Fussball

Wie eine Spieleragentur den Trainer einstellte

Die Hartberg-Posse
© GEPA

In der Sky Go Erste Liga spielte sich eine kuriose Posse ab: Vor dem Saisonstart zeigte Hartberg Neo-Coach Ivo Istuk die Hintertüre. Die skurrilen Hintergründe.

Es ist schon kurios. Nur 28 Tage nachdem der TSV Hartberg Ivo Istuk als Cheftrainer präsentierte, ist die Zusammenarbeit wieder vorbei. Am Tag vor dem Saisonstart. Ein Schmankerl aus dem österreichischen Fußball, das sich als höchst skurril herausstellt. Denn Deutsch oder Englisch kann Istuk nicht. So stellte ihm der Verein Marko Kovacevic zur Seite - dieser trug als Dolmetscher der Mannschaft Istuks Ideen vor. Ein Vorhaben, das gehörig in die Hose ging.

Ein fragwürdiger Deal

"Wir sind Mittwochabend zusammengesessen und haben an der bestmöglichen Entscheidung für den Verein gearbeitet. Schlussendlich waren die sprachlichen Barrieren zu groß und die Gefahr gegeben, Schiffbruch zu erleiden", erklärt Obmann Franz Grandits auf SPOX-Nachfrage. Mittlerweile ist wieder Ex-Coach Bruno Friesenbichler im Amt. Jener Trainer, mit dem die Hartberger vergangene Saison mehr als respektabel auf Platz acht landeten.

Doch wie kam es überhaupt zu der Idee, Ivo Istuk ins Boot zu holen? SPOX-Recherchen ergaben, dass sich die Steirer mit einer Spieleragentur aus dem Osten auf einen Deal einließen. Diese sollte dem finanziell strauchelnden Verein neue Möglichkeiten bieten. Gleich vier bis fünf Spieler hätte die Agentur in Hartberg geparkt - mit einer hohen Investment-Beteiligung für den Sponsor.

Ein "mutiges Konzept"

Auch Istuk hat Verbindungen zu jener Agentur - und die angebotenen Spieler wären mit seiner Verpflichtung noch günstiger zu haben gewesen. Dass Istuk die Spieler aus der ihm nahen Agentur gefördert hätte, ist keine gewagte These. "Die Agentur wollte den Verein ins Spitzenfeld der zweiten Liga heben, damit noch bessere Spieler geparkt werden können", so eine SPOX-Quelle, die ungenannt bleiben will.

Die Existenz der Agentur streitet Sekretär und Pressekontakt Kurt Riedl nicht ab, verweist in Erklärungsnot aber auf Obmann Grandits. Dieser sagt: "Die Verpflichtung von Istuk war mit einem mutigen Konzept verbunden. Wir haben uns davon mehr versprochen und uns erhofft, Topspieler holen zu können."

Und die Spieleragentur? "Ja, das war eine Spieleragentur, mit der wir die Qualität des Vereins heben wollten. Sie hat uns Istuk vermittelt, es hätten weitere Spieler kommen sollen. Ich hatte das Gefühl, dass da was weitergeht", so der Hartberg-Obmann.

Friesenbichler badet im kalten Wasser

Der Draht zum Sponsor soll nicht abgetrennt sein, meint Grandits. Auch wenn Riedl gesteht: "Es ist nicht mehr so wie vorher." Der österreichische Fußball ist trotzdem um eine Posse reicher. Das sieht auch Neo-Coach Bruno Friesenbichler so, der nicht so richtig weiß, wie ihm geschieht.

"Es ist so schnell gegangen. Ich wurde zum Gespräch gebeten und war plötzlich wieder Trainer. Aber morgen beginnt die Saison und ich habe kein Wort mit der Mannschaft gewechselt. Auch die Kaderplanung ist nicht auf meinen Mist gewachsen."

Und die ominöse Agentur? "Damit will ich mich nicht beschäftigen. Man hat sich davon etwas versprochen, das nicht funktioniert hat. Aber damals musste ich wegen dieser Agentur meine Arbeit beenden." Nun macht Friesenbichler wieder weiter - und hat einiges auszubügeln.

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