Wintersport

Marco Schwarz zieht Lehren aus Knieverletzung: „Werde Rennen auslassen“

Marco Schwarz befindet sich auf dem Weg zurück.
© GEPA

Marco Schwarz hat sich am Dienstagvormittag zu seinem aktuellen Gesundheitszustand geäußert. Zwei Monate nach einer schweren Knieverletzung zeigte sich der 23-Jährige zuversichtlich, in der nächsten Saison in Topform auf die Skipisten zurückzukehren. Der dreifache WM-Medaillen-Gewinner von Are gestand Fehler in der Wettkampfplanung ein und hält sich die Option offen, in Zukunft Weltcup-Rennen auszulassen.

"Die ersten drei Wochen im Alltag waren schwer. Es geht mir momentan sehr gut, die Muskeln wachsen schon wieder, mein linker Oberschenkel ist ein bisschen zusammengegangen. Jetzt heißt es hart schuften in der Kraftkammer", erklärte Schwarz im Rahmen einer Pressekonferenz. Der Kärntner befindet sich seit drei Wochen im Aufbautraining, das er in Innsbruck und in Seeboden in Kärnten absolviert.

Bei einem Kombinations-Super-G in Bansko im vergangenen Februar zog sich Schwarz beim Zielsprung einen Riss des vorderen Kreuzbandes sowie einen Innenmeniskusriss im linken Knie zu. "Es war eine unglückliche Situation. Für einen Abfahrer wäre diese Passage kein Problem, aber wenn jemand nicht so viel Abfahrt trainiert und auf solch einen Sprung kommt, ist man nicht entsprechend vorbereitet", sagte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, und beklagte: "Es war sicher unklug gesteckt, das muss man auch sagen."

Marco Schwarz: Wettkampfpausen möglich

Ein Comeback auf Skiern ist für Schwarz für Ende August eingeplant. Ob es bereits für das erste Saisonrennen, dem traditionellen Riesenslalom in Sölden Ende Oktober, reichen wird, lässt sich Schwarz offen. "Ich will mir keinen Stress machen. Ich will mich zu 100 Prozent fit fühlen."

Seine Knieverletzung zog sich Schwarz nur unmittelbar nach dem Höhepunkt der vergangenen Ski-Saison zu. Bei der WM in Are holte er in Slalom und Kombination die Bronze-Medaille, zudem kürte er sich zum Team-Vizeweltmeister. Nur fünf Tage nach dem legendären ÖSV-Dreifach-Sieg im WM-Slalom hielt Schwarz' Knie der Belastung beim Zielsprung von Bansko nicht Stand.

Zu diesem Zeitpunkt wurde die Kritik an der FIS um deren Rennkalender laut. Direkt nach der Weltmeisterschaft waren innerhalb einer Woche vier Weltcup-Rennen angesetzt: Ein City-Event in Stockholm gefolgt von einem Rennwochenende in Bansko. Gesamtweltcup-Seriensieger Marcel Hirscher zählte zu den größten Kritikern der intensiven Wettkampfabfolge, steckte im Saisonfinish wie Schwarz aber nicht zurück und bestritt alle Rennen.

Im Gegensatz dazu entschied sich etwa Mikaela Shiffrin in der vergangenen Saison regelmäßig dazu, Wettkampfpausen einzulegen. Eine Idee, der auch Schwarz für die Zukunft einiges abgewinnen kann. "Wenn ich wieder in diese Situation kommen würde, werde ich ein Rennen auslassen", gibt Schwarz zu. Die Saison empfindet der zweifache Weltcup-Sieger keineswegs für zu lange, allerdings wünsche er sich ein paar mehr Ruhetage.

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel: "Marco kann ein ganz Großer werden"

"Es war sehr intensiv. Ich bin in Are zwei Wochen durchgefahren, davor gab es im Jänner auch nicht viele Tage, an denen ich eine Pause gemacht habe", sagte Schwarz, der den einen oder anderen Fehler in der Planung eingesteht: "Man hätte es sich vielleicht ein bisschen besser einteilen und im Training etwas rausnehmen können. Aber wenn zwei Tage nach der WM wieder ein Rennen ist, dann kommt man nicht zur Regeneration. Obwohl man das eigentlich müsste."

Da die Anzahl an Verletzungen im Weltcup-Starterfeld in der vergangenen Saison erneut erschreckende Ausmaße erreichte, wurden einige Ideen zur Verletzungsvermeidung diskutiert. Darunter sollen etwa Rennanzüge aus einem anderen Material für langsamere Geschwindigkeiten sorgen, um das Verletzungsrisiko zu minimieren.

Für Technik-Spezialist Schwarz ist der Vorschlag weniger zielführend. "Man kann aber mit der Kurssetzung viel beeinflussen", schlug er vor, wenngleich er festhielt: "Die Verletzungen wird man nie ganz wegbekommen. Es bleibt immer ein Risiko."

Der effektivste Weg, um Verletzungen zu vermeiden, sei eine längere Regenerationszeit, sagte Schwarz. Außerdem sei die Vorbereitung im Sommer ist "die Basis, um das Verletzungsrisiko so gut wie möglich auszuschalten."

"Solch eine Verletzung kann eine Karriere beeinträchtigen", sagte Schröcksnadel. "Aber mit der heutigen Reha ist es jederzeit möglich, gesund zurückzukommen." Von Schwarz selbst erwartet sich der 77-Jährige einiges. "Marco kann ein ganz Großer werden, wenn alles stimmt in der Zukunft." Für Schwarz sei es "eine Ehre", wenn der Präsident so lobende Worte für ihn übrighabe.

Marco Schwarz über Marcel Hirscher: "Nimmt medialen Druck ab"

Während Schwarz als zukünftiger Kandidat als Gesamtweltcupsieger gehandelt wird, sind die Fragezeichen hinter dem aktuellen Gewinner der großen Kristallkugel nicht geklärt. Marcel Hirscher hat sich bislang noch nicht festgelegt, ob er seine Karriere fortsetzen wird, wenngleich erste Indizien dafür sprechen würden.

Schwarz hofft, dass sein Teamkollege die Karriere fortsetzt. "Ich würde mich freuen, wenn er weiterfährt. Einerseits habe ich dann im Training einen guten Vergleich, andererseits nimmt er medial viel Druck ab. Ich komme sehr gut mit ihm aus, deshalb wäre es sehr schade, wenn er aufhören würde."

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