Fussball

Eine Farce in mehreren Akten

Ein Kommentar von Fabian Zerche
© GEPA

Das Cup-Duell zwischen Rapid Wien und Sturm Graz war ein Trauerspiel in mehreren Akten. Der Mittwochabend aufgearbeitet - ein Kommentar.

Das Prestigeduell zwischen Rapid und Sturm hätte Werbung für den sich im Tiefschlaf befindenden ÖFB-Cup werden sollen. Dass dies, vorsichtig formuliert, kein einfaches Unterfangen werden würde, war abzusehen. Schlussendlich - Zyniker würden "wie erwartet" sagen - kippte es ins Gegenteil und das überrascht nicht wirklich.

Nur rund 7.000 Zuschauer verirrten sich ins Happel-Oval und sorgten für eine biedere Kulisse, passend zu einem ebenso biederen und chancenarmen Spiel. Die gewohnt müde Aufbereitung des ORF passte ins Bild, der Gusto auf ein Fußball-Premium-Produkt und Cup-Romantik wurde eher bei HSV gegen Bayern gestillt.

Ein irritierendes Foda-Interview

Sturm musste sich verdient, weil in keiner Phase zwingend, mit 1:0 geschlagen geben. Und somit ist die durch die Franco Foda-Bestellung initiierte Euphorie, sofern sie je existiert hat, endgültig verflogen. Der Sturm-Trainer war es auch, der für den einzigen Aufreger des Abends sorgte. Denn als sich der Deutsche dem zahnlosen Andreas Felber zum Post-Match-Interview stellte, breitete sich bei den Zuschauern Fassungslosigkeit aus.

Statt die tatsächlichen Probleme seiner Mannschaft aufzeigen, fabulierte Foda von Dominanz. Was sich wirklich ereignete: In vielen Phasen hielt sich Sturm durch extreme Fehlpassorgien selbst vom Rapid-Tor fern. Klare Torchancen? Nicht wirklich. Eher auffällige Probleme mit Rapids Überzahl im Zentrum. Das hat Zoran Barisic im Vorfeld übrigens ganz gut erkannt und umgesetzt.

Das lässt sich von Franco Fodas Analyse schwer behaupten. Denn entweder wollte er die Zuschauer nicht an seiner tatsächlichen Wahrnehmung teilhaben lassen - dann fühlen sich die Sturm-Fans zurecht gefrotzelt - oder, noch schlimmer, Foda sah es tatsächlich so. Dass Sturm maximal "ein Blackout über zehn Minuten hatte", sonst aber "sehr, sehr gut angefangen", dann wieder "dominiert hat" und ein "richtig starkes Spiel zeigte". Nur halt leider "nicht so konkret im letzten Drittel, sonst aber spielbestimmend".

Kainz' Befürchtung ist längst Realität

Na gut. Aber wenigstens ein Protagonist hat nach dem Spiel Klartext gesprochen: Florian Kainz. Über zwei Spiele wurde er von einigen (wenigen?) Sturm-Fans durchs Dorf getrieben, schwerst beschimpft und auf Transparenten als Prostituierte und Schwein dargestellt. Vom "Schweinekopf-Gate" am Wochenende ganz zu Schweigen.

Sturm hielt sich vornehm zurück und ließ sich mit wenigen Sätzen im Vorfeld einer Pressekonferenz zum absoluten Minimum der beschwichtigenden Worte drängen. Schön, dass wenigstens Kainz reife Worte findet. Dieser sagt nämlich: "Ich bin enttäuscht, dass sich von Sturm niemand entschuldigt hat. (...) Das kann so nicht weitergehen, sonst wird das zur Norm." Aber das ist diese postpubertäre, testosteronschwangere Idiotie leider längst.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung