French Open 1987: Der erste Grand-Slam-Sieg von Steffi Graf

Die Geburtsstunde der Gräfin

Mittwoch, 24.05.2017 | 20:48 Uhr
Steffi Graf
© getty
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tennisnet.com blickt auf den French-Open-Sieg von Steffi Graf im Jahr 1987 zurück. Der Finalsieg gegen Martina Navratilova war der erste Grand-Slam-Titel für die Deutsche und die Geburtsstunde einer der besten Tennisspielerinnen aller Zeiten.

Von Christian Albrecht Barschel

Ganz Deutschland schaute am 6. Juni 1987 nach Paris. Eine 17-jährige Deutsche mit dem Namen Stefanie Graf stand kurz davor, deutsche Sportgeschichte zu schreiben. Der Teenager aus Brühl hatte bei den French Open das erste Grand-Slam-Finale erreicht und schickte sich an, die erste deutsche Grand-Slam-Siegerin nach dem Zweiten Weltkrieg zu werden. tennisnet.com blickt auf den ersten Grand-Slam-Titel von Steffi Graf zurück - es ist die Geburtstunde der Gräfin.

Duell der Generationen

Das Tennisjahr 1987 steht bis zum Beginn der French Open ganz im Zeichen von Steffi Graf, einer jungen Deutschen aus der badischen Kleinstadt Brühl. Die 17-jährige Graf reist als Nummer zwei der Welt und ohne eine einzige Saisonniederlage nach Paris. Sechs Turniere hat die Deutsche in diesem Jahre bis dato gewonnen. Graf gilt als die Zukunft im Damentennis und zeigt das auch eindrucksvoll bei den French Open. Bis zum Halbfinale spaziert die 17-Jährige durch das Turnier. Auf dem Weg in ihr erstes Grand-Slam-Endspiel droht jedoch das Scheitern. Graf liegt im Halbfinale gegen Gabriela Sabatini mit 3:5 zurück. Doch die Deutsche meistert die brenzlige Situation und qualifiziert sich mit dem 38. Sieg in Serie für den großen Final-Showdown auf der roten Asche von Paris.

Ihre Endspielgegnerin ist keine Geringere als die Nummer eins der Welt, Martina Navratilova. Die "Grande Dame" des Damentennis führt die Weltrangliste seit fünf Jahren mit kurzen Unterbrechungen an. Doch mit Graf ist für Navratilova ernstzunehmende Konkurrenz herangewachsen. Für die US-Amerikanerin ist es bereits das 23. Grand-Slam-Finale, 15 Titel stehen zu diesem Zeitpunkt zu Buche. Es ist nicht nur das Duell der beiden besten Spielerinnen, sondern auch ein Duell der Generationen. Auf der einen Seite die junge, aufstrebende 17-jährige Graf, die kurz vor der Übernahme der Weltranglistenspitze steht. Auf der anderen Seite die erfahrene, erfolgshungrige 30-jährige Navratilova, die ihre Vormachtstellung im Damentennis behalten will.

Graf gegen die bedingungslose Offensive

Die ersten zwei Punkte der Partie zeigen gleich, wo die Reise hingeht. Navratilova attackiert immer wieder die Rückhandseite von Graf und stürmt ans Netz, wenn die Bälle der Deutschen zu kurz werden. Graf hingegen ist bestrebt, die US-Amerikanerin an der Grundlinie zu halten und die Bälle mit ihrer starken Vorhand zu verteilen. Das funktioniert auch von Beginn an gut. Navratilova kann sich mit ihrem Offensivspiel nur wenig entfalten und hat Schwierigkeiten, ihren Aufschlag zu halten. Graf nutzt ihre fünfte Breakchance und geht folgerichtig mit 4:2 in Führung. Doch dann scheint der Satz zu kippen. Navratilova braucht nur eine Möglichkeit, um sich das Rebreak zum 3:4 zu holen. Nach einer weiteren abgewehrten Breakchance von Graf ist der Satz bei 4:4 wieder offen.

Es folgt das Schlüsselspiel im ersten Satz. Navratilova ist jetzt obenauf und setzt Graf weiter unter Druck. Die Breakmöglichkeit zum 4:5 wehrt die Deutsche jedoch ab und spielt anschließend ein starkes Returnspiel. Ein sehenswerter Rückhand-Passierball bringen drei Satzbälle. Gleich der erste Satzball sitzt, als die 17-Jährige Navratilova am Netz ein weiteres Mal auskontert. Der erste Schritt zum ersten Grand-Slam-Titel ist getan. Die routinierte Navratilova hat solche Situationen schon dutzendmal in Grand-Slam-Endspielen erlebt und lässt sich vom Satzgewinn der Deutschen nicht beirren. Die US-Amerikanerin schlägt nun im Vergleich zum ersten Satz deutlich besser auf und geht mit 4:2 in Führung. Graf schafft aber den Ausgleich zum 4:4. Mit einem katastrophalen Aufschlagspiel mit vier leichten Fehlern ermöglicht die Deutsche Navratilova das Break zum 5:4. Die Nummer eins der Welt lässt sich nicht zweimal bitten und serviert sicher zum Satzausgleich aus.

Doppelfehler zur Unzeit von Navratilova

Das Momentum ist jetzt auf der Seite der US-Amerikanerin. Graf hat sichtlich Schwierigkeiten mit den extremen Windbedingungen, die auf dem Centre Court in Paris herrschen. Ein frühes Break im dritten Satz kann die Deutsche aber zweimal abwenden. Nach jeweils 15:40 bringt Graf ihre Aufschlagspiele zum 1:0 und 2:1 durch. Beim dritten Aufschlagspiel passiert es jedoch. Navratilova holt sich das Break zum 3:2. Die Vorentscheidung ist das allerdings nicht. Graf kontert eiskalt und nimmt der Weltranglisten-Ersten das Aufschlagspiel zu null ab. Doch wie gewonnen, so zerronnen. Navratilova setzt ihr Angriffsspiel immer besser durch und schafft gleich im Anschluss das Break zum 4:3. Wenige Minuten später serviert sie zu ihrem dritten Titel bei den French Open. Der erfahrenen Linkshänderin versagen aber ausgerechnet jetzt die Nerven. Beim Stand von 15:15 schlägt Navratilova zwei Doppelfehler in Folge. Graf breakt zum 5:5 und ist wieder im Spiel.

Die Deutsche stellt ihr Spiel etwas um und taucht nun häufiger am Netz auf. Die 6:5-Führung von Graf kontert Navratilova mit dem Ausgleich. Die Weltranglisten-Erste bleibt weiter ihrer Linie treu und attackiert, wo es nur geht. Beim Breakball spielt Navratilova allerdings einen recht einfachen Volley ins Netz. Graf sichert sich schließlich das 7:6. Navratilova ist nun erneut gezwungen, ihren Aufschlag zu halten, um im Match zu bleiben. Graf gelingen zwei Punkte mit sehenswerten Passierschlägen. Bei 30:30 spielt Navratilova ihren Slice-Angriffsball ins Netz. Knapp über zwei Stunden sind gespielt und Graf hat Matchball zum ersten Grand-Slam-Triumph. Der erste Aufschlag von Navratilova landet im Netz. Vor ihrem zweiten Aufschlag bricht die Weltranglisten-Erste nach "Allez, Martina"-Rufen die Bewegung ab und sammelt sich erst einmal. Es nützt nichts. Der zweite Aufschlag landet im Aus.

"Ich bin glücklich und traurig"

Graf reißt jubelnd die Arme in die Luft und hat Tränen in den Augen. Sie gewinnt ihr erstes Grand-Slam-Turnier und beschenkt sich damit vorzeitig zu ihrem 18. Geburtstag, der eine Woche später stattfindet. "Ich habe nie erwartet, so früh ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. Ich glaube, dass es mich immer noch nicht erreicht hat, dass ich es geschafft habe", ist Graf sprachlos über ihren Triumph. "Ich bin glücklich und traurig, dass ich das Match gewonnen habe. Ich bin traurig über ihre Doppelfehler. Wenn sie nicht die Doppelfehler gemacht hätte, denke ich nicht, dass ich gewonnen hätte", gab die frisch gebackene French-Open-Siegerin ehrlich zu. Navratilova zeigt sich aber als gute Verliererin. "Ich bin sehr enttäuscht, weil es auch andersrum hätte laufen können. Steffi hat aber besser gespielt, wenn es darauf ankam. Deshalb hat sie verdient gewonnen."

Mit dem 39. Sieg in Folge im Jahr 1987 ist Graf dicht davor, Navaratilova als Nummer eins abzulösen. "Martina ist immer noch die Nummer eins. Aber heute habe ich einen großen Schritt näher gemacht. Ich bin so dicht dran wie nie zuvor", sagt die Deutsche, die zwei Monate später am 17. August erstmals die Nummer eins werden sollte und diese Position für die Rekordanzahl von 43 Monaten nicht wieder hergeben sollte. Der Generationswechsel war vollzogen, auch wenn Graf im selben Jahr noch ihre einzigen Niederlagen in der Saison in den Grand-Slam-Finals von Wimbledon und New York kassierte - beide gegen Navratilova. Dem ersten Grand-Slam-Titel ließ Graf im nächsten Jahr mit dem Gewinn des einmaligen "Golden Slam" den totalen Triumph folgen. Aber das ist eine andere Geschichte über die Gräfin aus Brühl.

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