6:7 (3), 24:22

Dass das Davis-Cup-Doppel auch immer wieder für ein Drama gut ist, wurde in diesem Jahr in der ersten Runde zwischen der Schweiz und Tschechien unter Beweis gestellt. Marco Chiudinelli und Stanislas Wawrinka auf Seiten der Schweizer sowie Tomas Berdych und Lukas Rosol auf Seiten der Tschechen spielten in Genf nicht nur das längste Doppel in der Tennisgeschichte, sondern auch das längste Match im Davis Cup. Die vier Akteure duellierten sich 7:02 Stunden lang und pulverisierten einige Rekorde. Der nicht enden wollende fünfte Satz dauerte dabei 3:35 Stunden. Chiudinelli/Wawrinka wehrten insgesamt zwölf Matchbälle ab. Ausgerechnet ein Doppelfehler von Chiudinelli beim 13. Matchball setzte den Schlusspunkt unter diese so historische Begegnung.

"Selbst wenn jemand diesen Rekord schlägt in der Zukunft, habe ich diese Erfahrung gemacht, die ich mit irgendjemandem teilen kann. Diese Art von Erfahrungen macht den Wettbewerb aus. Darum komme ich immer wieder zurück. Du spielst Tennis für die Erinnerungen, und wenn du einmal etwas erreicht hast, sind die Erinnerungen etwas, was niemand von dir stehlen kann", erklärte Berdych, der mit drei Punkten die Tschechen zum Sieg in der Schweiz verhalf. Für Wawrinka war die Niederlage besonders bitter. Zwei Wochen zuvor bei den Australian Open hatte der Schweizer in einem weiteren denkwürdigen Match gegen Novak Djokovic nach fünf Stunden verloren.

Platz 1: 11:05 Stunden

Wimbledon 2010: 1. Runde

John Isner - Nicolas Mahut 6:4, 3:6, 6:7 (7), 7:6 (3) 70:68

Es war ein Spiel der Rekorde, in dem Tennis- und Sportgeschichte geschrieben wurde. John Isner und Nicolas Mahut spielten in der ersten Runde beim Wimbledonturnier 2010 das längste Tennismatch aller Zeiten. Worte für dieses epische Duell zu finden, sind schwer. Nach 11 Stunden und 5 Minuten besiegte John Isner Nicolas Mahut mit 6:4, 3:6, 6:7 (7), 7:6 (3), 70:68. Alleine der fünfte Satz wäre mit einer Spielzeit von 8:11 Stunden als längstes Tennismatch durchgegangen. "Was diese beiden Spieler gezeigt haben, zählt zum Größten, was es in diesem Sport je gegeben hat. Das war pures Heldentum", versuchte John McEnroe Worte für dieses Match zu finden.

Nach drei Spieltagen fand das Match, das viele Rekorde pulverisiert hat, ein Ende. Isner machte 478 Punkte und schlug 112 Asse, Mahut machte 502 Punkte und schlug 103 Asse. "Ich habe mir nur noch gesagt: Du musst auf beiden Beinen stehen bleiben. Deinem Gegner geht´s auch nicht besser", sagte Isner über den Marathon. Mahut, den Isners Matchball bei 70:68 "traf wie ein Messerstich ins Herz", sagte, er sei teilweise wie "ein Betrunkener" über den Platz geirrt, "kaum noch bei Besinnung": "Ich war nur noch aus dem Unterbewusstsein gesteuert." Isner und Mahut haben Rekorde für die Ewigkeit aufgestellt. Es muss schon mit dem Teufel zugehen, wenn dieser Rekord gebrochen wird. Doch der Sport hat schon bewiesen, dass es immer noch eine Steigerung gibt.

Besonders kurios: Isner und Mahut standen sich ein Jahr später wieder in Wimbledon gegenüber - erneut in der ersten Runde. Die Wahrscheinlichkeit auf dieses Ereignis lag vor der Auslosung bei 1:142,5. Isner setze sich wieder gegen Mahut durch, brauchte dafür aber diesmal nur 2:03 Stunden. 2012 hätte es beinahe den dritten Teil in Wimbledon zwischen Isner und Mahut gegeben. In der zweiten Runde hätte es zum erneuten Duell der Rekordmänner kommen können. Doch Isner verhinderte einen dritten Teil, da er in der ersten Runde ausschied. (Foto: Jürgen Hasenkopf)

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